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Landesverband der Grünen sucht neue Chefin

Die Grünen sind fünf Wochen vor der Wahl noch auf der Suche nach mindestens einem Landesvorsitzenden. Die bisherige Chefin, Irma Franke-Dressler, gibt ihr Amt ab. Für sie sucht die Partei nach einer Nachfolgerin, die dem linken Flügel der Partei zugeordnet werden kann.

"Wir suchen eine starke Persönlichkeit, die stärker als bisher auch in der Öffentlichkeit präsent ist", sagte ein Mitglied des erweiterten Landesvorstandes am Mittwoch. Als erste Anwärterin auf den Posten gilt nach Informationen der Berliner Morgenpost die ehemalige Bundestagsabgeordnete und Fraktionschefin im Abgeordnetenhaus, Franziska Eichstädt-Bohlig. Doch die 69-jährige Stadtentwicklungsexpertin hat bislang abgelehnt. Sie würde aber ideal in das Anforderungsprofil der Partei passen: Frau, links, prominent.

Als weitere Kandidatinnen gelten das bisherige Vorstandsmitglied Bettina Jarasch und die in der Vergangenheit vom linken Parteiflügel unterstützte Marion Hasper. Hasper war bei der Wahl 2009 Franke-Dressler nur knapp unterlegen.

Unklar ist, ob der zweite Landesvorsitzende, Stefan Gelbhaar, eine weitere Amtsperiode anstrebt. Der Rechtsanwalt aus Pankow hat sich bislang öffentlich noch nicht für eine erneute Kandidatur entschieden. Gelbhaar hat das Amt seit zwei Jahren inne. Er gilt als Vertreter des Realo-Flügels, ist intern aber nicht unumstritten. Im Zusammenhag mit der Aufstellung der Spitzenkandidatin Renate Künast war dem linken Flügel der Partei zugesagt worden, im Gegenzug die Position der Landeschefin zu besetzen. Offizielle Bewerbungen liegen nach Angaben des Landesverbandes noch nicht vor.

Die Partei will in diesem Jahr den Landesverband ausbauen. Die Geschäftsstelle an der Kommandantenstraße stand in der Vergangenheit im Schatten der Fraktion im Abgeordnetenhaus. Der starke Mitgliederzuwachs erfordert nach Ansicht der Parteichefs eine Vergrößerung des Landesverbandes. In den ersten drei Wochen dieses Jahres verzeichnete die Partei bereits 108 Parteieintritte. Die Mitgliederzahl erhöhte sich damit auf 4782. Im Jahr 2000 hatten noch 3323 Berliner ein Parteibuch der Grünen. Nach den aktuellen Umfragen liegt die Partei derzeit mit 25 Prozent der Wählergunst auf Rang zwei hinter der SPD (29 Prozent).