Nahverkehr

S-Bahn-Kunden bekommen wieder Freifahrten

Die leidgeplagten Nutzer der Berliner S-Bahn können wenigstens auf ein Trostpflaster hoffen. Nach Informationen der Berliner Morgenpost will der Bahn-Konzern ein "Entschuldigungspaket" angelehnt am Vorjahresangebot schnüren.

Dies hat nach Aussagen von Teilnehmern S-Bahn-Chef Peter Buchner am Mittwoch im nicht öffentlich tagenden Verkehrsausschuss des Bundestags angekündigt.

2010 hatte die S-Bahn etwa allen Zeitkarten-Inhabern zwei Freifahrt-Monate gewährt, Gelegenheitsfahrer konnten verbilligte Monatskarten kaufen oder an Wochenenden mit einem Einzelfahrschein den ganzen Tag über fahren. Bahn-Chef Rüdiger Grube hatte jüngst zwar erneute Entschuldigungsleistungen angekündigt, Einzelheiten will die Bahn aber erst am Monatsende bekannt gegeben.

Der Verkehrsausschuss des Bundestages hatte sich erstmals in einem gesonderten Tagesordnungspunkt mit der Berliner S-Bahn-Krise beschäftigt. Dabei ging es auch um die Frage, seit wann die Konzernspitze der Deutsche Bahn von Unzulänglichkeiten im Berliner Tochterunternehmen wusste. Sowohl ein Vertreter des Betriebsrats als auch der Geschäftsführer des Verkehrsverbundes Berlin-Brandenburg (VBB) berichteten darüber, dass die Vorstände der DB-Sparten Regio und Stadtverkehr bereits 2006 über eklatante Mängel bei der Berliner S-Bahn informiert wurden. Auch der damalige Bahn-Chef Hartmut Mehdorn soll Bescheid gewusst haben. VBB-Chef Hans-Werner Franz sagte, er könne sich deshalb gut daran erinnern, weil Mehdorn ihn bei einem Treffen vor einigen Jahren im Bahn-Tower am Potsdamer Platz am Revers gepackt und aufgefordert habe, aufzuhören, Stimmung gegen die Bahn zu machen.

Laut dem SPD-Verkehrsexperten Uwe Beckmeyer widersprechen die Aussagen des Betriebsrats und des VBB-Vertreters einem Bericht, den der für Personenverkehr zuständige DB-Vorstand Ulrich Homburg Anfang 2010 im Ausschuss vorgelegt hatte. Darin habe der Konzern alle Schuld an den Problemen der Berliner S-Bahn von sich gewiesen: Die Mängel an den Triebwagen seien Vorstand und Aufsichtsrat nicht bekannt gewesen, es sei keine Sparpolitik betrieben worden, hieß es damals. Schuld an den Missständen sei der Hersteller der Fahrzeuge, ein Unternehmen, das heute zum kanadischen Fahrzeughersteller Bombardier gehört. Beckmeyer bezeichnete den Bericht, den eine Anwaltskanzlei für die Bahn erstellt hat, als "Freifahrtschein" für die Konzernverantwortlichen. Diese hätten sich von allen Vorwürfen reinwaschen wollen. Nötig sei nun eine Diskussion über "Konsequenzen und Personal".