Verkehr

Mercedes soll Brände bei der BVG stoppen

Brennende Busse, Garantiemängel, Verspätungen und Ausfälle. Der Busverkehr der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) ist in die Negativ-Schlagzeilen geraten. Jetzt fordert Verkehrssenatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD) Konsequenzen.

Sie hat die BVG aufgefordert, schnellstmöglich alle Ursachen der technischen Probleme aufzuklären, wie ihr Sprecher Mathias Gille bestätigte. BVG-Chefin Sigrid Nikutta habe der Senatorin aber bereits gestern zugesichert, dass in keinem Fall unsichere Fahrzeuge eingesetzt würden, sagte Gille. Damit reagierte Nikutta offenbar auf Meldungen über eine vermeintlich drohende Zwangsstilllegung ganzer Bus-Baureihen.

Im Fokus stehen vor allem die Fahrzeuge des Typs Citaro, die eine Tochterfirma von Mercedes-Benz herstellt. Bereits sieben Mal brannten BVG-Citaros, zuletzt am vergangenen Sonnabend an der Rixdorfer Straße in Mariendorf. Zwölf Fahrgäste musste der Busfahrer dort in Sicherheit bringen, nachdem Rauch aus dem Motorraum aufgestiegen war. Wenig später brannte der Bus lichterloh. Anders als in den bisherigen Fällen handelte es sich aber nicht um einen Citaro mit aufrecht stehendem Motor, sondern um ein längeres Modell mit herkömmlicher Motorkonstruktion.

Bislang gingen Experten davon aus, dass die Turmkonstruktion der zwölf Meter langen Busse einen Kamineffekt auslösen könnte, der die Brandentwicklung beschleunige. Der Hersteller hatte das stets bestritten. Fakt ist: Bis heute ist unklar, warum auch in anderen Städten, vor allem aber in Berlin, immer wieder Citaro-Busse brennen. BVG-Chefin Nikutta, erst seit Monatsbeginn an der Spitze des landeseigenen Unternehmens, reagierte prompt auf den ersten Brand in ihrer Amtszeit. Bei einem Gespräch mit Vertretern des Herstellers sei vereinbart worden, dass Mercedes-Fachleute umgehend in die BVG-Werkstätten geschickt werden, um die dortigen Mitarbeiter zu unterstützen, sagte BVG-Sprecherin Petra Reetz. Weiter wurde vereinbart, dass binnen vier bis sechs Wochen in allen Bussen dieses Typs Brandmeldeanlagen eingebaut werden.

Rätselhaft für alle Experten ist vor allem eines: In sechs von sieben Brandfällen waren Busse des Baujahrs 2002 betroffen. Auch der am Sonnabend ausgebrannte Bus war acht Jahre alt. Und er war noch bis Ende September in einer Mercedes-Fachwerkstatt, wo alle Teile, die bislang als mögliche Brandursachen galten, ausgetauscht oder repariert wurden. "Das ist schon bemerkenswert", so Reetz

Untätig ist die BVG allerdings nicht. Seit Beginn der Brandserie wurden bereits in mehr als der Hälfte der insgesamt 1300 BVG-Busse Wärmesensoren im Motorraum montiert, die rechtzeitig vor Feuer warnen. In zwei der insgesamt 96 Citaro-Busse mit Turmmotor wird zudem eine Feuerlöschanlage gestestet. Jene kann aufflammende Brände im Motorraum automatisch mit Schaum ersticken. Nach Ablauf des Tests - frühestens Ende dieses Jahres - will die BVG entscheiden, ob solche Anlagen angeschafft werden. Geplant sei bislang, die Hälfte der Citaros mit Löscheinrichtungen auszustatten und die andere Hälfte gegen Neu-Fahrzeuge auszutauschen, sagte Reetz.

Für den neuen BVG-Busdirektor Martin Koller, der Mitte November sein Amt antritt, wird die Brandserie aber nur eine von vielen Baustellen sein. Wie berichtet kämpft die BVG seit Monaten mit zahlreichen technischen Mängeln an mehreren Bus-Baureihen jüngerer Baujahre.