Bildung

Kritik an Sprachtest für Dreijährige

Der geplante Sprachtest für Dreijährige stößt bei Experten auf große Vorbehalte. "Mir ist kein Instrument bekannt, das für Dreijährige anwendbar wäre", sagt die jugendpolitische Sprecherin der Grünen, Elfi Jantzen. Der bisher angewandte Test "Deutsch plus" jedenfalls könne dafür nicht herhalten.

"Deutsch plus" ist ein Test, der für Vorschulkinder im Alter von viereinhalb Jahren konzipiert ist. Kinder, die den Test nicht bestehen, werden verpflichtet, einen Kurs an der Kita zu besuchen oder einen Halbtagsplatz in der Kita in Anspruch zu nehmen. Bildungssenator Jürgen Zöllner (SPD) lässt derzeit prüfen, ob ein Sprachtest schon bei Kindern mit dreieinhalb Jahren durchgeführt werden kann. Der Test soll Bestandteil der Qualitätsoffensive für Schulen sein, die in der kommenden Woche von der Bildungsverwaltung vorgestellt werden soll.

Grundsätzlich sei es positiv, wenn die Kinder mit Sprachförderbedarf länger als nur ein Jahr in der Kita sind, sagt Elfi Jantzen. Das würden auch alle bisherigen Spracherhebungen belegen. Die Jugendexpertin der Grünen plädiert dafür, stärker mit den Kinderärzten zu kooperieren, statt neue Tests zu entwickeln. Die Eltern sind verpflichtet, an den Vorsorgeuntersuchungen teilzunehmen. Die Ärzte könnten gemeinsam mit den Jugendämtern gezielt auf Eltern einwirken, wenn eine Förderung in einer Kita zu empfehlen ist. Dazu sollte der Senat Infomaterial in verschiedenen Sprachen in den Kinderarztpraxen auslegen.

"Es gibt keine seriösen Tests für Dreijährige", sagt auch Klaus Schroeder von der Gewerkschaft GEW. Bereits der "Deutsch plus"-Test sei umstritten. Wichtiger sei es, die Rahmenbedingungen für die Sprachförderung in den Kitas zu verbessern, so Schroeder. So sei zwar die Sprachförderung im Bildungsprogramm vor sechs Jahren verbindlich eingeführt worden, doch das nötige Personal für die Umsetzung werde erst jetzt eingestellt. Erst das Kita-Volksbegehren hatte dafür gesorgt, dass knapp 2000 Erzieher zusätzlich in die Kitas kommen. Die erste Hälfte wurde im April eingestellt, die zweite Stufe soll im Januar folgen.

Martina Castello, Geschäftsführerin der Kita-Eigenbetriebe Süd-West, sieht einen Sprachtest für Dreijährige ebenfalls kritisch. "Wir haben schon bei den Vierjährigen das Problem, dass viele bei einer fremden Person einfach nicht den Mund aufmachen wollen", sagt Castello. Bei noch kleineren Kindern sei dieses Problem sicher noch ausgeprägter. Die Geschäftsführerin der bezirklichen Kitas im Südwesten setzt eher auf gezielte Fort- und Weiterbildung der Erzieher. Wissenschaftliche Studien hätten gezeigt, dass es effektiver als Zusatzkurse sei, wenn die Pädagogen mit den Kindern in Haupt- und Nebensätzen sprechen und einen großen Wortschatz anwenden, so Castello.

Sprachförderkurse für Vorschulkinder stehen bundesweit auf dem Prüfstand. Bisher ist nicht nachgewiesen, dass durch die spezielle Förderung in Sprachkursen Fortschritte erzielt werden können.