Bildung

Geldprobleme wecken Zweifel an Energie-Universität

Die Energie-Universität ist tot, es lebe die Energie-Universität: Der Eigentümer des Schöneberger Gasometer-Areals - der Vorstandsvorsitzende der Firma Konzeptplus, Reinhard Müller - hat gestern bekannt gegeben, dass das private Energie-Institut Euref (Europäisches Energieforum) frühestens in fünf Jahren an den Start geht.

Grund: Stiftungskapital, das mit mehreren 100 Millionen Euro aus Russland, dem Nahen Osten und Europa kommen sollte, blieb wegen der Finanzkrise aus.

Für Projektentwickler und Architekt Müller kein Grund, das Vorhaben aufzugeben. Im Gegenteil. Nun soll der akademische Betrieb Schritt für Schritt mit konkreten Projekten aufgebaut werden. Das Geld für die Projekte soll je zur Hälfte von der Industrie und Behörden kommen. Auch Konzeptplus will sich beteiligen. "Das ist kein Notnagel, keine Plan-B-Geschichte, sondern wir haben jetzt eine viel bessere Idee", betonten die Entwickler. Bei der gestrigen Pressekonferenz im 21 Meter hohen Kuppelzelt, das seit Sommer im Innern des 77 Meter hohen Gasometers als neue Event-Location genutzt wird, hatte Müller gleich drei Fürsprecher an seiner Seite.

TU-Professor Frank Behrendt betonte, dass auch der Weiterbildungsbereich im Energiesektor ein wachsender Markt sei, mit dem sich das Euref-Institut beschäftigen werde. Andreas Knie, Geschäftsführer vom Innovationszentrum für Mobilität und gesellschaftlichen Wandel (Innoz), berät beim Aufbau. Innoz ist ein Tochterunternehmen des Wissenschaftszentrums Berlin, der Deutschen Bahn, der T-Systems International sowie des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt. Und als prominenter Verfechter des Projekts setzt sich nun auch Joschka Fischer, früherer Außenminister und Grünen-Politiker, ein: "Ich war schon immer von der Idee fasziniert, Energiefragen der Zukunft gerade auf solch einem alten Energiestandort wie dem Schöneberger Gasometer zu verwirklichen. Berlin ist als Nahtstelle zwischen Ost und West ein idealer Standort, gerade wenn es um Fragen der Energieabhängigkeit geht."

Rückschläge, aber auch Fortschritte

Fischer gab zu, dass es Rückschläge gegeben habe, die Projektentwicklung und Diskussion sei aber auch vorangekommen. "Ich will durchhalten, bis das Kind erfolgreich zur Welt gebracht wurde", versicherte er. Die Energiefrage sei für Deutschland von zentraler Bedeutung. Länder wie China, die wüssten, dass ihr Wachstumsmodell nicht nachhaltig sei, würden alles tun, das zu ändern. "Elektromobilität wird da eine wichtige Rolle spielen, der exportabhängige Automarkt ist ein wichtiger Bereich der Zukunft", so Fischer. Analog der Münchner Sicherheitskonferenz will Fischer ab 2010 viermal jährlich hochrangige internationale Experten aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft nach Schöneberg einladen, um strategische Energiefragen zu erörtern. Beginnen werde der "Europäische Energiedialog" mit dem Thema Elektromobilität.

Dass sich gerade Fischer für die Entwicklung des Gasometers stark macht, die von einer Bürgerinitiative in der Nachbarschaft bekämpft wird, sehen die Grünen im Bezirk Tempelhof-Schöneberg relativ gelassen. "Er ist eben Lobbyist für die internationale Energiewirtschaft, zudem ein wunderbarer Netzwerker. Da ist es zweitrangig, dass er das Parteibuch der Grünen in der Tasche hat", sagte Ralf Kühne, baupolitischer Sprecher der Grünen-Fraktion im Rathaus Schöneberg auf Anfrage. Die Grünen-Abgeordnete Claudia Hämmerling wirft der Projektentwicklung vor, mit einer Mogelpackung zu operieren. Sie interpretiert die Neuausrichtung beim Aufbau wie folgt: Das Wissenschaftszentrum mit der Universität habe als politisches Argument ausgedient, da der Bebauungsplan inzwischen festgesetzt und das Gelände als Kerngebiet ausgewiesen sei. "Obwohl in den Sternen steht, dass es je eine Europäische Energie-Universität geben wird, lässt das Planungsrecht jetzt zu, dass die Investoren auf der Schöneberger Linse vergleichbare Baumassen wie am Potsdamer Platz schaffen. Wieder einmal hat Berlin einen teuren Planungsvorteil für eine Bemühenszusage verschenkt, die nicht eingehalten werden muss", kritisiert Hämmerling. Ein "schlechtes Verhandlungsergebnis", findet auch Kühne. Ein Sondergebiet, bei dem festgelegt sei, was auf dem Areal entstehen darf, wäre besser gewesen. Und nicht nur das. Berlin erziele keine Einnahmen dafür, dass Großflächenwerbung fünf Jahre lang das Denkmal Gasometer verschandeln dürfe. Die Grünen fordern, die Planungen für die Energie-Universität durch einen unabhängigen Rechnungshof zu prüfen.

Bezirksbürgermeister Ekkehard Band (SPD) hingegen steht zum Projekt. Von einer Täuschung des Bezirks könne keine Rede sein. Ihm sei völlig klar gewesen, dass Euref nicht fertig vom Himmel falle.