Kommentar

Gemeinsam lernen bleibt Wunsch

Zehn Monate haben Schulen und Eltern auf das Konzept der sogenannten Inklusion gewartet. Eigentlich sollte die Bildungsverwaltung die Pläne bereits letzten März vorlegen. Doch die Umsetzung der UN-Konvention, nach der alle behinderten Schüler die Möglichkeit haben sollen, an jeder Regelschule unterrichtet zu werden, ist offenbar schwieriger als gedacht.

So ist es nur konsequent, dass die jetzt vorgelegten Pläne von einer schrittweisen Umsetzung ausgehen. Mit Sicherheit wären die Schulen überfordert, wenn sie von heute auf morgen alle Schüler, die bisher in den Sonderschulen lernen, aufnehmen müssten. Fortbildungen sind nötig, Umbauten für Barrierefreiheit und auch ein Umdenken in der Gesellschaft. Denn viele Eltern haben Angst, dass ihre behinderten Kinder in den großen Klassen einer Regelschule untergehen könnten. Wer diesen Ängsten etwas entgegensetzen will, kann nicht davon ausgehen, dass das Ziel der Inklusion ohne zusätzliche Kosten zu verwirklichen ist. Zöllner setzt sogar noch eins drauf und unterstellt, dass bisher zu vielen Schülern ein Förderstatus bewillig wurde. Die Realität zeigt jedoch, dass Regelschulen, die schon jetzt integrativ arbeiten, nicht mehr genügend Mittel haben, um die Schüler so zu fördern, wie es nötig wäre. Zöllners Konzept hat offenbar gar nicht den Anspruch, hier einen Systemwechsel zu vollziehen. Vielmehr sieht es aus wie ein Alibi, das lediglich den Anschein vermitteln soll, die UN-Konvention werde umgesetzt.