S-Bahn-Chaos

Bundestags-Ausschuss lädt S-Bahn-Chef zum Rapport

Die Dauerkrise bei der Berliner S-Bahn ist jetzt auch offiziell Thema im Bundestag. Am Mittwoch befasst sich der Verkehrsausschuss des Parlaments erstmals in einem gesonderten Tagesordnungspunkt mit den seit zwei Jahren anhaltenden Einschränkungen. Ausschussvorsitzender Winfried Hermann (Grüne) hat S-Bahn-Chef Peter Buchner dazu vorgeladen.

Angehört werden aber auch ein Vertreter des S-Bahn-Betriebsrats und der Geschäftsführer des Verkehrsverbundes Berlin-Brandenburg (VBB), Hans-Werner Franz.

Es sei in der Form sicher einmalig, dass sich der Deutsche Bundestag mit Problemen im öffentlichen Nahverkehr einer einzelnen Stadt beschäftige. "Aber die S-Bahn Berlin ist eine Tochter der bundeseigenen Deutschen Bahn. Ihr Versagen ist Teil der Gesamtkrise des Konzerns", sagte Hermann der Berliner Morgenpost. Es sei skandalös, wie ein weltweit beispielhaftes Nahverkehrssystem durch Missmanagement und eine verfehlte Börsengang-Politik ruiniert worden sei.

Hermann kritisierte auch das aktuelle Krisenmanagement der Bahn: "Es kann nicht sein, dass die Konzernspitze alles auf das alte Management und auf die Fahrzeugtechnik schiebt." Mit der Behandlung des Themas im Verkehrsausschuss soll nun der Druck auf die Bundesregierung verstärkt werden, für einen Kurswechsel im Bahnkonzern zu sorgen. Das Allgemeinwohl und nicht etwa Gewinnabführungen an die Konzernzentrale müssten auch bei der S-Bahn wieder im Zentrum stehen, so Hermann.

Wie angekündigt, fährt die Berliner S-Bahn seit Montag nach einem aus der Not geborenen Winterfahrplan - mit einer Höchstgeschwindigkeit von 60 Kilometern pro Stunde statt der eigentlich zulässigen 80 km/h. Mit dem selbst verordneten Tempolimit will die S-Bahn sichergehen, dass ihre Züge selbst bei einem erneuten Wintereinbruch und damit verbundenen Technikproblemen berechenbar für die Fahrgäste fahren. Laut S-Bahn ist der Betrieb nach dem neuen Fahrplan gut angelaufen. "Alle Züge sind weitgehend pünktlich gefahren. Ausfälle gab es nicht", so der Unternehmenssprecher. Insgesamt konnte die S-Bahn 425 Doppelwagen einsetzen, das sind zwei Drittel ihrer Fahrzeugflotte.

Der Fahrgastverband Igeb ist über den Winterfahrplan zwar nicht sonderlich erfreut, akzeptiert aber die Angebotseinschränkung. "Wenn wir jetzt einen Wintereinbruch wie Anfang Dezember erlebten, hätten wir gar keinen Fahrplan. Jetzt haben wir einen schlechten Fahrplan, der hoffentlich auch bei Schnee und Eis gilt", sagte Igeb-Sprecher Jens Wieseke. Allerdings dürfte dies nicht zum Dauerzustand werden. Die S-Bahn will Anfang Februar in Absprache mit Berlin und Brandenburg entscheiden, ob der Winterfahrplan über den 27. Februar hinaus gelten soll. Denkbar sei eine Verlängerung bis Mitte März, so der S-Bahn-Sprecher.

Igeb-Vertreter Wieseke forderte die S-Bahn auf, endlich konkrete Angaben zu weiteren Fahrgast-Entschädigungen zu machen. 2010 gab es unter anderem zwei Freifahrtmonate für alle Zeitkarteninhaber sowie verbilligte Monatskarten.