Justiz

Viele Ermittlungen, wenige Urteile gegen Banker

Fehlspekulationen, Milliardenverluste, schlampige Risikokontrollen - Staatsanwälte hatten in der Vergangenheit oft Anlass, hochrangige Bankmanager ins Visier zu nehmen. Verurteilt werden sie allerdings selten.

Denn Geschäfte, die dem eigenen Unternehmen schaden, sind zwar prinzipiell strafbar - in der Praxis lässt sich diese Untreue allerdings oft schwer belegen. Zentrale Hürde: Dem Manager muss Vorsatz nachgewiesen werden.

So endete der Prozess gegen den Ex-Chef der Düsseldorfer Mittelstandsbank IKB, Stefan Ortseifen, zwar mit einem Schuldspruch. Allerdings wurde der Manager nicht wegen der Milliardenverluste verurteilt, die die Finanzkrise im Jahr 2007 nach Deutschland brachten und die am Steuerzahler hängen blieben, weil die Staatsbank KfW größter Aktionär der IKB war. Hier fehlte es aus Sicht der Staatsanwaltschaft an jeglichem Beweis für strafbares Verhalten. Die Anklage beschränkte sich auf eine irreführende Pressemitteilung wenige Tage vor der faktischen Pleite der Bank. Dafür verhängte das Landgericht Düsseldorf eine Bewährungsstrafe.

Auch Landesbanker standen zuletzt vielfach am Pranger. So etwa der ehemalige WestLB-Chef Jürgen Sengera, der einen Kredit an ein britisches Unternehmen vergeben haben soll, ohne die Risiken ausreichend geprüft zu haben. Das Landgericht sprach ihn in einem ersten Prozess frei - weil nach Ansicht der Richter kein Vorsatz nachweisbar war. Der Bundesgerichtshof hat dieses Urteil jedoch aufgehoben, nun wird der Fall neu aufgerollt.

Auch die HSH Nordbank beschäftigt seit Längerem die Strafverfolger. Einerseits wird gegen frühere Manager der Landesbank von Hamburg und Schleswig-Holstein wegen möglicher Untreue ermittelt. Andererseits wurden einem Vorstand fingierte Beweise für einen vermeintlichen Geheimnisverrat untergeschoben, einem Manager in New York sogar Kinderpornos. Zumindest Vorstandschef Dirk Jens Nonnenmacher ist bislang aber nichts nachzuweisen - der Aufsichtsrat hat ihn zwar abgesetzt, sah aber keine Handhabe, die Abfindung von zwei Millionen Euro zu streichen.

Völlig offen sind auch die Strafverfahren gegen diverse Ex-Vorstände der BayernLB. Ihnen werden unter anderem der verlustträchtige Kauf der Österreich-Tochter Hypo Alpe Adria vorgeworfen. Lediglich dem früheren Risikovorstand Gerhard Gribkowsky dürfte eine Verurteilung sicher sein, sollten sich die Vorwürfe gegen ihn bestätigen - er soll beim Verkauf von Formel-1-Anteilen Bestechungsgelder von 50 Millionen Dollar kassiert haben.