Gastronomie

Die Wirte ignorieren das Verbot von Heizpilzen

Mit dem Herbst kommen die Heizpilze: Sobald es kälter wird, stehen die umstrittenen Wärmequellen wieder vor Restaurants und Cafés - weil viele Wirte wollen, dass ihre Gäste möglichst lange auf den Terrassen vor den Restaurants sitzen können. In vielen Berliner Bezirken sind die Geräte aber schon lange verboten.

Das ist auch am Hackeschen Markt in Mitte der Fall. Doch trotz des Verbots stehen vor fast jedem Lokal Heizstrahler. Die Gastronomen wollen sich dazu nicht mehr äußern. Sie scheinen vielmehr mögliche Bußgelder in Kauf zu nehmen. Die Strafen beginnen beim erstmaligen Verstoß bei 100 Euro und steigern sich bei jedem erneuten Vergehen.

Das Problem in der Heizpilzdebatte ist, dass es keine einheitliche Regel für ganz Berlin gibt. Das Verbot gilt bislang in Mitte, Tempelhof-Schöneberg, Charlottenburg-Wilmersdorf, Friedrichshain-Kreuzberg und Pankow. Es greift aber nur dann, wenn die Strahler auf öffentlichem Grund, zum Beispiel auf dem Gehweg vor dem Restaurant, stehen. Bei einer Terrasse, die zum Grundstück des Lokals gehört, gilt es nicht. Die Bezirksverwaltungen begründen ihren Schritt mit Sicherheits- und Umweltbedenken.

Die Geräte werden mit Propangas oder Strom betrieben. Beide Varianten verbrauchen viel Energie - bis zu 14 Kilowatt Leistung bringt ein Heizstrahler nach Angaben des TÜV Rheinland, der die Funktion dieser Geräte untersucht hat. Zum Vergleich: Das entspricht der Leistung von sieben starken Haushaltsstaubsaugern. Beim Gasbetrieb kommt noch der CO2-Ausstoß dazu.

Kritik an laschen Kontrollen

Die Grünen-Abgeordnete Felicitas Kubala, Vorsitzende des Gesundheitsausschusses im Abgeordnetenhaus, würde ein berlinweites Verbot begrüßen. Solange es das aber nicht gibt, setzt die Abgeordnete auf die Vernunft der Gastronomen. "Genauso wichtig wie ein Verbot ist es, dass die Leute anfangen umzudenken. Viele wissen gar nicht, wie schädlich diese Geräte sind", sagt Felicitas Kubala. Sie kritisiert darüber hinaus vor allem die zu laschen Kontrollen in den einzelnen Bezirken. "Solange sich daran nichts ändert, wird sich auch immer wieder über die Verbote hinweggesetzt werden."

Die Grünen-Politikerin hofft, dass sich das Thema mit der Zeit zum Teil selbst erledigt. "So etwas ist ein stetiger Prozess. Aber ich habe schon das Gefühl, dass seit Einführung der Verbote in den einzelnen Bezirken weniger Heizpilze in den Straßen zu sehen sind", sagt Kubala.

Einige Gastronomen haben in der Tat reagiert und sind kurzerhand auf Infrarotlampen umgeschwenkt. Die sind zwar nicht verboten, geben aber auch lange nicht so viel Wärme ab wie die Heizpilze. "Die Lampen bieten gerade genug Wärme, um draußen schnell eine Zigarette zu rauchen, mehr aber auch nicht", sagt Constanze Otto, Pressebeauftragte der Laggner-Gruppe. Die Laggner-Gruppe betreibt unter anderem fünf Restaurants und Cafés am Gendarmenmarkt. Constanze Otto sieht in den Verboten einen Serviceverlust gegenüber ihren Kunden. "Wir würden den Sommer für unsere Gäste gerne verlängern. Mit Decken und Infrarotlampen geht das aber nicht."

Infrarotstrahler sind deshalb erlaubt, weil sie an den Häuserwänden hängen. Verbote gelten aber nur für mobile Wärmegeräte. Das Problem sieht auch Bezirksstadtrat Marc Schulte (SPD) vom Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf. Er verweist auf das geplante Berliner Klimaschutzgesetz, das der Senat aber erst mal verschoben hat. "Danach wären alle Wärmequellen verboten. Der Energieverbrauch ist doch der gleiche, egal ob auf der Straße oder an der Wand."

Ungleichbehandlung gibt es auch bei der Durchsetzung der Verbote. Peter Beckers (SPD), Wirtschaftsstadtrat von Friedrichshain-Kreuzberg, wünscht sich konsequentere Kontrollen, vor allem in den Bezirken, in denen bereits ein Verbot gilt. In Friedrichshain-Kreuzberg sind Heizpilze seit 2008 verboten. "Mir ist nicht bekannt, dass bei uns im Bezirk noch Heizstrahler benutzt werden. Aber ich bedaure sehr, dass es in anderen Bezirken nicht so ist", sagt Beckers.