Heftige Kritik an Sozialsenatorin Bluhm

Die Treberhilfe fordert mehr Aufträge vom Senat

Die Treberhilfe Berlin kritisiert die Entscheidung von Sozialsenatorin Carola Bluhm (Linke), ihr die Aufträge für Beratungsstellen und die Straßensozialarbeit an den Brennpunkten Bahnhof Zoo, Friedrichstraße, Alexanderplatz und Hauptbahnhof zu streichen.

"Das geht zulasten der Betroffenen. Unsere 15 Mitarbeiter sind extrem gut vernetzt und wissen aus langer Erfahrung, wo und wie die Wohnungslosen Hilfe finden können", kritisiert Geschäftsführer Frank Biskup. Er übernahm den Geschäftsführerposten bei der Treberhilfe vor vier Monaten, nachdem deren umstrittener Chef Harald Ehlert mit der sogenannten Maserati-Affäre in die Kritik geraten war.

Biskup weist den Vorwurf, die Streetworker würden die Wohnungslosen auf der Straße aufsammeln, um sie dann in den Wohnungseinrichtungen der Treberhilfe unterzubringen, zurück. Nach seinen Angaben werden nur sechs Prozent der Hilfsbedürftigen bei der Treberhilfe untergebracht, die Mehrheit werde in andere soziale Einrichtungen vermittelt oder durch ambulante Hilfen in ein selbstständiges Leben gebracht.

Bei den Leistungen für die Hilfsbedürftigen geht es um jährlich 700 000 Euro, die die Sozialsenatorin künftig anderen freien Trägern geben will. "Dabei wird mit Straßensozialarbeit, die von uns vor 20 Jahren in Schöneberg erfunden worden ist, kein Geld verdient. Das ist ein Non-Profit-Geschäft, mit dem es noch nie Probleme gab", wundert sich Biskup über die Entscheidung. In diesem Jahr habe die Treberhilfe sogar 75 000 Euro zugesetzt, im kommenden Jahr habe der Verein 120 000 Euro zuschießen wollen.

Nicht berührt von diesem Schritt ist die Unterbringung von Obdachlosen in den 26 Heimen der Treberhilfe. Sie werden individuell über Entgelte abgerechnet und von den Bezirksämtern bezahlt.

Fehde mit Harald Ehlert

Biskup vermutet, dass die Sozialsenatorin mit ihrer Entscheidung eigentlich Harald Ehlert zur Strecke bringen und ihm klarmachen wolle, dass der Missbrauch von Sozialgeld von ihm zu verantworten sei. "Dazu sind aber die Gerichte da, die Staatsanwaltschaft ermittelt ja seit Monaten", sagt Biskup. Das Vorgehen komme ihm vor wie eine Fehde zwischen dem schillernden Gesellschafter Ehlert und der krampfhaft um Aufklärung bemühten Senatorin, erklärt er.

Dass Transparenz geschaffen wird, wie das Geld im Sozialsektor ausgegeben wird, sei ohnehin längst überfällig, sagt der Treberhilfe-Chef. Allerdings sollte der Konflikt um Harald Ehlert, der sich aus dem operativen Geschäft zurückgezogen hat und nur noch als Gesellschafter der gemeinnützigen GmbH fungiert, nicht auf dem Rücken der 210 Mitarbeiter der Treberhilfe ausgefochten werden, fordert Biskup von der Senatorin. Damit die Fronten nicht verhärten, will er jetzt auf Senatorin Bluhm zugehen und das Gespräch suchen. Wann dieses stattfinden wird, ist aber noch offen.