Rückblick

Geschichte der Türkei in Deutschland

Abkommen mit der Türkei

Nach Anwerbevereinbarungen mit Italien (1955), Spanien und Griechenland (1960) unterzeichneten Deutschland und die Türkei am 31. Oktober 1961 ein ebensolches Abkommen. Die Arbeitskräfte mussten unverheiratet und gesund sein und durften maximal zwei Jahre bleiben. 1964 trat, auch nach Forderungen der Arbeitgeber, eine Neufassung in Kraft. Die Morgenpost berichtete im Oktober 1962 über Integrationsschwierigkeiten der Gastarbeiter (Foto links).

Bewerber und Vermittelte

Bis 1973 bewarben sich rund 2,7 Millionen Türken um einen Arbeitsplatz in Deutschland, 80 Prozent davon von außerhalb Istanbuls. Fast 650 000 von ihnen (24 Prozent) wurden tatsächlich vermittelt. 20 Prozent der angeworbenen Arbeitskräfte waren Frauen. Sie kamen per Zug oder Flugzeug, wie hier über Berlin-Tegel (1975).

Kulturschock

In Deutschland war für viele Gastarbeiter alles neu und unbekannt: Sprache, Religion, Speisen, Sitten. Sitztoiletten und Toilettenpapier sind bis heute nicht überall auf der Welt üblich. Damals wurden Infoblätter zur Nutzung verteilt. Auf diesem Foto von 1970 zeigt ein Gastarbeiter eine Behelfstoilette.

Folgen für den Arbeitsmarkt und Rückkehr

1961 gab es in Deutschland knapp 95 000 Arbeitslose, aber mehr als 573 000 offene Stellen. 1973 standen etwa 222 000 Arbeitslose 648 000 offenen Stellen gegenüber. Etwa die Hälfte aller zwischen 1961 und 1973 angeworbenen Arbeitsmigranten kehrte in die Türkei zurück. Laut Bundesamt für Migration und Flüchtlinge waren 2004 bis 2008 türkische Staatsangehörige nach denen aus ehemals Serbien und Montenegro die zweitgrößte Rückkehrergruppe.

Familiennachzug und Folgegenerationen

Nach dem Anwerbestopp 1973 war Einwanderung nur noch durch Eheschließung oder Familiennachzug möglich. Die politische Lage in der Türkei in den 70-ern und 80-ern führte zu einer neuen Einwanderungswelle, auch durch Asylsuchende. 2009 verließen im vierten Jahr in Folge mehr türkische Staatsangehörige Deutschland als aus der Türkei kamen. Seit 2007 müssen nachzugswillige Familienangehörige für ein Visum Sprachkenntnisse nachweisen.

Sprachkenntnisse und Integration

Laut einer Studie des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge können 56 Prozent der 15- bis 34-jährigen Türkinnen sehr gut Deutsch, aber nur 17 Prozent der 35- bis 64-Jährigen (Männer: 63 und 29 Prozent). 65 Prozent fühlen sich stark mit Deutschland verbunden, 29 Prozent können sich eine Einbürgerung bei Aufgabe der bisherigen Staatsangehörigkeit vorstellen.

Meistgelesene