Sozialpolitik

Kinderarmut in sozialen Brennpunkten steigt weiter an

Die Spaltung Berlins in arme und reiche Viertel hat sich trotz des Einsatzes von rund 70 Millionen Euro aus den verschiedenen Förderbereichen für die soziale Stadtentwicklung im vergangenen Jahr nicht umkehren lassen - allerdings hat sie sich auch nicht weiter verschärft.

Das geht aus dem Sozialatlas hervor, den Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg Junge-Reyer gestern vorgelegt hat.

Die problematischen Gebiete hätten sich aber erfreulicherweise nicht von der Gesamtentwicklung Berlins abgekoppelt, so Junge-Reyer. Bei wichtigen Indikatoren wie der Arbeitslosigkeit seien Fortschritte zu sehen - ein Beleg dafür, dass der Senat seine Entwicklungsarbeit auf die richtigen Gegenden ausgerichtet habe.

Beim Sozialatlas wird vor allem die Entwicklung eines Kiezes unter die Lupe genommen. Deshalb landet auch die Eldenaer Straße - und nicht etwa eine Dahlemer Wohngegend - auf dem ersten Platz. Dort siedelten sich zuletzt junge Familien an, der Rollentausch vom Schlachthofgelände zu innerstädtischem Wohnen ist demnach geglückt.

Die Senatorin kritisierte die Kürzungen des Bundes beim Programm Soziale Stadt um 70 Prozent als kontraproduktiv. Das Bundesprogramm war im Jahr 1999 gegründet worden, um die "Abwärtsspirale" in benachteiligten Stadtteilen aufzuhalten und die Lebensbedingungen dort zu verbessern. Die Senatorin versprach, die Finanzierungslücke, die sich für Berlin in diesem Jahr auf fünf bis acht Millionen Euro belaufe, zu schließen. "Der Senat berät bereits über Kompensationsmittel, damit die begonnene erfolgreiche Arbeit fortgesetzt werden kann", so Junge-Reyer. Trotz der finanziell angespannten Lage sollen einige Projekte wie etwa die Stadtteilmütter, die Bildungs- und Sportverbünde weiter ausgeweitet werden. "Denn schon jetzt zeigt sich, dass Stadtteile und Quartiere dann aufsteigen, wenn diese innovativen Ansätze und deren Vernetzung vor Ort - wie im Reuterkiez oder im Brunnenviertel - konsequent betrieben werden".

Großen Handlungsbedarf macht der Bericht auch weiterhin beim Thema Kinderarmut aus. Als arm gelten Kinder, deren Eltern von Transferleistungen leben. Berlinweit stagnierte ihre Zahl im Betrachtungszeitraum 2008 bis 2009 bei 37,4 Prozent. In den problematischsten Stadtteilen dagegen stieg die Zahl sogar leicht auf 71,3 Prozent (plus 0,3 Prozent). Damit ist die Zahl der armen Kinder fast neunmal so hoch wie in den Toplagen der Stadt (8,1 Prozent), räumte Junge-Reyer ein.

Angesichts dieser ernüchternden Zahlen übte die Opposition gestern scharfe Kritik an der Arbeit des Senats.

"Die sozialen Unterschiede haben sich, wie auch in den Jahren zuvor, weiter verfestigt", so der sozialpolitische Sprecher der CDU-Fraktion, Gregor Hoffmann. Die Mehrzahl der Gebiete mit den höchsten Problemdichten (Entwicklungsindex 4) sei trotz des hohen Mitteleinsatzes über das Quartiersmanagement oder über Modellprojekte in ihrem niedrigen Sozialstatus verblieben. Nach wie vor seien in Berlin Armut und Arbeitslosigkeit die ungelösten Probleme. 50 Prozent der Langzeitarbeitslosen haben keine Berufsausbildung. Und wenn zehn Prozent aller Schulabgänger noch nicht einmal über einen Hauptschulabschluss verfügen, seien viele Probleme hausgemacht. Hoffmann: "Wir fordern deshalb vom Senat eine abgestimmte Sozialplanung für Berlin."

Der Sozialatlas im Internet:

www.stadtentwicklung. berlin.de/planen/basisdaten_stadtentwicklung/monitoring/index.shtml