Hauptstadtflughafen BBI

Flugrouten: Es gibt bereits Favoriten

In der Fluglärmkommission, die um die besten Flugrouten für den neuen Hauptstadtflughafen BBI ringt, gibt es bereits zwei Varianten, die momentan als Favoriten gelten. Insbesondere für die Starts Richtung Westen soll es nach Informationen der Berliner Morgenpost eine konsensfähige Lösung geben.

Danach würden die Maschinen von der Nordbahn des BBI zunächst geradeaus starten, hinter Blankenfelde etwas nach Nordwesten abknicken, sodass weder Ludwigsfelde noch Großbeeren überflogen würden, sondern die Maschinen den Korridor zwischen beiden Gemeinden nutzen. Westlich von Kleinmachnow würde dann Richtung Norden und Osten abgedreht. Ob dann Potsdam von Überflügen tatsächlich ausgespart werden kann, wie man in der Kommission hofft, ist fraglich. In Expertenkreisen wird davon ausgegangen, dass die Brandenburger Landeshauptstadt - wenn auch knapp - mit Überflügen rechnen muss. Diese aber seien in einer Höhe von 2300 Metern zu erwarten. Von der Südbahn des BBI würden Jets um 15 Grad nach Süden abknicken.

Blankenfelde kann damit leben

Vorteil dieser Variante: Lichtenrade, Ludwigsfelde und Großbeeren, Teltow, Stahnsdorf und Kleinmachnow müssten nicht mit Überflügen rechnen. Nachteil: Blankenfelde, das direkt hinter den Start- und Landebahnen liegt, bekäme den Lärm unmittelbar ab. Durch die abknickenden Starts von der Südbahn gäbe es allerdings etwas Lärmentlastung. Bernd Habermann, der für die Gemeinde Blankenfelde-Mahlow in der Fluglärmkommission sitzt, sagte, dass er mit dieser Variante leben könne.

Für die Starts Richtung Osten wird offenbar der Geradeausstart von der Nordbahn favorisiert. Von der Südbahn dagegen soll bereits kurz nach dem Start scharf nach Süden abgenickt werden. Damit würden Zeuthen, Eichwalde, Schulzendorf und Waltersdorf vor Überflügen bewahrt. In der Gemeinde Zeuthen wird diese Variante allerdings kritisch gesehen. Denn es könnte sein, dass schwere Flugzeuge nicht in der Lage sind, so kurz nach dem Start in die Kurve zu gehen. "Dann würde Zeuthen von diesen Maschinen voll überflogen", sagt Zeuthens Bürgermeisterin Beate Burgschweiger (SPD). "Die Flugsicherung hat bereits auf Sicherheitsaspekte hingewiesen, die bei dieser Variante geprüft werden müssen. Wir sehen die 90-Grad-Kurve daher kritisch, begrüßen es aber, dass die Flugsicherung die Variante prüft. Sollte sich herausstellen, dass es mit dieser Routenführung möglich wird, dass kein bebautes Gebiet überflogen wird, finden wir es gut."

Dass so eine scharfe Kurve unmittelbar nach dem Start aus Sicherheitsgründen problematisch ist, sagen auch Fachleute. Grundsätzlich ist ein Abkurven erlaubt, wenn die Maschine eine bestimmte Höhe erreicht hat. Diese liegt nach Angaben von Experten bei 124 Metern. Ob die 90-Grad-Kurve nach dem Start vom BBI für alle Maschinen flugtechnisch tatsächlich möglich ist, wird die Deutsche Flugsicherung prüfen. Außerdem müssten auch die Airlines einem solchen, als riskant geltendem Manöver zustimmen. Zeuthens Bürgermeisterin plädiert für eine andere Variante. Sollte sich die 90-Grad-Kurve als ungeeignet erweisen, favorisiert sie eine Routenführung nach dem Vorbild am Münchner Flughafen. Danach würden Flugzeuge von beiden Bahnen zunächst gradlinig starten und erst später abknicken. Für diese Variante müsste eine Sondergenehmigung erlassen werden, da sie der Sicherheitsrichtlinie der internationalen zivilen Luftfahrtorganisation Icao nicht entspricht, wonach bei gleichzeitigen Starts von zwei Bahnen die Flugzeuge sofort mindestens 15 Grad voneinander abkurven müssen.

"Protest ist nicht überflüssig"

"Mit dieser Variante als möglichem Kompromiss könnten wir leben", sagte Burgschweiger. Zeuthens Bürgermeisterin sieht in dieser Lösung noch am ehesten den Vertrauensschutz gewährleistet, da diese Variante den im BBI-Planfeststellungsbeschluss zugrunde gelegten gradlinigen Routen weitgehend entspricht. Vom Lärm belastet würden damit die Gemeinden, die das bereits seit dem Urteil des Bundesverwaltungsgerichtes zur BBI-Genehmigung im Jahr 2006 wissen: Waltersdorf, Schulzendorf und Eichwalde sowie Bohnsdorf. Die Vorsitzende der Bürgerinitiative "Keine Flugrouten über Berlin", Marela Bone-Winkel, sprach sich am Mittwoch erneut dafür aus, dass im Sinne des Vertrauensschutzes zu den gradlinigen Routen als Planungsgrundlage zurückgekehrt werden müsse. "Auf dieser Grundlage verschließen wir uns nicht anderen intelligenten Lösungen, sofern keine neuen Menschen vom Lärm betroffenen werden, die im Planfeststellungsbeschluss festgelegten Schutzgebiete nicht verändert werden und die Lösungen für alle gut sind", sagte Bone-Winkel. Gleichwohl dürften die am schwersten vom Lärm betroffenen Gemeinden nicht aus dem Blick geraten. Hier sei die Politik gefragt, Konzepte zu entwickeln, sei es für den Schutz oder für Umsiedlungen. Bone-Winkel begrüßt, dass auf der Sitzung der Fluglärmkommission "erste sachliche Vorschläge auf den Tisch gekommen sind" und Bewegung in die Diskussion kommt. Das allerdings mache den "Protest ganz und gar nicht überflüssig, denn wir brauchen nachhaltige Lösungen, und noch ist alles offen".