Nahverkehr

Pünktlichkeit der BVG-Busse auf 85 Prozent gesunken

Bei den Berliner Verkehrsbetrieben (BVG) häufen sich die Klagen über verspätete und ausgefallene Busse. "Momentan haben wir bis zu 100 Beschwerden im Monat", sagt BVG-Sprecherin Petra Reetz. "Normalerweise sind es nur 20 bis 30." Grund für den Ärger der Fahrgäste sind vor allem die anhaltenden technischen Probleme mit der Fahrzeugflotte.

Wie berichtet, müssen Busse mehrerer Baureihen in die Werkstätten, weil Achsen ausgetauscht, undichte Fenster und unzuverlässige Klimaanlagen repariert werden müssen.

Besonders ärgerlich für die Verkehrsbetriebe: Vor allem die Neufahrzeuge und insbesondere die im Linieneinsatz extrem wichtigen Doppeldecker sind betroffen. Letztere machen etwa ein Viertel der gesamten Flotte von rund 1200 Bussen aus - und sie sind nicht älter als sechs Jahre. Weitere 200 Doppeldecker gleichen Typs sollen zudem vom kommenden Jahr an geliefert werden. Umso dringender wird die Lösung der Probleme. "Eigentlich gilt die Regel: Je jünger die Flotte, desto geringer der Reparaturaufwand", sagt Reetz. "Leider ist es bei uns im Moment genau andersherum."

Bezahlen muss die BVG für die Beseitigung der Schäden zwar nicht, weil sie in allen Fällen noch Gewährleistungsansprüche gegenüber dem Hersteller hat. Doch im täglichen Einsatz fehlen die eigentlich fahrbereiten Fahrzeuge seit Monaten. Die BVG muss sie rechtzeitig aus dem Verkehr ziehen und reparieren lassen, um den Garantieanspruch nicht zu verlieren. Hinzu seien im September zahlreiche Großveranstaltungen und Demonstrationen gekommen, die zu weiteren Behinderungen im Busverkehr geführt haben, sagt Reetz.

Die Folge: Die durchschnittliche Pünktlichkeit ist auf den etwa 150 Buslinien der BVG im vergangenen Monat auf 85 bis 88 Prozent gesunken. "In guten Zeiten schaffen wir 95 Prozent", so die BVG-Sprecherin. Nur noch knapp liegen die Verkehrsbetriebe nach eigenen Angaben in Sachen Pünktlichkeit derzeit über dem Grenzwert, ab dem der Senat laut Verkehrsvertrag empfindliche Strafzahlungen verhängen kann.

Die Fahrgäste merken das vor allem, wenn Busse verspätet kommen oder einzelne Fahrten komplett ausfallen. Augenscheinlich werden die Probleme auch, wenn etwa auf der bei Touristen und Berlinern gleichermaßen beliebten Innenstadt-Linie 100 Eindecker statt Doppeldecker unterwegs sind.

Doch die Verkehrsbetriebe versprechen Besserung. 20 Zeitarbeitskräfte wurden eingestellt und arbeiten in den Werkstätten bereits an der Behebung der Mängel. "Wir sind über den Berg", sagt Reetz. Ziel sei es, die Ausfallquote täglich zu minimieren. Von Woche zu Woche solle die Situation nun "spürbar besser" werden. Mit Einschränkungen müssten die Fahrgäste zunächst aber weiterhin rechnen. "Im Frühjahr werden wir wieder im hellgrünen Bereich sein", sagt die Unternehmenssprecherin.

Ein weiteres Problem, das ebenfalls zum schwächelnden Busverkehr beiträgt, soll früher gelöst sein. Ein seit dem 1. Juni eingesetztes Computersystem, das Dienstpläne, Fahrzeug- und Personaleinsatz steuern soll, erwies sich als fehlerhaft - mit fatalen Folgen. "Zeitweise hatten wir einen Bus und keinen Fahrer, in anderen Fällen zwei Fahrer für einen Bus", sagt Reetz. Die "Kinderkrankheiten" sollen zusammen mit dem Hersteller behoben werden. Seit dieser Woche laufe das nachgebesserte System im Probebetrieb, so die BVG-Sprecherin. In etwa vier bis sechs Wochen solle sich zeigen, ob es dauerhaft den Anforderungen genüge.

Angesichts der Vielzahl der Probleme im Berliner Busverkehr fordert Verkehrssenatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD) baldige Lösungen. In einem Brief an die BVG-Spitze um die neue Vorstandsvorsitzende Sigrid Nikutta hat sie die landeseigenen Verkehrsbetriebe bereits aufgefordert, die Ursachen zu erläutern und Konzepte zur Beseitigung aufzuzeigen, wie Junge-Reyers Sprecher Mathias Gille bestätigt. "Wir erwarten, dass sich die BVG in Kürze dazu äußern wird", so der Behördensprecher.

"Wir wollen die Ausfallquote im Busverkehr täglich minimieren"

Petra Reetz, BVG-Sprecherin