Bildung

Harter Kampf um Plätze an beliebten Oberschulen

Viele Eltern von Sechstklässlern wird demnächst vor allem eine Frage umtreiben: Wie schaffe ich es, dass mein Kind einen Platz an einer der besonders beliebten Schulen bekommt. Diese und viele weitere Fragen rund um den Übergang von der Grundschule an die Oberschule wollen heute sechs Experten beantworten, die die Berliner Morgenpost eingeladen hat.

Zwischen 15 und 17 Uhr stehen sie den Eltern am Telefon Rede und Antwort. Vom 8. Februar an müssen Eltern ihre Kinder an einer weiterführenden Schule anmelden. Dabei haben viele entweder ganz bestimmte Gymnasien oder bestimmte integrierte Sekundarschulen im Auge. Meist sind das Schulen, die seit Jahren einen guten Ruf haben. Dabei spielt die Leistungsorientierung der Schulen eine wichtige Rolle, in vielen Fällen kommt ein guter Standort hinzu. Äußerst beliebt ist zum Beispiel die Sophie-Scholl-Sekundarschule in Schöneberg. Die Schule hat eine große gymnasiale Oberstufe mit einem breiten Kursangebot und ist außerdem staatliche Europaschule mit den Partnersprachen Deutsch und Französisch. Auch die Fritz-Karsen-Schule in Neukölln hat seit vielen Jahren deutlich mehr Anmeldungen als Plätze. Seit dem Schuljahr 2008/09 ist die Schule Gemeinschaftsschule. Die Schüler können 13 Jahre lang und damit bis zum Abitur an der Schule lernen. Überrannt wird schließlich auch das Beethoven-Gymnasium in Lankwitz. Eine der siebten Klassen ist eine Musikklasse mit einer zusätzlichen Stunde Musik pro Woche. Die anderen siebten Klassen haben einen sprachlichen oder naturwissenschaftlichen Schwerpunkt.

Neue Reglung bei Übernachfrage

Etwa 40 Prozent der weiterführenden Schulen sind übernachgefragt. Dass heißt, dass an diesen Einrichtungen in den vergangenen Jahren jeweils mehr Kinder angemeldet worden sind, als Plätze vorhanden waren. Bisher galt in diesen Fällen das Wohnortprinzip. Wer dicht genug an seiner Wunschschule wohnte, bekam auf jeden Fall einen Platz an dieser Schule, wenn er die entsprechende Empfehlung der Grundschule hatte. Das ist nun anders. Jetzt zählt vor allem der Notendurchschnitt. Der wird aufgrund der Förderprognose der Grundschule ermittelt. Einige Schulen haben darüber hinaus weitere Aufnahmekriterien festgelegt wie Tests oder Einzelgespräche. In welchem Verhältnis die einzelnen Kriterien gewichtet werden, konnten die Schulen selbst entscheiden. Genaue Informationen darüber finden Eltern im Schulporträt der Schule.

Die neue Reglung sieht vor, dass sich die übernachgefragten Schulen aufgrund dieser Aufnahmekriterien 60 Prozent ihrer künftigen Siebtklässler selbst aussuchen können. Zehn Prozent der Plätze müssen an Härtefälle vergeben werden. Weitere 30 Prozent werden unter den übrigen Bewerbern verlost. Viele Eltern verunsichert nun dieses Verfahren. Sie befürchten zum Beispiel, dass Kinder, an deren Grundschule strenger benotet wird, als an anderen Grundschulen bei der Bewerbung an einer übernachgefragten Schule im Nachteil sein könnten. Außerdem kritisieren sie, dass die Notengebung in Berlin nicht objektiv genug ist und die Schulen einen viel zu großen Spielraum bei der Notenvergabe haben. Neue Reglungen sorgen anfangs indes oft für eine gewisse Verunsicherung. Viele Schulleiter gehen deshalb davon aus, dass diese Unsicherheit sich legen wird, wenn das Verfahren erst einmal angewendet worden ist. Hinzu kommt, dass die Eltern bei der Anmeldung neben der Wunschschule auch einen zweiten und dritten Schulwunsch angeben können. Hier heißt es taktisch vorzugehen. So ist es wenig ratsam, auch als Zweit- oder Drittwunsch eine übernachgefragte Schule zu nennen, da diese Schulen alle ihre Plätze bereits mit den Erstwunschkandidaten belegen werden. Sicherer ist es hingegen, eine Schule zu benennen, die nicht überlaufen ist.

Eltern müssen sich gut informieren

Die Eltern sollten sich in Ruhe verschiedene Schulen ansehen und sich über deren Schulprofil informieren. Sie werden feststellen, dass nicht nur die übernachgefragten, sondern auch viele andere Schulen eine sehr gute Arbeit machen. Dazu gehören Schulen wie das Immanuel-Kant-Gymnasium in Lichtenberg oder das Max-Delbrück-Gymnasium in Pankow, um nur zwei Beispiele zu nennen. Diese Gymnasien haben nicht weniger Anmeldungen als übernachgefragte Schulen, aber deutlich mehr Plätze, so dass keine Übernachfrage zustande kommt. Was den guten Ruf einer Schule betrifft, wird dieser manchmal auch einfach von einer Schülergeneration zur nächsten weitergegeben, ohne hinterfragt zu werden. Da können sich andere Schulen längst weiterentwickelt und deutlich verbessert haben, im Ranking der Schüler und Eltern macht sich das oft erst viel später bemerkbar.

Einen guten Einblick in die Arbeit einer Schule erhalten Kinder und Eltern am Tag der offenen Tür, zu dem jede Oberschule in diesen Wochen einlädt. An einem solchen Tag sind meist mehrere Schüler der jeweiligen Schule anwesend, die bei Nachfrage ungeschminkt über ihren Schulalltag berichten werden. Auch Lehrer können befragt werden. Viele Schulen stellen zudem Projekte vor und präsentieren zusätzliche Angebote wie Arbeitsgemeinschaften oder Leistungskurse. Auch vom Zustand des Gebäudes können sich die Eltern dann ein Bild machen.

Die Auswahlkriterien der einzelnen Schulen im Internet: www.berlin.de/sen/bwf/