Suchthilfe

Kreuzberger Fixerstube soll im Sommer öffnen

Im Umfeld des Kottbusser Tores wird es wieder einen Drogenkonsumraum geben. Dafür richtet der Suchthilfeverein Fixpunkt das Erdgeschoss im ehemaligen Gebäude der Gerhart-Hauptmann-Oberschule an der Reichenberger Straße 131 ein. Ab Sommer 2011 sollen die Räume zur Verfügung stehen. Die frühere Fixerstube an der Dresdener Straße war im Sommer 2009 geschlossen worden. Nachbarn hatten sich beschwert.

Das bezirkseigene Schulgebäude hat die Gesellschaft Zuhause im Kiez (Zik) vom Liegenschaftsfonds gekauft. Rund 420 000 Euro zahlt die gGmbH als Kaufpreis. Der Antrag zum Umbau des Hauses sei beim Bezirksamt gestellt, sagte Zik-Geschäftsführer Christian Thomes. Es gebe die Auflage, das Gelände durch einen Zaun abzugrenzen und auch die Versorgungsleitungen, die sich das Gebäude mit einem anderen Haus teilt, zu separieren.

Im Druckraum für Drogenabhängige im Erdgeschoss werden sich die Suchtkranken unter Aufsicht spritzen können. Geplant ist außerdem ein Raucherraum, in dem Heroin oder Kokain inhaliert werden können. Außerdem wird es Beratungs- und Sanitärräume geben. In den oberen Stockwerken des Schulgebäudes will die Gesellschaft Zik zehn bis zwölf Wohnungen für Menschen mit HIV, Aids und chronischer Hepatitis C einrichten, wie sie schon in den Nachbarhäusern an der Reichenberger Straße 129 und 130 existierten. Dort betreibt Zik bereits seit Jahren ein Wohnprojekt mit Apartments, Gemeinschaftsräumen und Bewohnertreffpunkt. Das Café "Orangerie" in der Nummer 129 wird auch für öffentliche Veranstaltungen genutzt.

In der Nummer 131 sollen die Nutzer der Räume von Fixpunkt durch den Vorgarten ins Haus kommen, während die Bewohner der Apartments über den Hof ins Gebäude gelangen. Das Haus werde in zwei Abschnitten umgebaut, kündigte Zik-Geschäftsführer Thomes an. Die Arbeiten beginnen im Erdgeschoss. Danach werden die Apartments eingerichtet.

Fixpunkt e.V. will den Druckraum von Montag bis Freitag jeweils für vier bis fünf Stunden öffnen. Wie in der Dresdener Straße erwarte man zwischen 40 und 60 Suchtkranke am Tag, sagte Geschäftsführerin Astrid Leicht. Ihr Verein will Anwohner und Interessierte vor der Eröffnung zu einem Tag der offenen Tür einladen. Auch sonst seien die Fixpunkt-Mitarbeiter zu Gesprächen bereit, um Ängste und Abwehr abzubauen. Gegen die Einrichtung des Drogendruckraums protestiert seit 2009 die Bürgerinitiative Reichenberger Kiez. Ihr gehören Eltern an, die negative Auswirkungen auf ihr Wohngebiet fürchten, in dem sich Grundschulen, Kitas und Jugendzentren befinden. Wegen des Druckraumes würden Familien wegziehen, Ladenbesitzer ihre Klientel verlieren, so die Initiative.

Das Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg will auch für Alkoholkranke einen neuen Aufenthaltsort mit Sanitärräumen, Beratung und Betreuung schaffen. Er soll auf der Mittelinsel am Kottbusser Tor entstehen. Die Finanzierung sei bereits beantragt, sagte Bürgermeister Franz Schulz (Grüne). Der Quartiersrat und weitere Gremien befürworteten das Vorhaben. Skepsis gebe es noch bei der Polizeidirektion 5. Sie wolle mehr Sicherheit für Passanten, wenn sie die Fahrbahn zwischen den Außenflächen des Platzes und der Mittelinsel überqueren. Dies soll Schulz zufolge durch eine breite Hecke geschehen, die die Mittelinsel umgibt. Sie soll dazu anregen, nur an den Ampelanlagen über die Straße zu gehen.