Kongress

Senat will den Dialog der Religionen in Berlin stärken

Der Senat entdeckt das Thema Religion. Am Montagnachmittag eröffnete der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) den "Berliner Dialog der Religionen", mit dem die rund 250 Religionsgemeinschaften der Stadt zum gegenseitigen Kennenlernen und Verständnis eingeladen werden.

"Das Zusammenleben der Religionen gelingt nur, wenn wir uns tagtäglich für ein Klima der Akzeptanz engagieren", sagte Wowereit im Roten Rathaus und forderte vor rund 300 Zuhörern, Verantwortung zu übernehmen, damit der Respekt füreinander und die Kenntnisse übereinander gestärkt werden.

Wie dies in Berlin geleistet werden soll, ist noch unklar. Bisher besteht der "Dialog der Religionen" im Wesentlichen aus einer Senatsbroschüre, in der 50 interreligiöse und interkulturelle Initiativen aufgelistet werden. Sie reichen von den "christlich-muslimischen Begegnungen Rixdorf" und dem buddhistischen Zentrum "Bodhicharya Deutschland" über die "Gärten der Welt im Erholungspark Marzahn" bis zur Muslimischen Akademie und der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit. Für sie will der Senat laut Kulturstaatsekretär André Schmitz (SPD) ohne inhaltliche Einmischung "einen Rahmen schaffen", damit bei drei weiteren Veranstaltungen 2011 der Dialog intensiviert wird. Freilich zeigen Erfahrungen aus anderen deutschen Städten, dass dabei zwar das Klima zwischen engagierten Gemeindegliedern besser wird und viele Veranstaltungsprogramme entstehen, dass aber das Gespräch nur selten zu den harten Unterschieden vordringt und gewaltbereite Gruppen so gut wie nie erreicht werden.

"Mir ist das bisher zu harmlos", sagte denn auch Joachim Hake, Direktor der Katholischen Akademie in Berlin, am Montag bei der anschließenden Podiumsdiskussion über die Senatspläne. Die seien zwar eine großartige Initiative, aber bei der Frage, ob Berlin zu einer Modellstadt der interreligiösen Verständigung werde, sei er vorsichtig. Erstaunt war Hake, dass der Senat sich nun beim Thema Religion engagiere, da die Berliner Politik bisher von vielen als eher religionsunfreundlich empfunden wurde.

Doch diese Distanz könnte auch ein Vorteil sein, fand jedenfalls Wolfram Weiße, Professor für Religionspädagogik in Hamburg. Man habe von Hamburg aus ja bis jetzt nicht den Eindruck, dass der Berliner Senat ein übergroßes Interesse an der Religion habe, sagte Weiße auf dem Podium im Roten Rathaus und leitete daraus ab, dass Wowereits Regierung sich als neutrale Organisatorin und Gastgeberin des von den Gemeinschaften selbst gesteuerten Dialogs eignen könne. Indem Weiße zudem auf das Hamburger Modell des Religionsunterrichts verwies, wo die Kinder nicht nach Konfessionen getrennt unerrichtet werden, sondern gemeinsam die verschiedenen Religionen kennenlernen, gab er Wowereit womöglich noch ein Stichwort, wie man Religionsnähe demonstrieren kann, ohne den konfessionellen Religionsunterricht zu stärken.

Dass eine bessere Kenntnis anderer Religionen zumindest manchmal den eigenen Glauben verändern kann, sagte die muslimische Theologin Tuba Isik-Yigit. Sie schreibt derzeit ihre Doktorarbeit in vergleichender Religionswissenschaft und erzählte, dass sie sich dabei auch mit dem christlichen Bild vom liebenden Gott beschäftigt hat. "Dann habe ich mir noch einmal die Stellen im Koran angesehen, wo sich Gott auf das Prinzip der Barmherzigkeit verpflichtet, und dank dem christlichen Impuls glaube ich nun an einen sehr viel barmherzigeren Gott als zuvor."