Architektur

Zoofenster - neue Silhouette für die City West

Die Vorzeige-Bauprojekte in der City West wachsen in die Höhe, die Modernisierung des alten West-Berlins hat längst begonnen. Nach dem gescheiterten Bürgerentscheid zu den beiden Theatern im Kudamm-Karree stehen auch dort jetzt die Zeichen auf Erneuerung. Statt erneuter Debatten kann das Baugenehmigungsverfahren unbeeinträchtigt weiterlaufen.

Ziel des Bauamtes ist es, dem 500-Millionen-Euro-Vorhaben bis September die Planreife zu erteilen. Die Zukunft des vom Investor Ballymore versprochenen neuen Theaters im dritten Obergeschoss soll mit einem städtebaulichen Vertrag abgesichert werden. "Es geht darum, dass der Spielbetrieb für viele Jahre zu einer bezahlbaren Miete stattfinden kann", sagte Baustadtrat Klaus-Dieter Gröhler (CDU).

Nicht weit entfernt, am Kurfürstendamm 193/194, wollen die Berliner Investoren Thomas Bscher, Detlef Maruhn und Dirk Germandi das Haus Cumberland nach jahrelangem Leerstand für rund 120 Millionen Euro umbauen. In dem einstigen Luxushotel, das später auch von der Finanzverwaltung genutzt wurde, sollen bis 2013 Wohnungen und Büros gehobenen Standards, dazu im Erdgeschoss auch ein Restaurant und fünf Geschäfte entstehen. Der Bezirk will in den nächsten Monaten die Baugenehmigung erteilen.

Nebenan, an der Ecke Bleibtreustraße, saniert die Luxemburger Freo-Gruppe den denkmalgeschützten Zwölf-Geschosser aus den 60er-Jahren. Der alte Querriegel zwischen Cumberland und dem Hochhaus Kurfürstendamm 195 ist kürzlich abgerissen worden. In der Lücke ist ein gläserner Neubau geplant. Der rund 100 Millionen Euro teure Komplex soll ab dem Jahr 2012 als Büro- und Geschäftshaus genutzt werden.

Aber nicht nur Bauten wachsen in der City West. Sobald die Frostperiode passé ist, werden der Lehniner Platz und der Rankeplatz verschönert. Während für die Umgestaltung des Olivaer Platzes noch an der Finanzierung gearbeitet wird, sollen die zwei anderen Plätze bereits im Sommer und Herbst fertig sein. Auch auf der Tauentzienstraße, wo die BVG die Tunneldecken saniert, beginnt der Bezirk in Kürze damit, den Mittelstreifen neu anzulegen. Vor wenigen Tagen war Baustellenübergabe für den Bereich Wittenbergplatz bis Passauer Straße. Der Imbiss, der auf der Stelle des abgebrochenen Pylons an der Marburger Straße entsteht, will im Frühjahr ebenfalls wieder an seinen früheren Standort zurückziehen.

Im Frühjahr will auch die Bauwert nach Auskunft von Prokurist Henning Hausmann an der Württembergischen Straße unweit des Olivaer Platzes mit der Bebauung des ehemaligen Kleingartenareals beginnen: Hier sollen für 85 Millionen Euro in 13 Häusern 210 Wohnungen entstehen.

Und getreu dem Motto "Die Hoffung stirbt zuletzt" sind selbst die Pläne für das Riesenrad am Bahnhof Zoo noch nicht endgültig begraben - so unglaubwürdig es auch klingen mag. "Das Riesenrad wird noch gebaut, wir sind nach wie vor überzeugt, dass es sich wirtschaftlich rechnet", sagte Christian Harreiner, Sprecher der DBM Fonds Invest GmbH.

Früher losgehen soll es in jedem Fall am bislang schmucklosen Entree des oberen Kurfürstendamms. Das Gewerbe auf dem ehemaligen Güterbahnhof ist bereits Richtung Paulsborner Brücke gezogen. Mit dem Neubau des Bauhauses will das Unternehmen am liebsten noch in diesem Jahr, spätestens 2012, starten.

Die Silhouette der City West am stärksten verändern aber wird das 119 Meter hohe Zoofenster auf dem Dreieck Hardenberg-, Kant- und Joachimstaler Straße, für das Teile des denkmalgeschützten Schimmelpfeng-Hauses abgerissen wurden. Arabische Investoren finanzieren das 230 Millionen Euro teure Hochhaus, in das im Herbst das Luxushotel Waldorf Astoria mit seiner ersten deutschen Dependance einziehen will. Auf einigen der 32 Etagen sind außerdem Nobel-Appartements geplant.

Eines der wichtigsten Wahrzeichen der westlichen City, die Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche, wird optisch künftig im Schatten des neuen Hotelturmes stehen. Der Alte Turm des im Zweiten Weltkrieg zerstörten Gotteshauses misst gerade 71 Meter. Damit die marode Turmruine auch modernen Zeiten in der City West trotzen kann, wird sie für 4,2 Millionen Euro saniert. Um den "hohlen Zahn" vor dem drohenden Verfall zu retten, haben die Berliner allein 1,2 Millionen Euro der Bausumme gespendet. Das Baugerüst steht, die Instandsetzungsarbeiten werden circa zwei Jahre dauern. Ebenfalls auf zwei Jahre sind die Sanierungsarbeiten am Bikinihaus terminiert. Der denkmalgeschützte Gebäuderiegel, zu dem auch der Zoo Palast gehört, wird für 100 Millionen Euro erneuert - für eine Einkaufsmall mit Erlebnislandschaft, Gastronomie und Penthäusern.