Sicherheit

Helios entwickelt Kinderschutzkonzept

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Ina Brzoska

Nach dem Bekanntwerden des Missbrauchsskandals am Helios-Klinikum Berlin-Buch will das Krankenhaus nun Strategien entwickeln, um weiteren sexuellen Übergriffen durch Mitarbeiter vorzubeugen. "Unser Ziel ist es, ein Konzept zu entwickeln, mit dem wir unsere Patienten und uns künftig besser schützen", sagte Geschäftsführer Christian Straub.

Die Klinik will dazu nun auch Experten von außen befragen. Die Kinderschutzorganisation "Kind im Zentrum" (KIZ), die vom Berliner Senat finanziert wird, steht bei der weiteren Aufarbeitung der Missbrauchsfälle begleitend und beratend zur Seite. Erste Gespräche wird es noch im Januar geben.

In Einzel- und Gruppengesprächen mit Helios-Mitarbeitern werden tägliche Arbeitsabläufe analysiert. Langfristig sollen so auch die präventiven Maßnahmen für einen künftigen Kinderschutz entwickelt werden. "Wir werden zum Beispiel über Fragen bei der Einstellung neuer Mitarbeiter sprechen", sagte KIZ-Leiterin und Soziologin Sigrid Richter-Unger.

Das ist deshalb wichtig, weil der Kinderkrankenpfleger und mutmaßliche Täter Michael N. seine Ausbildung in der Klinik absolviert hat. "Uns ist bewusst, dass es keinen hundertprozentigen Schutz geben kann. Wir wollen aber, dass unsere Klinik weiterhin das ist, was jeder Patient und seine Angehörigen erwarten können, nämlich ein Ort des verlässlichen Schutzes", betonte Klinik-Geschäftsführer Straub.

Bereits im Dezember 2010 hatte das Klinikum eine telefonische Hotline für besorgte Eltern eingerichtet. Dort gingen nach Angaben von Helios in den vergangenen Wochen mehr als 90 Anrufe ein. Überwiegend meldeten sich besorgte Eltern von Kindern, die in der Klinik behandelt wurden. Viele hätten die psychologischen Beratungsstellen bereits genutzt, heißt es aus dem Hause Helios.

Durch die Kooperation mit der Kinderschutzorganisation KIZ setzt man auf die Erfahrung einer in Berlin etablierten Organisation. Seit Ende der 80er-Jahre kümmert sich KIZ an zwei Berliner Standorten um missbrauchte Jugendliche und Kinder, bietet Therapien und Beratungen an. Bei der Erarbeitung des Kinderschutzkonzepts im Hause Helios wolle man die Expertise und Erfahrung seiner zehn Mitarbeiter zur Verfügung stellen. Mit dem Team der Kinder- und Jugendmedizin solle gemeinsam Lösungen gefunden werden, wie derartige Fälle künftig verhindert oder zumindest schneller erkannt werden können, bevor es zu Übergriffen kommt.

Der mutmaßliche Täter arbeitete seit Ende 2009 im Helios-Klinikum Berlin-Buch. Mitte Dezember hatte sich ein Opfer seinen Eltern anvertraut, woraufhin diese Anzeige erstatteten. Bei einer Durchsuchung der Wohnung des 27-Jährigen wurde belastendes Material auf dem Handy gefunden. Unter anderem zwei Videos, wodurch auch der zweite Missbrauchsverdacht im Fall eines Fünfjährigen ans Tageslicht kam, der durch Medikamente widerstandsunfähig gewesen gemacht worden sein soll.

Fünf Taten hat Michael N. nach der ersten Vernehmung eingeräumt, weitere Ermittlungen laufen. Die betroffenen Jungen sollen zwischen fünf und zehn Jahre alt sein. Während Michael N. in Untersuchungshaft in Plötzensee saß, hatte er sich die Pulsadern aufgeschnitten und schwere Verletzungen am Unterleib zugefügt, zeitweise lag er im Koma. Deshalb hat er gerade Haftverschonung, er wird in einer Reha-Einrichtung in Berlin behandelt. Derzeit ginge keine Gefahr mehr von ihm aus, heißt es. Die Klinikhotline ist weiterhin unter der Tel. 030-940 15 44 44 erreichbar.