Energie

Neues Biogaswerk schadet der Umwelt

In Berlin könnte bald eine Vergärungsanlage für Bioabfälle gebaut werden, die das Klima belastet und somit den umweltpolitischen Zielen des Landes zuwiderläuft. Das befürchten Opposition und Sachverständige, die am Montag zur Anhörung für das neue Abfallwirtschaftskonzept im Ausschuss für Gesundheit, Umwelt und Verbraucherschutz geladen waren.

"Das bei der Vergärung entstehende Methangas ist umweltbelastender als CO2 und hat deshalb einen hohen negativen Klimaeffekt", sagte Uwe Lahl, Professor an der Technischen Universität Darmstadt. Das Methangas entstehe bei der Vergärung, doch dieses Problem sei erst seit wenigen Jahren bekannt. "Mit dem Verfahren, wie es in Berlin jetzt zur Genehmigung vorliegt, werden 50 bis 60 Prozent des Effekts der Anlage wieder aufgezehrt und verschiedene Grenzwerte überschritten. Das ist nicht befriedigend." Lahl plädierte dafür, technische Möglichkeiten zu prüfen, um das Methan zu verwerten. So könne es etwa in die nahe gelegene Müllverbrennungsanlage geleitet werden und dort verbrennen. Das würde auch eine mögliche Geruchsbelästigung durch das Gas in Ruhleben unterbinden.

Im vergangenen Jahr hatte der Senat beschlossen, am Standort der Berliner Stadtreinigung (BSR) in Ruhleben eine Vergärungsanlage für Bioabfälle zu bauen. Mit ihr soll Biogas erzeugt werden, mit dem unter anderem die BSR-Fahrzeuge betankt werden sollen. Das Ziel: 150 statt bisher 50 der insgesamt 300 orangefarbenen Stadtreinigungsfahrzeuge sollen mit dem Öko-Gas fahren und so eigentlich das Klima schonen. 1,2 Millionen Tonnen biogene Abfälle fallen jährlich in Berlin an. 400 000 Tonnen landen davon in der Biotonne. Bis zum Jahre 2020 soll dieser Müll energetisch verwertet werden - und nicht mehr etwa auf Deponien landen. Nun wird über diesen Teil des Abfallwirtschaftskonzeptes des Senats im Abgeordnetenhaus beraten.

Schlecht für die Klimabilanz

"Ich halte es für einen handfesten Skandal, wenn die BSR eine Anlage baut, deren Klimabilanz schlechter ist, als wenn man den gleichen Müll verbrennt", sagte Michael Schäfer (Grüne) in der Anhörung. Die Kosten dafür trage der Gebührenzahler. "Und das alles nur, damit die BSR-Fahrzeuge mit einem Aufkleber 'Fährt mit Biogas' herumfahren können." Auch Henner Schmidt (FDP) kritisierte die Pläne der landeseigenen BSR als "umweltpolitisch fragwürdig".

Die CDU sprach sich ebenso wie der als Sachverständiger geladene Präsident des Bundesverbands der Deutschen Entsorgungswirtschaft (BDE), Peter Kurth, für mehr Recycling und weniger Abfallverbrennung aus. "Verbrennung ist ökologisch überholt und ökonomisch unsinnig", sagte Kurth. Recycling spiele mittlerweile eine bedeutende Rolle in der Wirtschaft. Der umweltpolitische Sprecher der Union, Carsten Wilke, kritisierte, im neuen rot-roten Abfallwirtschaftskonzept fehlten konkrete Zielvorgaben für mehr Recycling in Berlin.

Der umweltpolitische Sprecher der SPD-Fraktion, Daniel Buchholz, verteidigte das Vorhaben. "Wir betreiben hier eine umweltpolitische Weichenstellung für die nächsten zehn Jahre", sagte Buchholz und forderte, alternative Entsorgungstechniken für das Methangasproblem auch unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten zu betrachten. "Eine kilometerlange Gasleitung von der Vergärungsanlage bis zur Müllverbrennung zu bauen und zu betreiben ist teuer und hat außerdem auch einen Klimaeffekt." Die Entscheidung über das neue Konzept hat der Ausschuss vertagt.