Straßenstrich

"Konflikte an der Kurfürstenstraße entschärfen"

Im Konflikt zwischen Anwohnern und Prostituierten an der Kurfürstenstraße hat sich jetzt Justizsenatorin Gisela von der Aue (SPD) eingeschaltet. Sie hat große Befürchtungen, dass die Aggressionen auf beiden Seiten wachsen könnten.

Deshalb müsse die Lage durch Gespräche entschärft werden. Zur Diskussion am Dienstagabend im Gemeindesaal der Zwölf-Apostel-Kirche, die mitten im Gebiet des Straßenstrichs liegt, hatte die SPD-Abgeordnete Bilkay Öney eingeladen.

Die Forderung aus dem Publikum, Prostituierte nur noch zu bestimmten Zeiten im Kiez arbeiten zu lassen, lehnten Mitarbeiterinnen der Prostituiertenberatungsstelle Hydra ab. Eine solche Konzentration auf einige Stunden werde die Belästigung nur noch vergrößern. Sie warben stattdessen dafür, den osteuropäischen Frauen leichter Wohnungen anzubieten und den Abschluss einer Krankenversicherung zu ermöglichen. Viele der Frauen seien erst hier in Abhängigkeiten geraten, weil sie keine Wohnung gefunden hätten und deshalb das Angebot spitzfindiger Anrainer akzeptiert hätten, für einen Kellerraum 30 Euro täglich zu zahlen.

Gisela von der Aue sagte, das müsse bekämpft werden. Sie räumte jedoch auch ein, dass gerade für Familien mit Kindern die Aufmachung der Prostituierten häufig eine Zumutung sei, trotzdem müsse man versuchen, mit ihnen ins Gespräch zu kommen. Es gebe schlimme Schicksale vor allem von jungen Mädchen. Sie sei überzeugt, dass die meisten Frauen aus einer Notsituation heraus als Prostituierte arbeiten. Es handele sich um keine selbst bestimmte Arbeit, was schon daran zu erkennen sei, dass die Frauen ihr Geld nicht behalten könnten, sondern unter der Knute von Zuhältern arbeiten müssten.

Zwei Prostituierte, die ebenfalls an der Diskussion teilnahmen, sagten, dass ihre ausländischen Kolleginnen unter besonders großem Druck ihrer Zuhälter stünden. Sie müssten ihnen sogar ein sogenanntes "Standgeld" zahlen (etwa 30 bis 50 Euro pro Tag), damit sie überhaupt auf der Straße stehen dürften. "Außerdem müssen sie einen festgelegten Tagesumsatz bringen, deshalb müssen sie billig sein", berichteten Sarah und Jacqueline.

Eine 41-jährige Anwohnerin, gelernte Arzthelferin und Mutter zweier Kinder, findet hingegen, dass Gespräche nicht reichen: "Der öffentliche Sex sollte nicht noch gefördert werden. Ich habe jetzt schon Angst, wenn ich im Dunkeln nach Hause laufe und meide bestimmte Straßen." Aus ihrer Sicht würden Sperrzeiten doch helfen. Keine Lösung hingegen ist ein Vorschlag von Bezirksverordneten aus Tempelhof-Schöneberg, mit dem die Freier abgeschreckt werden sollten. Deren Auto-Kennzeichen sollten fotografiert und ins Internet gestellt werden. "Das wäre rechtswidrig und wird nicht umgesetzt", sagte Bezirksbürgermeister Ekkehard Band (SPD).