Wahlen

Harald Wolf wird Spitzenkandidat der Linken

Die Linkspartei setzt für die Wahl zum Abgeordnetenhaus am 18. September auf bewährtes Personal. Einstimmig nominierte der Landesvorstand am Sonntag Wirtschaftssenator Harald Wolf zum Spitzenkandidaten der Partei. Wolf war bereits vor fünf Jahren auf Position 1 der Landesliste angetreten.

"Harald Wolf ist der bekannteste und war teilweise der beliebteste Politiker der Linken", begründete Landeschef Klaus Lederer die Wahl. Der Vorstand wählte Wolf einstimmig. Gleichzeitig kündigte Lederer an, weiter regieren zu wollen. "Wir haben einen Gestaltungsanspruch", sagte Lederer. Auch auf den weiteren Listenplätzen stellte die Partei altbekannte Gesichter auf. Neben den beiden anderen Senatoren, Carola Bluhm (Soziales) und Katrin Lompscher (Umwelt) auf den Plätzen 2 und 3, treten außerdem Lederer und Fraktionschef Udo Wolf auf den weiteren Plätzen an. Erst auf Listenplatz 7 nominierte die Partei mit der Sozialarbeiterin Katrin Möller eine neue Kandidatin.

Das Leitthema im Wahlkampf soll das "soziale Berlin" werden. In der nächsten Legislaturperiode sollen nach der Vorstellung der Linken weitere 150 000 sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze entstehen. "Es ist uns gelungen, auf dem Arbeitsmarkt die Trendwende einzuleiten", sagte Wolf. Die Linken wollen im Wahlkampf deutlich machen, dass die positive Entwicklung Berlins in den vergangenen Jahren vor allem ihr Verdienst ist. Die Partei habe die Lehren aus den Fehlern der letzten Wahl gezogen. 2006 hatte die Partei nach der ersten rot-roten Regierungsbildung starke Verluste erlitten und war mit 13,4 Prozent nur knapp vor den Grünen gelandet. "Wir haben unterschätzt, dass Kommunikation kein Selbstläufer ist", sagte Lederer. "Wir haben 2006 zusammen ein schlechtes Wahlergebnis eingefahren und wollen in diesem Jahr zusammen ein gutes Ergebnis erzielen."

Die Linke setzt auf eine Fortsetzung der Koalition mit der SPD. "Der Zweikampf zwischen Klaus Wowereit und Renate Künast wird sich bald erledigt haben", sagte Wolf. Er geht davon aus, dass es entweder zu einer rot-roten oder einer rot-grünen Koalition kommen werde - ohne Renate Künast, die angekündigt hat, nur in Berlin zu bleiben, wenn sie Regierende Bürgermeisterin wird. "Vom Grundsatz her halte ich es für ausgeschlossen, dass die Grünen als Nummer 1 einlaufen", sagte Wolf. Ein grün-schwarzes Bündnis in Berlin schließt er aus. "Das ist abstrakt möglich, real wäre es ein Beitrag zum politischen Kabarett." Angesichts der derzeitigen Umfragen ist es nach Ansicht der Parteichefs aber zu früh, um einen Trend für den Ausgang der Wahl zu erkennen.

Harald Wolf lebt seit mehr als 30 Jahren in Berlin. Er war zunächst Mitglied der Grünen, bevor er zur Linken (damals: PDS) wechselte. Als Oppositionspolitiker hatte er sich 1999 gegen eine Teilprivatisierung der Wasserbetriebe ausgesprochen, deren Aufsichtsratschef er heute ist.