Streit

Ursula Sarrazin wehrt sich

Wie es für die Grundschullehrerin Ursula Sarrazin an der Reinhold-Otto-Schule weitergeht, wird sich womöglich heute entscheiden. Die Schule hat eine außerordentliche Schulkonferenz zum Thema anberaumt. Für den morgigen Dienstag sind die Eltern zu einer Versammlung eingeladen. Nach Informationen dieser Zeitung könnte eine Beurlaubung der Grundschullehrerin angestrebt werden.

Ursula Sarrazin hat der Berliner Morgenpost gestern gesagt, dass sie in der Debatte um ihren Unterrichtsstil eine deutliche Aussage von der Bildungsverwaltung erwartet. "Die Vorwürfe gegen mich müssen endlich klar auf den Tisch oder aber es muss laut und deutlich gesagt werden, dass ich mich keines Fehlverhaltens schuldig gemacht habe", forderte sie. Seit Tagen steht Ursula Sarrazin, die Frau des Ex-Finanzsenators Thilo Sarrazin, die an der Reinhold-Otto-Grundschule in Westend unterrichtet, in der Kritik. Wobei immer neue Vorwürfe gegen sie erhoben werden, die sich allerdings vor allem auf Ereignisse beziehen, die bereits in den letzten Jahren stattgefunden haben sollen. Aktuell kritisieren mehrere Eltern ein zu strenges Vorgehen der Lehrerin. Sie fordern deshalb ihre Versetzung. Frau Sarrazin weist sämtliche Vorwürfe energisch zurück. Sie ist in die Offensive gegangen. Ihr Anwalt geht gerade gegen den Landeselternsprecher Günter Peiritsch vor, der die Kritik an ihr öffentlich gemacht hat.

Nicht zuletzt deshalb nimmt der Druck auf die Bildungsverwaltung zu. In der vergangenen Woche gab es außerdem zahlreiche Drohmails gegen den Leiter der Schule. Die Schulaufsicht hat daraufhin Strafanzeige gestellt. "Es soll überprüft werden, ob Straftatbestände erfüllt sind", sagte Beate Stoffers, Sprecherin von Bildungssenator Jürgen Zöllner (SPD). Das Landeskriminalamt sei vor Ort gewesen und habe Maßnahmen ergriffen. Welche, dazu wollte Stoffers nichts sagen.

1000 Beschwerden gegen Lehrer

Ins Rollen gekommen war der Fall Sarrazin, nachdem sich Günter Peiritsch, Sprecher des Landeselternausschusses, hinter die Eltern gestellt hatte, die Ursula Sarrazin kritisieren und deren Kritik öffentlich gemacht hatte. Peiritsch hatte sein Vorgehen damit begründet, dass Beschwerden gegen Frau Sarrazin seit Jahren im Sande verliefen. Gegen ihn liegt mittlerweile eine Aufforderung der Anwälte von Ursula Sarrazin vor, eine Widerrufserklärung sowie eine Unterlassungserklärung zu unterzeichnen. Peiritsch will sich deshalb gegenwärtig nicht äußern.

Beate Stoffers sagte, dass der Fall Sarrazin kein Einzelfall sei. "Pro Jahr gibt es über 1000 Elternbeschwerden über Lehrkräfte." Wie in jedem Fall sei auch in diesem ein Routineverfahren in Gang gesetzt worden. Die Schulaufsicht prüfe sämtliche Anschuldigungen. Aufgrund des großen öffentlichen Interesses sei nicht nur die bezirkliche Schulaufsicht mit den Sachverhalten befasst, sondern auch der Abteilungsleiter Schulaufsicht, Eberhard Laube. Wie schnell ein Ergebnis vorliege, hänge davon ab, wie schnell sich alle Beteiligten einig werden würden und was die Prüfung der Vorgänge ergebe.

Streit spaltet Elternschaft

Der Streit um die pädagogische Arbeit der Grundschullehrerin spaltet die Elternschaft in Berlin. Während auf der einen Seite Eltern der Lehrerin vorwerfen, Kinder gedemütigt zu haben und viel zu autoritär zu sein, stärken andere ihr den Rücken. So schrieb etwa eine Mutter, deren Tochter von Frau Sarrazin unterrichtet wird, in einem Brief an diese Zeitung: "Solche Lehrer wie Frau Sarrazin müsste es viel mehr geben. Autorität hat nichts mit Diskriminierung zu tun. Autoritär und leistungsorientiert zu arbeiten halte ich für den richtigen Weg."

In einem anderen Brief, den ein Vater geschrieben hat, dessen Sohn bei Frau Sarrazin bis zum Sommer vergangenen Jahres Unterricht hatte, heißt es hingegen: "Was jedoch den Unterricht von Frau Sarrazin betrifft, kann ich aus persönlicher Erfahrung sagen: Dieser ist autoritär, und dass Kinder den Unterricht weinend verlassen, kommt regelmäßig vor. Auch dass Kinder vor der Klasse bloßgestellt werden, ist sicher kein Einzelfall."

Iris Zimzinski, ehemalige Elternsprecherin, deren Tochter die fünfte Klasse der Reinhold-Otto-Schule besucht, forderte jetzt ebenfalls, dass die Bildungsverwaltung endlich handeln soll. "Es gibt seit Jahren Beschwerden von Eltern. Die sind von der Verwaltung offenbar alle einfach abgeheftet worden", sagte Frau Zimzinski. Der Unterrichtsstil von Frau Sarrazin gehe zulasten der Kinder. Ein Mädchen sei bereits psychisch gestört.

Ursula Sarrazin hingegen fühlt sich gemobbt. "Ich unterrichte mehrere Klassen und habe es mit mehr als 100 Eltern zu tun. Da kann man es nicht jedem recht machen", sagte sie. Ihr Fall würde nur deshalb in der Öffentlichkeit diskutiert, weil sie die Frau des SPD-Politikers Thilo Sarrazin ist. "Ich muss davon ausgehen, dass es sich hier um Neid und Missgunst handelt", sagte Ursula Sarrazin. Die Klagen kämen einzig und allein aus der 4b. Dort gebe es Eltern türkischer Kinder, die sich über sie beschwert hätten. Allerdings nicht direkt bei ihr. Sie habe deshalb die Eltern brieflich gebeten, mit ihr Kontakt aufzunehmen - bisher ohne Erfolg.

Ursula Sarrazin bedauert nun die unsichere Situation, in der sich die Kinder der 4b befänden. Bisher habe sie ein gutes Verhältnis zu diesen Schülern gehabt. Das sei nun getrübt. "Ich habe mit den Kindern deshalb in der vergangenen Woche darüber gesprochen, wie Gerüchte entstehen und wie man sich in solchen Fällen verhält", sagte sie. Sie hätten erarbeitet, dass man nichts weitersagen solle, was man nicht genau wisse. "Die Schüler waren nach dieser Stunde sehr erleichtert."

Laut Beate Stoffers wird es voraussichtlich am Mittwoch weitere Gespräche zwischen der Schulaufsicht und Frau Sarrazin geben.