BBI

Protest gegen die Flugrouten - Wer fordert was?

Der Zorn der Bürger im Berliner Südwesten und den angrenzenden Brandenburger Nachbargemeinden über die am 6. September bekannt gewordenen Pläne der Deutschen Flugsicherung (DFS) schafft sich immer neue Ventile.

Seit sechs Wochen ist es in den gutbürgerlichen Wohngegenden mit der Ruhe vorbei. Demonstrationen, Kundgebungen, Informationsveranstaltungen mobilisieren Tausende Anwohner, deren Eigenheime plötzlich unter den von der DFS favorisierten Flugschneisen des Flughafens Berlin Brandenburg International liegen. Mehr als 30 Bürgerinitiativen haben sich innerhalb kürzester Zeit gegründet. Die Berliner Morgenpost stellt die wichtigsten Initiativen vor.

BI Keine Flugrouten über Berlin

Zwei Tage nach Bekanntwerden der Flugroutenführung gründete sich am 8. September in Wannsee und Nikolassee die erste Bürgerinitiative. Nach nur wenigen Tagen konnte die Initiatorin und Anwohnerin aus Nikolassee, Marela Bone-Winkel, auf 200 Mitstreiter und ein fachlich versiertes Netzwerk aus Juristen, Marketing-Fachleuten, Piloten und Flughafenplanern verweisen. Mittlerweile spricht Bone-Winkel für mehrere 10 000 Betroffene, fungiert die Bürgerinitiative "Keine Flugrouten über Berlin" als Dachorganisation mehrerer Initiativen in Berlin und Brandenburg. "Wir wollen, dass die Flugrouten so gestaltet werden, dass sie menschenfreundlich für alle sind - für Berliner und Brandenburger", nennt Bone-Winkel das Ziel der BI. Die BI arbeitet überdies an Konzepten zur Lärmvermeidung. "Keine Flugrouten über Berlin" hat mit den Bürgerinitiativen in Teltow, Kleinmachnow, Stahnsdorf, Großziethen, Zeuthen und Potsdam eine Koalition gegen Fluglärm geschlossen. Diese trifft sich am 4. November um 19 Uhr im großen Gemeindesaal Nikolassee, Kirchweg 6, zum ersten Mal. Die Bürgerinitiative ist über die E-Mail info@kfberlin.de zu erreichen.

BI Überflugverbot Neukölln

Die Neuköllner Bürgerinitiative gründete sich gut zwei Wochen nach Bekanntwerden der Flugrouten. Gründer sind der Rechtsanwalt Andreas Kaiser und der Unternehmer Andreas Huth aus Rudow. Mittlerweile hat die Initiative, die sich für ein Überflugverbot für das Stadtgebiet und insbesondere Neukölln einsetzt, 500 Unterstützer. "Unser Hauptanliegen ist die Sicherheit, Lärmvermeidung und Luftreinheit", sagt Andreas Huth. "Überdies prüfen wir rechtliche Schritte gegen den Planfeststellungsbeschluss für den neuen Flughafen." Die Initiative sammelt Unterschriften gegen den Flugroutenverlauf und will alle Flugroutengegner in Neukölln unter ihrem Dach zusammenführen. Geplant ist die Zusammenarbeit mit allen Bürgerinitiativen auf Berliner- und Bundesebene. Eine Kooperation mit dem Bürgerverein BVBB schließt Huth aus, weil dieser den Flughafen-Standort Schönefeld in Frage stellt. Die Bürgerinitiative Überflugverbot Neukölln ist über die E-Mail-Adresse Flugrouten@dr-Andreas-Huth.com zu erreichen.

BI Weltkulturerbe Potsdam

Am vergangenen Wochenende hat sich die Bürgerinitiative "BI Weltkulturerbe Potsdam" gegründet. Sie ist die Dachorganisation von insgesamt acht Initiativen im Potsdamer Stadtgebiet und hat 40 Mitglieder und über 1000 Sympathisanten. Die Initiative sieht durch die Flugroutenführung das Weltkulturerbe der Schlösser und Gärten in Gefahr. "Wir prüfen gerade, welche Kriterien die Unesco zum Schutz des Welterbes anwendet. Für die Belastung durch Flugverkehr gibt es offenbar noch keinen Präzedenzfall", sagt Initiator Achim Haid-Loh. Die Bürgerinitiative will auch die Fraktionen der Potsdamer Stadtverordnetenversammlung für das Thema sensibilisieren. Die Stadtverwaltung teilte gestern mit, dass Potsdam künftig in der Fluglärmkommission vertreten sein wird. Auch das hatte die Initiative gefordert. Die BI hat ihren Sitz in der Kladower Straße 12 in 14469 Potsdam (Sacrow) und ist über E-Mail unter BI-WKP@email.de zu erreichen.

Bürgerverein Brandenburg Berlin

Der Bürgerverein Brandenburg Berlin (BVBB) kämpft bereits seit 1995 gegen den Ausbau des stadtnahen Flughafens Schönefeld und favorisiert nach wie vor den weiter südlich gelegenen Standort Sperenberg. Der BVBB mit Sitz in Blankenfelde fing vor 15 Jahren mit 330 Mitgliedern an. Als das Klageverfahren gegen den Planfeststellungsbeschluss für den neuen Flughafen lief, zählte der Verein 5200 Mitglieder. Mittlerweile sind es 3300 Mitstreiter. Die Flugroutendiskussion nimmt der Verein zum Anlass, erneut die Standortfrage zu stellen. " Wir beteiligen uns nicht an der Flugroutendiskussion, sondern fordern die Aufgabe des Standortes Schönefeld", sagt der Ehrenvorsitzende des BVBB, Ferdi Breidbach. Der BVBB lädt am 29. Oktober alle Sprecher der Bürgerinitiativen voraussichtlich um 18 Uhr nach Diedersdorf ein. Zu erreichen ist der Verein über die E-Mail-Adresse: webmaster@bvbb.de oder am Do. von 14.30 bis 18 Uhr unter Tel.03379/201434.

BI Lichtenrade/Mahlow-Nord

Die Bürgerinitiative gegen Fluglärm hat sich am 11. September 2010 gegründet. Das Ziel formuliert Bi-Mitglied Simon Lietzmann so: "Wir fordern die Beibehaltung der alten geraden Abflugroute von der nördlichen Startbahn in Richtung Westen". Die BI, deren E-Mail-Verteiler derzeit rund 400 Adressen umfasst, ist gerade dabei, einen Verein zu gründen. Neben der Organisation der sogenannten "Montagsdemo gegen den Fluglärm" am S-Bahnhof Lichtenrade sammelt die Initiative auch Unterschriften betroffener Bürger. Rund 11 000 sind bereits zusammengekommen. Außerdem informiert die BI auf einer eigenen Homepage und organisiert Informationsveranstaltungen für die Bürger im Gemeinschaftshaus Lichtenrade. Kontakt über die Mailadressen: info@fluglaerm-lichtenrade.de oder liraBBI@yahoo.de . Internet: www.fluglaerm-lichtenrade.de

Initiative Waldblick e. V.

Die Initiative hat sich bereits 2009 gegründet, zunächst vornehmlich mit dem Ziel, den ländlichen Charakter der Siedlung zu erhalten und große Bauvorhaben zu verhindern und Heimatforschung zu betreiben. Seit dem 6. September 2010 wurden diese Aktivitäten zurückgestellt. "Jetzt ist unser wichtigstes Ziel, zu verhindern, dass die Flugzeuge nach den an diesem Tag bekannt gewordenen Plänen der Deutschen Flugsicherung in 600 Metern Höhe über uns hinwegdonnern", sagt Vereinsmitglied Peter Abend. Der Verein hat 60 Mitglieder und noch einmal so viele Adressen im E-Mail-Verteiler. Bislang hat die Initiative 200 Unterschriften gesammelt, auf Straßenfesten an Ständen und auf der Internetseite Informationen bereitgestellt. Kontakt: Verein Initiative Waldblick e.V., Marienfelder Str. 22, 15831 Blankenfelde-Mahlow, Tel.: 03379/374319. E-Mail: abend@alice-dsl.net ; www.initiative-waldblick.de

Initiative Berlin-Marienfelde

Die Initiative Berlin-Marienfelde wurde 2007 gegründet. Vereinsziel war zunächst, die Nahversorgung im Ortsteil sicherzustellen. "Der Fluglärm beschäftigt uns bereits seit zwei Jahren", sagt Alexandra Siepmann. Im Fokus waren damals allerdings die Überstellflüge von Tegel nach Schönefeld. "Seit 6. September ist unser vordringliches Ziel, die von der DFS geplanten Flugrouten zu verhindern", sagt Siepmann. "Wir fordern, dass auf der nördlichen Startbahn geradeaus geflogen wird und die Querungsflüge über der Stadt reduziert werden." In der Initiative sind 20 Bürger aktiv, im Adressverteiler sind 70 Marienfelder aufgeführt und die Homepage, auf der über die Flugrouten informiert wird, verzeichnet in der Woche rund 2500 Zugriffe. Kontakt über E-Mail: initiative@berlin-marienfelde.de . Internet: www.berlin-marienfelde.de

BI Kleinmachnow (WmF)

Am 20. September hat sich die BI Weg mit den Flugrouten über Kleinmachnow (WmF) im Anschluss an eine erste Demo in Kleinmachnow gegründet. 40 Aktive und ein Unterstützerkreis von 2000 weiteren Personen haben sich in der BI zusammengefunden. "Wir haben in Kleinmachnow bereits 3000 Unterschriften gesammelt", so Sprecher Matthias Schubert. Am kommenden Donnerstag um 19 Uhr veranstaltet die BI einen Informationsabend für die Anwohner im Bürgersaal des Rathauses am Adolf-Grimme-Ring 10. Außerdem können sich die Anwohner jeden Sonnabend an den Ständen der BI auf dem Rathausmarkt informieren. "Wir wollen, dass die Flugrouten aus der Region wieder wegverlegt werden", nennt Schubert die Forderung der Initiative. Kontakt: Matthias Schubert: 0151/40133961. Im Internet: www.wegmitdenflugrouten-kleinmachnow.de .

BI Stahnsdorf gegen Fluglärm

Die Bürgerinitiative Stahnsdorf gegen Fluglärm hat sich am 20. September gegründet. "Die Festlegung der Flugrouten in der Reihenfolge Sicherheit, Schutz vor Lärm und Schmutz und erst dann Wirtschaftlichkeit", nennt Matthias Piaszinski das Ziel. "Wir wollen, dass die ursprünglich geplanten Routen beibehalten werden", sagt er. 400 Stahnsdorfer Aktivisten sind in der BI. Die Initiative hat ein "Lärmmobil" organisiert. Dieses fährt mit Lautsprecherboxen, die den zu erwartenden Fluglärm simulieren, durch die Wohngebiete, um die Anwohner aufzurütteln. StahnsdorfgegenFluglaerm@web.de . Im Netz: www.fluglaermbbi.de