Sorglosigkeit

Aids-Infektionen haben sich in Berlin seit 2001 verdoppelt

Die Anzahl der HIV-Infektionen hat sich in den vergangenen Jahren mehr als verdoppelt.

Gab es vor neun Jahren in Berlin noch 200 Neuinfektionen mit dem Virus, waren es im vergangenen Jahr nach Angaben der Gesundheitsverwaltung 440. Insgesamt leben in der Stadt rund 10 000 Menschen mit dem HI-Virus, bei rund 6000 Personen ist die Krankheit bereits ausgebrochen.

Der Senat hat jetzt ein Rahmenkonzept beschlossen, das die Zahl der Neuinfizierungen senken soll. Künftig sollen Risikogruppen gezielter angesprochen und informiert werden. 70 Prozent der Neuinfektionen betreffen homosexuelle Männer. Außerdem überproportional betroffen sind nach Angaben Lompschers Prostituierte, Drogenabhängige und Inhaftierte. Die Aufklärung soll sich vor allem an Jugendliche und jugendliche Erwachsene richten, sagte Lompscher. Gleichzeitig soll für mehr Akzeptanz von HIV-Infizierten in der Öffentlichkeit geworben werden. Die medizinischen Fortschritte hätten dazu geführt, dass sich die Lebensqualität der Infizierten stark verbessert habe und sie je nach Gesundheitszustand weiter arbeitsfähig seien. Bislang gehe eine HIV-Infektion in der Regel mit einem sozialen Abstieg einher, da die meisten Betroffenen ihre Arbeit verlieren. "Einerseits hat der medizinische Fortschritt zu einer längeren Lebenserwartung der Betroffenen und einer deutlichen Zunahme der Lebensqualität geführt, andererseits haben sich die Anforderungen an die Prävention und Versorgung verändert", sagte Gesundheitssenatorin Katrin Lompscher (Linke). Es sei allerdings eine "neue Sorglosigkeit" gegenüber HIV festzustellen, die bessere Vorbeugung nötig mache. Berlin gibt jährlich 2,1 Millionen Euro für die HIV-Prävention aus.