BVG

Auch 2011 wird an der U 2 gebaut

Die gute Nachricht ist: Die Sanierung der U-Bahn-Viadukte in Prenzlauer Berg dauert doch nur sechs Wochen länger als geplant, sie wird rechtzeitig vor Weihnachten abgeschlossen sein. Ab 20. Dezember könne die U 2 wieder zwischen Pankow und Ruhleben - also auf der kompletten Linie - fahren, verspricht die BVG.

Die schlechte Nachricht ist: Auch im nächsten und im übernächsten Jahr wird es monatelange Einschränkungen im U-Bahn-Verkehr speziell der Linie U 2 geben. Grund dafür ist die Fortsetzung der gleichfalls dringend notwendigen Arbeiten am und im Bahnhof Gleisdreieck.

Nach den ursprünglichen Plänen der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) sollte die U 2 zumindest in Pankow bereits ab 8. November wieder regulär verkehren. Doch schon im Sommer hatte sich abgezeichnet, dass der Zeitplan für die Sanierung der gut 90 Jahre alten Hochbahnstrecke über der Schönhauser Allee nicht zu halten sein wird. Wie berichtet, führten Anwohnerbeschwerden über den Baulärm dazu, dass die zuständige Senatsbehörde im Sommer eine bereits erteilte Ausnahmegenehmigung für lärmintensive Arbeiten in den späten Abendstunden und an den Wochenenden wieder aufhob.

Den Baufirmen standen dadurch pro Werktag 200 Arbeitsstunden weniger zur Verfügung, so die BVG. Später wurden die rigiden Vorschriften zwar wieder etwas gelockert. Ein Aufholen der bereits eingetretenen Bauzeitverluste sei aber nicht mehr möglich, sagte Infrastruktur-Chef Ralf Baumann. Insbesondere der Austausch der Stahlplatten, auf denen erst der Schotter aufgeschüttet wird und dann darauf die Gleise verlegt werden, dauert deutlich länger als geplant. Weil die insgesamt 1450 Buckelbleche an vielen Stellen durchgerostet waren, werden sie allesamt erneuert. Sowohl die Demontage der einst mit Nieten befestigten Platten als auch der Einbau der bis zu 300 Kilogramm schweren Stahlbleche war und ist mit erheblichem Lärm verbunden. Müssen doch erst die Nieten abgetrennt und dann Löcher für die neuen Verschraubungen durch den Stahl gebohrt werden. Insgesamt 148 Löcher pro Platte, also weit mehr als 200 000 für die gesamte 1,7 Kilometer lange Hochbahnstrecke zwischen dem U-Bahnhof Schönhauser Allee und der Rampe, die hinab zur Station Senefelderplatz führt.

Die zusätzlichen Lärmschutzauflagen kosten die BVG nicht nur Zeit, sondern auch Geld. Rund 100 000 Euro muss sie dafür mehr ausgegeben. Dennoch sei der Gesamtkostenrahmen nicht in Gefahr, hieß es. Etwa 40 Millionen Euro lassen sich das Land Berlin und BVG die Sanierung der auch als "Magistratsschirm" bezeichneten Hochbahnstrecke allein in diesem Jahr kosten. Trotz des Zeitverzugs ist ein Großteil der Arbeiten inzwischen geschafft. Auch die denkmalgerechte Sanierung der Bahnhöfe Eberswalder Straße und Schönhauser Allee kommt laut BVG gut voran. Zudem wird der Tunnel über dem Bahnhof Vinetastraße abgedichtet und ein elektronisches Stellwerk für den Nordast der Linie U 2 installiert.

Von der Sanierung der Viadukte sollen Anwohner wie Fahrgäste gleichsam einen Nutzen haben. "Die U-Bahn wird künftig nicht nur schicker und schöner, sondern auch leiser und schneller sein", kündigte BVG-Infrastrukturchef Baumann an. Etwa durch neue Schallschutzmatten unter dem Schotter soll sich der Lärm eines vorbeifahrenden Zuges auf 60 bis 65 Dezibel verringern. "Die Lautstärke wird unter dem allgemeinen Straßenlärm auf der Schönhauser Allee liegen", sagte Baumann. Die neue Stellwerkstechnik lässt zudem eine höhere Fahrgeschwindigkeit der Züge (60 statt bisher 50 Kilometer pro Stunde) und eine dichtere Taktfolge zu.

Mit der Freigabe der Strecke am 20. Dezember wird die BVG die neuen Möglichkeiten noch nicht in vollem Umfang nutzen. Geplant ist zunächst lediglich die Rückkehr zum zuvor gewohnten Vier-Minuten-Takt in den Hauptverkehrszeiten. Derzeit fahren die Züge im morgendlichen und nachmittäglichen Berufsverkehr alle fünf Minuten. Mit der neuen Sicherheitstechnik sind aber Zugabstände von unter zwei Minuten möglich. Doch für einen solch dichten Takt gibt es nach Ansicht der BVG trotz der im Berufsverkehr oft völlig überfüllten Züge noch keine ausreichende Fahrgast-Nachfrage. "Solch eine Angebotsverbesserung muss zudem vom Senat bestellt und auch bezahlt werden", sagte BVG-Sprecher Klaus Wazlak.

Doch schon bevor die U-Bahn wieder fährt, soll sich das BVG-Angebot für Fahrgäste in Pankow verbessern. Nach Ende der Gleisbauarbeiten können ab 1. November die Straßenbahnen der Linie M 1 über die Berliner Straße und den Bahnhof Pankow bis zur Gleisschleife Björnsonstraße fahren. Die Tram-Linie 50 verkehrt wieder bis zum Virchow-Klinikum in Wedding. Durch den neu gestalteten Haltestellenbereich am Bahnhof Pankow verbessert sich auch der Umstieg zwischen Bus und Tram. Die Busse des Ersatzverkehrs, die derzeit oft im Stau stecken bleiben, sollen es leichter haben. Ab 6. Dezember, so verspricht es die BVG, werden die Straßenbahnen der M 1 wieder durch die Schönhauser Allee fahren.

Ein Ende der Arbeiten an der gut 20 Kilometer langen Strecke der U 2 ist vorerst nicht in Sicht. Brennpunkt wird 2011 und 2012 das Gleisdreieck sein. Nachdem in diesem Jahr im Bahnhof die oberen Bahnsteige erneuert wurden, wo die Züge der U 1 halten, ist nun die untere Ebene dran. Zudem müssen auch noch Brücken und Rampen erneuert werden. Die U 2 wird dort voraussichtlich von Mai bis November unterbrochen sein. Einzelheiten will die BVG Anfang Dezember mitteilen.

Auch an der Pankower Strecke muss noch weiter gebaut werden. So werden die Flächen unter den Viadukten neu gepflastert und 80 Bäume gepflanzt. Auch die Abdichtung an der Rampe Vinetastraße wird fortgesetzt. Dies soll jedoch ohne Störungen des Zugverkehrs erfolgen.