Gründerpreis

Kreativität zahlt sich aus

Neukölln ist ein kreatives Pflaster. Trotz hoher Arbeitslosigkeit, Jugendkriminalität und Integrationsproblemen zieht es immer mehr Designer und Modemacher in den Bezirk. "Wo sollen sie sonst auch hin?", sagte Bürgermeister Heinz Buschkowsky (SPD) gleichermaßen humorvoll wie stolz gestern bei der Verleihung des Neuköllner Gründerpreises im Rathaus.

Fünf der acht Firmen, die das Wettbewerbsfinale erreichten, haben mit Mode, Designerstoffen, Dessous und Strickwaren zu tun.

Der Preis wurde zum sechsten Mal vergeben. Mit ihm soll Erfindungsreichtum, Engagement und Erfolg von Existenzgründern gewürdigt werden. 8000 Unternehmensgründungen hat es laut Buschkowsky in den vergangenen drei Jahren in Neukölln gegeben. 4000 Firmen habe das Bezirksamt angeschrieben und zur Beteiligung eingeladen, sagte der Bürgermeister. 105 Bewerber haben ihre Unterlagen eingereicht. Die Finalisten konnten sich gestern im BVV-Saal präsentieren. Sieger wurde die Saalbau Neukölln Kultur- und Veranstaltungs-GmbH, die sich über den ersten Preis in Höhe von 7000 Euro freuen kann. Die Gesellschaft gründete sich im Dezember 2008, übernahm den Saalbau im April 2009 vom Bezirksamt und bespielt seither das Haus mit der Theatergruppe "Heimathafen Neukölln". Besonders erfolgreich ist die Inszenierung "Arabboy", in der ein junger Türke aus Neukölln die Hauptrolle spielt. "Die Vorstellungen sind ausverkauft", erzählt Geschäftsführerin Carolin Huder. Viele junge Türken und Araber seien im Publikum. Die GmbH veranstaltet Konzerte und Theaterstücke, vermietet außerdem den Saal. Im Dezember will das junge Unternehmen, zu dem ein 35-köpfiges Team gehört, erstmals schwarze Zahlen schreiben.

Jury-Mitglied Jochim Stoltenberg hob den "Dreiklang von hohem Engagement, geschickter Vermietung und integrationspolitischem Ansatz" hervor. Die GmbH sei "ein außerordentlich preiswürdiger Sieger", sagte der Morgenpost-Autor. Der mit 4000 Euro dotierte zweite Preis ging an "Nick Page Guitars". Gitarrentechniker Nick Page und Tischlermeister André Lindner reparieren defekte Instrumente und verkaufen Zubehör. In der Ladenwerkstatt an der Nansenstraße stellen die beiden Experten anspruchsvolle Einzelstücke her. Stoffe werden einlackiert oder auch Hand gemeißeltes Aluminium verwendet. Den dritten Preis hat Gabriele Prellwitz mit ihrer Strickerei "anyonion" gewonnen.