Deutschpflicht

"Sollen wir eine Sprachpolizei auf die Schulhöfe stellen?"

Trotz Herbstferien - das Thema Integration und Mobbing von deutschen Schülern durch Jugendliche mit Migrationshintergrund beschäftigt weiterhin die Lehrer, Eltern und Politiker in Berlin. Jetzt hat der Generalsekretär der Bundes-FDP, Christian Lindner, gefordert, dass auf allen Schulhöfen eine Deutschpflicht eingeführt werden soll.

Wie berichtet, hatte die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Maria Böhmer (CDU), bereits in der vergangenen Woche gesagt, dass in Berlin schärfer gegen Mobbing von deutschen Kindern an Schulen vorgegangen werden müsse. Auch sie will Deutsch zur Pflichtsprache an den Schulen machen.

Die Grünen im Berliner Abgeordnetenhaus bezeichneten die Forderung des FDP-Generalsekretärs als absurd. "Wer eine Deutschpflicht auf Schulhöfen fordert, ist fern jeder Realität. Wie soll eine derartige Maßnahme durchgesetzt oder sanktioniert werden? Sollen wir eine Sprachpolizei auf Schulhöfe stellen", kritisiert Özcan Mutlu, bildungspolitischer Sprecher der Grünen.

Um die Weichen für eine Integration in den Schulen zu stellen, müsse dringend mehr und qualifizierteres Personal eingestellt werden - darunter Erzieher, Psychologen und Sozialarbeiter. Das Personal solle nach Möglichkeit auch mehrsprachig sein. "Wir brauchen eine Qualitätsoffensive, vor allem für Schulen in sozial benachteiligten Gebieten", so Mutlu weiter.

Die FDP-Fraktion im Abgeordnetenhaus hält eine Pflicht zum Deutschsprechen in der Schule per Hausordnung für erstrebenswert. Die Entscheidung dafür sollte aber eigenverantwortlich von den Schulen getroffen werden, sagt der Fraktionsvorsitzende Christoph Meyer. Die bisherigen Erfahrungen mit der Deutschpflicht wie an der Herbert-Hoover-Realschule in Wedding seien positiv und integrationsfördernd.

Auch der CDU-Landesvorsitzende Frank Henkel hält die deutsche Sprache für den "Schlüssel zu einer erfolgreichen Integration". Wer das nicht begreife, falle in die integrationspolitische Steinzeit zurück, kommentiert er die Stellungnahme der Grünen. Es müsse selbstverständlich sein, dass auf deutschen Schulhöfen Deutsch gesprochen wird, so Henkel. Die Bildungsverwaltung findet es begrüßenswert, wenn in Schulen auch außerhalb des Unterrichts Deutsch gesprochen wird. Dafür müsste jedoch bei Eltern, Schülern und auch den Lehrer Übereinstimmung bestehen, betont Bildungssenator Jürgen Zöllner (SPD).

Der Schulleiter der Herbert-Hoover-Oberschule spricht sich für eine allgemeine Deutschpflicht auf dem Pausenhof aus. "Wir haben gute Erfahrungen damit gemacht, die Eltern und Schüler bereits bei der Anmeldung auf die gemeinsame Regelung aufmerksam zu machen", sagt Schulleiter Thomas Schumann. Sanktionen gebe es nicht. Stattdessen würden die Lehrer besonders auf den Umgang der Schüler miteinander achten und sie darauf hinweisen, dass eine gemeinsame Umgangssprache helfe, Missverständnisse zu vermeiden. "Die Schüler erreichen dadurch auch bessere Leistungen", sagt Schumann.

Eine Pflicht, in der Schule grundsätzlich nur Deutsch zu sprechen, mache nur Sinn, wenn sie von der jeweiligen Schule selber beschlossen werde, sagt dazu Paul Schuknecht, Leiter der Friedensburg-Oberschule in Charlottenburg und Sprecher der Vereinigung der Berliner Schulleiter. An einer bilingualen Europaschule wie der Friedensburg-Schule sei eine solche Regelung jedoch abwegig, sagt Schuknecht.