Eurovision Song Contest

Opposition fordert Konsequenzen aus der Contest-Niederlage

Der erste Jammer ist verklungen, nun werden Forderungen laut, sicherzustellen, dass Berlin künftig eine Schlappe wie die bei der Entscheidung über den Austragungsort des Eurovision Song Contest 2011 verhindern kann.

Am Dienstag hatten die Intendanten der ARD unter den vier Bewerbern Hannover, Hamburg, Berlin und Düsseldorf einstimmig für die Stadt am Rhein votiert. Als Grund für die Ablehnung Berlins, das mit der historischen Bedeutung und dem Flair des Flughafens Tempelhof als Location punkten wollte, wurden die höheren Kosten bei einer Sendung aus der Hauptstadt angeführt.

25 Millionen Euro waren in die Ausrichtung des letzten europäischen Gesangswettbewerbs 2009 in Oslo geflossen. Im kommenden Jahr wolle man unter dieser Summe bleiben, kündigte der Sprecher des NDR als federführende Sendeanstalt gestern in Hamburg an. Die ARD trägt den größten Teil der Kosten, einen kleineren Betrag steuert die Europäische Rundfunkunion bei. Zur Refinanzierung zählen die deutschen Rundfunkanstalten auch auf den Ticketverkauf für den Grand Prix, dessen Finale am 14. Mai 2011 über die Bühne gehen wird.

Genau daran haperte es in Berlin: Auf dem ehemaligen Flugfeld in Tempelhof, das für die Veranstaltung durch eine kuppelartige Halle überdacht worden wäre, hätten mit gut 10 000 Sitz- und 1000 Stehplätzen deutlich weniger Menschen Platz gefunden als in der Esprit-Arena in Düsseldorf. Diese fasst rund 24 000 Fans. Die CDU-Fraktion, die zuvor in einem Antrag im Abgeordnetenhaus gefordert hatte, der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) müsse für den Eurovision Song Contest in Berlin kämpfen, wirft ihm nun vor, sich im Vorfeld bereits "zu weit aus dem Fenster gelehnt" zu haben. Das sagte der Fraktions- und Landesvorsitzende Frank Henkel nach der Bekanntgabe der ARD-Entscheidung. Sein Parteikollege und medienpolitischer Sprecher der CDU-Fraktion, Christian Goiny, forderte die Landesregierung auf, "zu gucken, woran ist es gescheitert". Ganz offensichtlich fehle in Berlin ein Veranstaltungsort, der auch für Groß-Events dieser Art geeignet sei. "Tempelhof ist da doch eher der Gemischtwarenladen, der für vieles herhalten muss, aber nicht für alles taugt", so Goiny. Auch die kulturpolitische Sprecherin von Grünen, Alice Ströver, kritisierte: "Es fehlt uns eine große, öffentliche Halle, die auch mal über sechs Wochen für solch ein Ereignis freigehalten werden kann."

In der Senatskanzlei will man dieser Fehleranalyse nicht folgen. "Wir haben eine große Anzahl von Locations, und es gibt nicht viele Veranstaltungen mit solchen Anforderungen", sagte Wowereits stellvertretender Sprecher Günter Kolodziej. Eine entsprechend große Halle auch außerhalb einer Eurovision auszulasten, dürfte schwierig sein, meinte auch der Sprecher der Berlin Tourismus Marketing Gesellschaft, Christian Tänzler. Vom Ambiente her sei "Tempelhof in jedem Fall einzigartig". Als Alternative für den früheren Flughafen war bei der Vorbereitung der Bewerbung auch die O2 World im Gespräch. "Wir hätten die Eurovision gern übernommen", sagte Unternehmenssprecherin Katharina Telschow. Im April und Mai 2011 stünden dem aber die Playoff-Spiele der Eisbären und von Alba im Wege. Eine Anmietung der Arena über sechs Wochen "wäre auch für das Land zu teuer gewesen", so Kolodziej. Die Messehallen boten für das Riesenevent wiederum zu wenig Platz.

Dass Europas Musikfans im nächsten Frühjahr also den Song Contest in die rheinische Provinz anstatt in der Hauptstadt verfolgen werden, hatte auch Wowereit bedauert. Man müsse das aber auch sportlich nehmen, sagte Vize-Senatssprecher Kolodziej gestern. "Es gibt keinen Grund uns vorzuwerfen, wir hätten eine suboptimale Bewerbung abgegeben." Den wirtschaftlichen Einbußen stünden die geplanten Investitionen in die bauliche Vorbereitung des Flugfeldes entgegen, die nun wegfielen. Kolodziej: "Die Attraktivität Berlins ist so groß, dass uns so eine Entscheidung nicht umwirft."