Kinderdealer

Gutachten: Jungdealer Arub ist schon 15 Jahre alt

Stück für Stück kommt die Wahrheit über die angeblich strafunmündigen Kinderdealer ans Licht. Zumindest was das Alter der jungen Kriminellen betrifft. Arub M. hatte vorgegeben, er sei erst elf Jahre alt.

Der arabischstämmige Junge, der im Sommer immer wieder beim Verkauf von Heroin in Kreuzberger und Neuköllner U-Bahnhöfen gefasst und von der Polizei laufen gelassen werden musste, ist tatsächlich etwa 15 Jahre alt. Das hat jetzt das Gutachten zur Altersbestimmung ergeben, bestätigte gestern die Berliner Staatsanwaltschaft. Außerdem sei Anfang der Woche die Untersuchung eines vermeintlich zwölf Jahre alten Drogenhändlers durch einen Experten in Bad Saarow erfolgt. Das Ergebnis dieser Altersbestimmung stehe indes noch aus. Es dürfte Ende dieses Monats vorliegen.

Arub M. gilt - so das Ergebnis des Gutachtens - nun juristisch als Jugendlicher. Bislang war er aufgrund seines Alters ein Fall für Jugendämter und -heime, nicht für ein Gericht. "Die Kriminalpolizei kann jetzt die Ermittlungen wieder aufnehmen. Das bisher bestehende Hindernis dagegen ist entfallen", sagte gestern Martin Steltner, Sprecher der Staatsanwaltschaft, zu den Folgen. Da die Straftaten eines Minderjährigen mit dem Erreichen des 14. Lebensjahres verfolgt werden können, stellt auch die maximale Ungenauigkeit der rechtsmedizinischen Altersbestimmung von bis zu einem Jahr keine Hürde mehr für die Strafverfolgung dar.

Erst am Freitag hatte die Staatsanwaltschaft mitgeteilt, dass ein angeblich 13-jähriger polizeibekannter Heroinhändler mindestens 21 Jahre alt sein dürfte. Die Konsequenz: Für Hassan El F. wurde umgehend Untersuchungshaft angeordnet. Wegen des Vorwurfs des gewerbsmäßigen Handels mit Rauschgift drohen dem schmächtigen jungen Mann nun bis zu fünf Jahren Gefängnis. Wie berichtet, werden ihm zudem der Verstoß gegen das Waffengesetz und Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte vorgeworfen.

Solch harte Sanktionen wie Untersuchungshaft drohen Arub M. als Jugendlichem vorerst nicht. Der als angeblich alleinstehender staatenloser Palästinenser nach Deutschland eingereiste Jugendliche ist seit einigen Wochen in einer Einrichtung in Brandenburg untergebracht. Dort kann er rund um die Uhr pädagogisch betreut werden.

Das kriminelle Handeln der Kinderdealer in Berlin hatte bundesweit eine Debatte über den Umgang mit den jungen Straftätern ausgelöst. Der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit und Innensenator Ehrhart Körting (beide SPD) plädierten für geschlossene Einrichtungen. Wowereit wurde deshalb auch vom Koalitionspartner Linke scharf kritisiert. Körting sagte: "Heime, in denen die Kinder kommen und gehen können, wie sie wollen, sind völlig sinnlos."