Hygiene

Mängel in jeder vierten Lebensmittelfirma

Der Trend zum schnellen Essen aus der Packung ist ebenso ungebrochen wie der Griff zur Plastikschale mit Salat. Aber nicht immer sind die bequemen Produkte in Ordnung. Lebensmittelkontrolleure spüren in Berlin immer mehr ungenießbare oder verunreinigte Fertiggerichte oder zubereitete Speisen auf.

Bei den Untersuchungen im Landeslabor Berlin-Brandenburg finden die Prüfer zunehmend mikrobiologische Verschmutzungen. 40 Prozent der beanstandeten Proben zeigten 2009 solche Mängel oder wurden sogar als "nicht sicher" eingestuft.

Insgesamt wurden hygienische Bedenken bei fast jedem 20. überprüften Fertiggericht oder zubereiteten Lebensmittel formuliert. Damit war der Anteil der fehlerhaften Fertiggerichte fast so hoch wie bei dem klassischen Risikoprodukt Speiseeis.

Kontrollen in jedem zweiten Betrieb

Die Senatsverwaltung für Gesundheit und Verbraucherschutz plant jetzt Konsequenzen. "Gegebenenfalls müssen die hygienischen Zustände bei der Herstellung der Gerichte noch stärker kontrolliert werden, ebenso die Warmhaltetemperatur von zubereiteten Speisen", heißt es im Lebensmittelsicherheitsbericht 2010, den der Senat gestern veröffentlicht hat. Bei Nichteinhaltung dieser Temperatur könne es schnell zu einer Keimvermehrung und somit zu einer mikrobiologischen Verunreinigung kommen.

Insgesamt haben die Mitarbeiter der Lebensmittelaufsichtsämter im vergangenen Jahr 54 663 Kontrollbesuche in 27 176 der 50 859 Berliner Lebensmitteunternehmen gemacht, also bei 53 Prozent der Betriebe. In jedem vierten untersuchten Betrieb gab es Beanstandungen. Die Quote sank damit leicht von 26 Prozent im Jahr 2008 auf 24 Prozent im Folgejahr.

Im Landeslabor wurden 19 000 amtlich eingereichte Proben untersucht. 17 Prozent mussten beanstandet werden, vor allem wegen irreführender Angaben auf den Packungen und Kennzeichnungsmängeln bei den tatsächlichen Inhaltsstoffen.

Eine Sprecherin von Verbraucherschutzsenatorin Katrin Lompscher (Linke) wies jedoch darauf hin, dass diese Quote nicht unbedingt bedeute, dass auch so viele Lebensmittelbetriebe unsauber arbeiteten oder so viele Produkte Mängel aufweisen. Die Kontrollen würden "risikobasiert" durchgeführt, indem die Beamten Hinweisen nachgingen oder die für ihren weniger strengen Umgang mit Hygiene- und anderen Vorschriften bekannten Betriebe genauer untersuchten.

Noch häufiger als verdorbene oder verschmutzte Lebensmittel fielen den Berliner Prüfern Verstöße gegen die allgemeine Hygiene in Restaurants, Imbissen oder Geschäften auf. Häufiger Kritikpunkt waren auch mangelnde betriebliche Eigenkontrollen und unzulässig veränderte Lebensmittel.

Insgesamt erkennt die Senatorin im Lebensmittelbericht allgemein aber einen rückläufigen Trend bei Verstößen. Katrin Lompscher führt das auf die gestiegene öffentliche Aufmerksamkeit für das Thema Lebensmittelhygiene zurück. Zuletzt hatte vor allem der Bezirk Pankow die Debatte angeheizt, als er mangelhafte Betriebe auf einer Ekelliste im Internet anprangerte. Nach den Erkenntnissen der Verbraucherschutzorganisation Foodwatch entspricht es jedoch den Erfahrungen aus anderen Städten, wenn jeder vierte überprüfte Betrieb Mängel zeige.

Katrin Lompscher sagte, die Verbraucher erwarteten zu Recht einwandfreie, gesundheitlich unbedenkliche und korrekt gekennzeichnete Lebensmittel. "Um mehr Transparenz für Verbraucher zu schaffen und ihre Entscheidungskompetenz zu stärken, wollen wir den Smiley in ganz Berlin einführen", sagte Lompscher. Geplant ist, die lachenden oder weinenden Gesichter für jeden Berliner Gastronomiebetrieb vorzuschreiben. Vor drei Wochen hatte sich Lompscher mit den Bezirken auf das Smiley-Modell verständigt. Dabei gibt es fünf Gesichter. Bei sehr guter Hygiene lächelt die gelbe Kugel besonders intensiv, ist es sehr schmutzig, hängen die Mundwinkel deutlich nach unten. Die Erfahrungen mit dem Modellprojekt zeigten, dass sich durch den Smiley auch die Hygiene in Gaststätten und Imbissen verbessere, sagte Lompscher. Berlin will auch eine Bundesratsinitiative starten, um den Smiley nach dänischem Vorbild in der gesamten Republik durchzusetzen.

Denn die anderen Bundesländer sind offenbar nicht gewillt, das in Berlin als sinnvoll betrachtete System nach dänischem Vorbild ebenfalls zu übernehmen. Die Projektgruppe für mehr Transparenz bei Lebensmittelkontrollen, die die Verbraucherschutzminister der Länder eingesetzt hatten, lehnt den Smiley ab. Anstatt des lachenden Gesichts sollten die Länder Symbole "ohne emotionale Komponente" verwenden, hieß es. Gedacht ist an ein Stern- oder Punktesystem. Noch ist die Diskussion jedoch nicht beendet. So bedrängt die FDP im Bundestag Bundesverbraucherschutzministerin Ilse Aigner (CSU), doch noch den Smiley in ganz Deutschland einzuführen.

Berlin geht in jedem Fall auf diesem Weg weiter. Man sei dabei zu überlegen, wie man die Lebensmittelaufseher der Bezirke mit neuen Handgeräten ausstatten könne, um die Dokumentation vor Ort zu erleichtern und die Kontrollen schneller und effektiver zu machen, hieß es im Hause Lompscher. Außerdem sollten alle Betriebe, die seit zwei Jahren bei Kontrollen nicht aufgefallen sind, auch ohne neue Prüfung zunächst einen lachenden Smiley bekommen, bis das System flächendeckend eingeführt werden könne.