BBI

Reaktor-Betreiber warnen vor Überflug

Die Deutsche Flugsicherung (DFS) will noch einmal prüfen, ob eine der Flugrouten vom Großflughafen BBI, wie bislang geplant, über Gelände des Helmholtz-Zentrums in Wannsee führen muss. Dort steht ein Forschungsreaktor.

Die Fluglärmkommission sammle die Wünsche der Betroffenen und werde Änderungsvorschläge machen, sagte DFS-Sprecher Axel Raab gestern. Das könne noch bis zu einem Jahr dauern. Dann müssten jedoch alternative Strecken gefunden, eventuell simuliert und ihrerseits hinsichtlich der Sicherheit geprüft werden.

Der Protest in Berlin und Brandenburg hat neue Nahrung bekommen, seitdem bekannt ist, dass die Flugrouten über das Helmholtz-Zentrum in Wannsee führen. "Ein Restrisiko bleibt, auch wenn der Überflug in sehr großer Höhe erfolgt", sagte die Grünen-Abgeordnete Claudia Hämmerling. "Ich plädiere dafür, dass nur wenige Menschen in Berlin und Brandenburg durch die Routen betroffen sind." Dies sei möglich, wenn Berlin umflogen würde. "Sicherheit und körperliche Unversehrtheit der Bewohner sollten Vorrang haben."

Helmholtz-Zentrum für Änderung

Auch im Helmholtz-Zentrum in Wannsee wünscht man sich eine Änderung der geplanten Flugstrecke. "Wir unterstehen der Senatsgesundheitsverwaltung und sind mit ihr zu diesem Thema im Gespräch", sagt eine Mitarbeiterin. Über dem Gebiet des Forschungszentrums gelte ein Flugverbot bis zu 700 Metern Höhe. "Gar kein Flugzeug wäre die bessere Lösung." Seit Ende der 50er-Jahre ist auf dem Gelände in Wannsee ein Reaktor in Betrieb. Er sei seitlich von einer zwei Meter dicken Betonschicht umschlossen, aber nicht von oben, sagte die Mitarbeiterin. Außerdem befindet sich auf dem Grundstück die Zentralstelle für radioaktiven Abfall aus Berlin. Er wird in Fässern und Containern zwischengelagert.

DFS-Sprecher Axel Raab verwies gestern darauf, dass viele Flugrouten in Deutschland über Reaktoren oder Kernkraftwerke führen und dass es festgelegte Schutzzonen gibt. Bis zu einer Höhe von 700 Metern und in einem Radius von 1,4 Kilometern im Umkreis dürften die Anlagen nicht überflogen werden, sagt er. Passagierflugzeuge von und zum BBI würden in einer Höhe von 2400 Metern fliegen. Ein generelles Überflugverbot würde nicht mehr Sicherheit geben, sagte Raab. Denn wenn es zum Absturz käme, würde eine Maschine nicht senkrecht über einem Reaktor auf den Boden stürzen.

Für die Initiative "Keine Flugrouten über Berlin" ist der Reaktor ein weiteres Argument gegen den geplanten Streckenverlauf. "Es war uns bewusst, dass die Routen über das Helmholtz-Zentrum führen sollen", sagte ein Sprecher "Wir halten das für unsäglich." Man habe dieses Argument bislang noch nicht in den Vordergrund gestellt, weil "wir erst die Äußerungen der Wissenschaftler vom Zentrum abwarten wollten". Sie liege jetzt vor. "An erster Stelle bei der Planung des Streckenverlaufs hat die Sicherheit zu stehen", forderte der Sprecher. Es sei auf jeden Fall sicherer, die Strecke nicht über das Reaktorgebiet zu führen, zumal auf dem Gelände noch radioaktiver Abfall gesammelt werde. Das Risiko, dass eine Maschine abstürzt, sei gering. Aber es steige mit der Anzahl der Flugzeuge. Zudem sei der Reaktor nicht genügend gesichert, denn es gebe kein Kuppeldach über der Anlage. Außerdem sei die Anlage nicht von Weitem erkennbar, weil sich in der Nähe Wald befinde. "Ein ausländischer Pilot, der notlanden muss, wird versuchen, weder ins Berliner Zentrum noch nach Potsdam, sondern in den Wald zu fliegen."

Hauptforderung der Initiative sei es, die Flugrouten südlich von Berlin und von Potsdam zu führen, über dünn besiedeltes Gebiet, sagte der Sprecher. "Das sind Umwege für die Flugzeuge, aber sie nehmen nur einige Minuten in Anspruch." Die Strecken dürften keinesfalls über den Speckgürtel von Berlin, über Teltow oder Mahlow, verlaufen. Die Initiative hat bereits mehr als 10 000 Unterschriften gesammelt. Sie wurde erst vor wenigen Wochen gegründet, als bekannt wurde, dass auch die Bewohner im Berliner Süden mit Wannsee und Lichtenrade vom neuen Großflughafen betroffen sind. Die Initiative ruft alle zwei Wochen zu einer Protestveranstaltung in Berlin oder in Brandenburg auf. Das nächste Treffen ist für den 24.Oktober in Teltow angesetzt.