Verkehr

S-Bahn sagt dem Dreck den Kampf an

Für den Chef des Verkehrsverbundes Berlin-Brandenburg (VBB), Hans-Werner Franz, ist der geänderte Verkehrsvertrag mit der S-Bahn ein "Riesenfortschritt". Die nunmehr deutlich höheren Strafabzüge würden einerseits das Druckpotenzial deutlich verbessern, um auf ausgefallene, unpünktliche und verdreckte Züge zu reagieren.

Zum anderen sei es für die Deutsche Bahn betriebswirtschaftlich kaum noch sinnvoll, Kosteneinsparungen zu Lasten der Angebotsqualität zu erzielen.

Mit einem radikalen Sparkurs hatte der Bahnkonzern einst versucht, sein Berliner Tochterunternehmen S-Bahn in die Gewinnzone zu bringen - mit anfangs zumindest rechnerischem Erfolg: Der Jahresüberschuss stieg von 8,7 Millionen (2005) auf 56,3 Millionen im Jahr 2008. Dieser Kurs, so Franz, sei auch möglich gewesen, weil die Besteller des S-Bahn-Verkehrs, also die Länder Berlin und Brandenburg, kaum Möglichkeiten hatten, auf die qualitativen Einbußen, die damit einher gingen, zu reagieren. "Die Abzüge waren auf fünf Prozent der Zahlungen begrenzt, die Kostenvorteile für die Bahn durch Einsparungen überwogen da stets."

Der geänderte S-Bahn-Vertrag, der heute von Vertretern der Deutschen Bahn und der Landesregierungen von Berlin und Brandenburg unterzeichnet wird, sieht nun vor, dass die Auftraggeber nicht nur bei ausgefallenen Fahrten ihre Zahlungen empfindlich kürzen können, sondern auch bei zu kurzen Zügen. Vorgeschrieben ist ein Einsatz-Soll von mindestens 562 Viertelzügen im morgendlichen Berufsverkehr. Aktuell sind gerade einmal knapp 420 Doppelwagen im Einsatz - das sind nur 74 Prozent der geforderten Leistung. Zudem wird die maximale Höhe möglicher Strafzahlungen für sogenannte "Schlechtleistung" von derzeit fünf auf 16 Prozent des jährlichen Zuschusses mehr als verdreifacht. Der korrigierte Vertrag gilt rückwirkend ab dem 1. Januar 2010.

Von nächstem Jahr an wird die S-Bahn auch bestraft, wenn die Züge dreckig sind. Künftig, so VBB-Chef Franz, werden Kontrolleure des Verkehrsverbundes nicht nur die Pünktlichkeit genau erfassen, sondern auch, ob und wie innerhalb vorgegebener Zyklen die Wagen gereinigt wurden. Hinzu kommt die Auswertung von Fahrgastbefragungen, die seit diesem Jahr nicht mehr die S-Bahn selbst, sondern gleichfalls der VBB durchgeführt.

Die Berliner S-Bahn hat sich bereits auf die neue Situation eingestellt. In der aktuellen Ausgabe ihrer Kundenzeitschrift stellt sie ein "erweitertes Konzept für die Reinigung der S-Bahn-Züge" vor. Unternehmenschef Peter Buchner formulierte beim jüngsten Sprechtag des Fahrgastverbandes Igeb gar das Ziel, dass die S-Bahn "das sauberste öffentliche Verkehrsmittel in Berlin wird".

Angekündigt wird unter anderem, dass die Wagen nach dem Nachtverkehr verstärkt gereinigt werden. Das heißt konkret: Es soll öfter feucht durchgewischt statt nur gefegt werden. Der Unterschied ist erheblich: Wischen dauert bei einem Wagen 16 Minuten, mit Fegen sind die Reinigungskräfte schon nach vier Minuten fertig. Von Januar an, wenn die neuen Strafen greifen, will die S-Bahn zudem Verunreinigungen in den Wagen, durch die sich die Fahrgäste ihre Kleidung verschmutzen können, sofort beseitigen. Dafür wird die Zahl der mobilen Reinigungsteams, von denen aktuell zehn unterwegs sind, aufgestockt.

Für VBB-Chef Franz ist indes entscheidend, dass die S-Bahn ihre vielen technischen Probleme löst. "So lange die S-Bahn nicht genügend Fahrzeuge einsatzbereit hat, wird sie immer wieder gezwungen sein, auch verdreckte Wagen, die eigentlich ausgetauscht werden müssten, auf die Reise zu schicken." Fahrgastvertreter fordern zudem, dass bei der S-Bahn wieder mehr Personal öffentlich präsent ist. Nur das könnte verhindern, dass sich einige wenige Vandalen unbeobachtet und zudem straffrei auf Bahnsteigen und in den Zügen austoben könnten.