Immobilienmarkt

Heute kommt der neue Mietspiegel

| Lesedauer: 3 Minuten
Markus Falkner

Mit Spannung warten die Mieter in rund 1,2 Millionen Berliner Wohnungen auf den neuen Mietspiegel, den Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD) heute gemeinsam mit Mieter- und Vermieterverbänden vorstellt.

Erstmals seit zwei Jahren gibt es damit wieder einen aktuellen Überblick über die Mietverhältnisse in der Stadt. Zugleich dienen die Werte des Mietspiegels als rechtliche Grundlage für die Entwicklung der Wohnkosten.

Die gute Nachricht für die Mieter lautet: Nach Informationen des Verbandes Berlin-Brandenburgischer Wohnungsunternehmen (BBU) fällt die Mietsteigerung deutlich geringer aus als noch vor zwei Jahren. Damals wies der Mietspiegel einen Anstieg von durchschnittlich 5,8 Prozent aus. Im neuen Zahlenwerk sei mit einem "moderaten" Anstieg zu rechnen, der "deutlich unterhalb" der Inflationsrate von 2,5 Prozent liege, kündigte der BBU gestern an. Erstmals wird im neuen Mietspiegel neben Größe, Lage und Ausstattung auch der energetische Zustand des Hauses als wohnwertmindernd oder -erhöhend berücksichtigt. Darauf hatte sich die Senatorin im Herbst mit den Mieterverbänden verständigt. Jene hatten die letzten drei Zahlenwerke abgelehnt.

Energie, Wasser, Müll teurer

Wie wichtig das Thema Energieeinsparung ist, dürften die Berliner spätestens merken, wenn in den kommenden Wochen die Betriebskostenabrechnungen für 2008 verschickt werden. Nach Angaben des BBU, dessen Mitgliedsunternehmen etwa 40 Prozent aller Berliner Mietwohnungen verwalten, steigen die Betriebskosten für Energie, Wasser und Müll um etwa fünf Prozent auf durchschnittlich 2,35 Euro pro Quadratmeter und Monat. Für eine 90-Quadratmeter-Wohnung müssen Mieter damit etwa 120 Euro im Jahr mehr bezahlen. Die Betriebskosten seien inzwischen fast halb so hoch wie die Nettokaltmiete, so BBU-Vorstand Ludwig Burkardt. Hauptfaktor sind neben den im Bundesdurchschnitt hohen Berliner Wasserpreisen vor allem die gestiegenen Heizkosten. Nach BBU-Angaben stieg im vergangenen Jahr in Berlin der Erzeugerpreis für Erdgas um 16,2 Prozent, der Preis für Fernwärme um 1,8 Prozent.

Reiner Wild vom Berliner Mieterverein fordert daher verstärkte Investitionen, um die vorhandenen Energiesparpotenziale besser zu nutzen. Er geht davon aus, dass die Betriebskostennachforderungen für 2008 noch vergleichsweise moderat ausfallen, die böse Überraschung für die Mieter aber möglicherweise in einem Jahr folgt. Sollten die Vermieter die Pauschalzahlungen nicht angepasst haben, schlüge dann bei hohen Energiekosten der frostige und lange Winter 2009 schmerzhaft zu Buche.

Durchschnittswerte, wie sie gestern vom BBU genannt wurden, hätten nur geringe Aussagekraft für die tatsächliche Lage auf dem Wohnungsmarkt , kritisieren Experten. Eine These, die durch den aktuellen Wohnkosten-Atlas der Wohnungsbaugesellschaft GSW gestützt wird. Er weist im berlinweiten Schnitt eine Steigerung der Gesamtwohnkosten von 5,8 Prozent im zweiten Halbjahr 2008 aus. Während der Kosten in Spitzenlagen von Mitte und Charlottenburg-Wilmersdorf um mehr als acht Prozent stiegen, sanken sie in Spandau, Neukölln und Treptow-Köpenick aber im gleichen Zeitraum um 0,9 Prozent.

Ähnliche regionale Unterschiede hatte auch der letzte Mietspiegel aus dem Jahr 2007 ausgewiesen. Im Durchschnitt bezahlten Berliner Mieter damals 4,75 Euro Nettokaltmiete pro Quadratmeter. Die Spitzenwerte lagen jedoch bei mehr als 7,50 Euro. Und auch die Spanne der Preissteigerungen war groß. Einer durchschnittlichen Mieterhöhung von 5,8 Prozent standen Preisanstiege von teilweise mehr als 10 Prozent - besonders für kleine und sanierte Wohnungen - gegenüber. Auch sanierte Altbauwohnungen verteuerten sich mit mehr als acht Prozent überdurchschnittlich.