Geschichten aus Zoo und Tierpark

Der Yak-Bulle hält seinen Pfleger für ein Rindvieh

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Tanja Laninger

Wer ein Date im Zoo ausmacht, sollte sich nicht bei den Yaks treffen, zumindest nicht mit australischen Freunden. Deren Ausruf 'Yak!' bedeutet so viel wie das deutsche 'Igitt!. Das haben Yaks nicht verdient, gleichwohl Reviertierpfleger Kurt Goedicke sagt, dass seine sechs Yaks würzig riechen.

Gelegentlich versprühen sie zudem eine herb-säuerliche Duftnote, die an Klostein erinnert - nicht ohne Grund. Yaks sind Rinder aus Asien, sie leben in den Bergen bei minus 40 Grad. Ihr Lebensraum wird nicht nur bitterkalt: Yaks durchqueren auch heißsandige Geröllwüsten. Zum Schutze ihrer Haut tragen sie ein braun-schwarzes Fell, das bis auf ihre Hufe fällt. Hin und wieder weht ein Wind es in den Strahl - das ist der Grund für den Geruch.

Er wiederum ist nicht schuld daran, dass im Yak-Stall keine Fensterscheiben mehr hängen. "Es ist da drin für die Tiere zu warm, selbst im Winter", sagt Goedicke. Er lässt die Yaks nur zur Fütterung in das Holzhaus, oder wenn er die Anlage säubern will, und auch, damit die Tiere ans Einstellen gewöhnt bleiben, falls eines krank wird und der Tierarzt es untersuchen will.

Goedickes Exemplare zählen zu den domestizierten Yaks. Menschen haben sie seit der Jungsteinzeit, also so um 10 000 vor Christus, an sich gewöhnt. Yaks werden alsLast- und Reittiere eingesetzt, ihr Fleisch schmeckt, ihre Haare werden ausgekämmt und verwebt, ihr Fell zu Schuhen verarbeitet. Sie geben Milch, die angeblich rosa gefärbt ist. Goedicke kann das nicht bestätigen, "aber es könnte passieren, wenn sie zu viel Möhren gefressen haben". Er schüttet den Pflanzenfressern Futterrüben, Pellets, Gras, Laub und Heu in die Tröge.

Ihre Temperamente sind so verschieden wie die Locken ihres meist weißen Stirnhaars. Bert der Bulle ist böse, wenngleich Goedicke lieber von "ungehalten" spricht. Bert sieht ihm eher ein Rindvieh - so die Worte des Reviertierpflegers - als einen Menschen und darum ist Goedicke sein Rivale. Wenn Bert könnte, würde er ihn auf die Hörner nehmen. Nur haben manche der rund zwölf Millionen Haus-Yaks Zentralasiens keine Hörner mehr - anders als ihre wilden Verwandten, von denen es weniger als 10 000 Exemplare geben soll. Der Bestand gilt nach Angaben der Weltnaturschutzorganisation IUCN als gefährdet.

Die Yaks im Zoo haben sich vermehrt. Stella (9), Vera (8) und Hilly (5) bekamen im September Jungtiere, die Goedicke Judith, Flocke und Khan nennt. Khan steht für Dschingis Khan, den Anführer der Mongolen, die im 12. Jahrhundert bis in die heutige Ukraine vordrangen und ob ihrer Grausamkeit gefürchtet waren. Judith ist nach der alttestamentarischen Figur benannt, die den nebukadnezarischen General Holofernes enthauptete, um ihr Volk zu retten. Flocke trägt einen sanften Namen, sie hat das flauschigste Fell, ist aber ein Bulle.

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