Luftfahrt

Rekord bei den Berliner Flughäfen

Die Berliner Flughäfen können trotz eines harten Winters, der Aschewolke aus Island und der Verzögerung beim BBI-Bau auf ein wirtschaftlich erfolgreiches Jahr 2010 zurückblicken. Flughafenchef Rainer Schwarz spricht bereits von einem "Rekordjahr, das in die Geschichte der Berliner Flughäfen eingehen wird".

Anlass der Freude sind die Passagier- und Umsatzzahlen. Denn anders als 2009, als die Wirtschaftskrise für Einbrüche an den Flughäfen sorgte, gab es im vergangenen Jahr wieder Passagierzuwächse und stieg auch der Umsatz leicht an.

Insgesamt wurden mit 22,32 Millionen Fluggästen in Schönefeld und Tegel 6,4 Prozent mehr Passagiere als im Vorjahr (20,97 Mio.) abgefertigt. Mit 15 Millionen wurde das Gros der Fluggäste in Tegel gezählt. "Wir freuen uns sehr über den neuen Passagierrekord, den wir trotz eines nicht einfachen Jahres erreichen konnten. Dies zeigt, wie robust das Wachstum in Berlin ist", sagt Schwarz. In den vergangenen zehn Jahren hätten sich die Passagierzahlen damit verdoppelt. Der Umsatz an beiden Flughäfen stieg im vergangenen Jahr im Vergleich zu 2009 von 243,9 auf 250 Millionen Euro - das sind 2,5 Prozent Zuwachs - und erreichte nach Angaben von Schwarz "einen neuen Höchststand". Sein wirtschaftliches Ziel hat der Flughafenchef damit erreicht.

Denn der Ertrag vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) und damit der Eigenanteil der Flughafengesellschaft für die Finanzierung des neuen Hauptstadtflughafens BBI liegt gut im Plan. 2010 wurden 90 Millionen Euro erwirtschaftet. Damit sind von den insgesamt 440 Millionen Euro, die der Flughafen in der Zeit zwischen 2005 und 2011 an eigenen Mitteln für den neuen Hauptstadtflughafen in Schönefeld aufbringen musste und muss, bereits gut 420 Millionen Euro erreicht. Flughafenchef Schwarz geht davon aus, dass der Rest von 20 Millionen Euro in diesem Jahr zu schaffen ist. Sorgen dagegen bereitet dem Manager die seit Januar gültige Luftverkehrssteuer. Er rechnet mit spürbaren Auswirkungen auf das Passagierwachstum. Zuwächse seien nicht zu erwarten. Von der Steuer seien vor allem die Billigflieger betroffen. Der irische Billigflieger Ryanair cancelte, wie berichtet, bereits seine innerdeutschen Verbindungen von Schönefeld nach Hahn, Bremen und Weeze.

Weitere Turbulenzen sind im Zuge der Flugroutendiskussion zu erwarten. Bis zum Mai will die Fluglärmkommission der Deutschen Flugsicherung einen einvernehmlichen und realistischen Routenvorschlag vorlegen. Die Kommissionsvorsitzende bezeichnete den Zeitplan bereits als ehrgeizig. Flughafenchef Schwarz warnt davor, aus der "berechtigten Flugroutendiskussion eine so unsinnige wie schädliche Flughafendiskussion zu machen". Er rechnet aber damit, dass die Fluglärmkommission in den nächsten Monaten eine tragfähige Lösung erarbeiten wird. CDU, Grüne und auch Teile der SPD warnt Schwarz, die Nachtflugregelung infrage zu stellen. "Nur bei voller Funktionalität kann der BBI die Positiveffekte für die Region Berlin-Brandenburg erbringen, die wir so dringend benötigen," Wer beispielsweise ein Nachtflugverbot von 22 bis 6 Uhr fordere, mache die deutsche Hauptstadtregion dauerhaft zur Flugprovinz und gefährde bis zu 18 000 Arbeitsplätze. Bürgerinitiativen, CDU, Grüne und auch Stimmen in der SPD hatten im Zuge der Flugroutendiskussion ein striktes Nachtflugverbot von 22 bis 6 Uhr gefordert.

Der sogenannte Planergänzungsbeschluss zum Nachtflug, den das Brandenburger Infrastrukturministerium im Oktober 2009 erließ, lässt pro Nacht durchschnittlich 77 Starts und Landungen, in Spitzenzeiten sogar 103 Flugbewegungen in der Zeit zwischen 22 und 6 Uhr zu. Nachtflugbeschränkungen soll es in der Zeit zwischen 23 und 6 Uhr geben, wobei die fünf Stunden zwischen 0 und 5 Uhr bis auf Post-, Regierungs- und Notfallflüge flugfrei bleiben sollen. Grundlage für den ergänzenden Beschluss ist das Urteil des Bundesverwaltungsgerichtes aus dem Jahr 2006. Das Gericht hatte für die Zeit zwischen 0 und 5 Uhr ein absolutes Flugverbot festgelegt und verfügt, dass von 22 bis 24 Uhr und 5 bis 6 Uhr nur geflogen werden darf, wenn die Flüge aus nachvollziehbaren Gründen nicht am Tag abgewickelt werden können. Gegen den Planergänzungsbeschluss wird geklagt. Mit einer Entscheidung des Bundesverwaltungsgerichtes wird im ersten Halbjahr dieses Jahres gerechnet.

Flughafenchef Schwarz rechnet mit fundamentalen Auswirkungen auf die Wirtschaftlichkeit des BBI, sollte der Planergänzungsbeschluss vom Gericht geändert oder gekippt werden. Damit der neue Flughafen wie geplant am 3. Juni 2012 in Betrieb gehen kann, muss jetzt zu allererst der Innenausbau des Terminals vorangetrieben werden. Der Probebetrieb des BBI soll Ende November 2011 beginnen.

Zuvor wird Flughafenchef Schwarz den neuen Flughafen mehr als 1000 Vertretern internationaler Airlines vorstellen. Denn im Oktober 2011 tagt die "World Routes", das wichtigste Fachforum der Luftfahrtbranche, in Berlin und damit erstmals in Deutschland.

"Wer ein Nachtflugverbot von 22 bis 6 Uhr fordert, gefährdet 18 000 Arbeitsplätze"

Rainer Schwarz, Chef der Berliner Flughäfen