Verkehr

A 100 wegen Frostschäden heute und morgen gesperrt

Der Winter bringt den Berlinern neuen Ärger: Neben den massiven Einschränkungen im öffentlichen Nahverkehr und gefährlich vereisten Gehwegen im gesamten Stadtgebiet müssen jetzt auch die Autofahrer mit massiven Behinderungen rechnen.

Heute und morgen wird die Stadtautobahn A 100, die wichtigste Verkehrsader im Nordwesten der Hauptstadt, tagsüber in Richtung Seestraße voll gesperrt. "Notwendig wird die Sperrung wegen Frostaufbrüchen auf dem rechten Fahrstreifen, die dringende Wartungsarbeiten erforderlich machen", sagte Mathias Gille, Sprecher der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, am Mittwoch.

Für die Berliner kommt die Sperrung völlig überraschend. Die Arbeiten dauern von 9 Uhr bis voraussichtlich 18 Uhr. Betroffen ist der Abschnitt zwischen dem Autobahndreieck Charlottenburg bis zur Auffahrt Goerdelerdamm. Ab 18 Uhr ist die Strecke lediglich einspurig befahrbar. Die Auffahrt Goerdelerdamm bleibt frei. Am morgigen Freitag wird an dem Streckenabschnitt weiter gearbeitet: Auch dann kommt es zu einer Vollsperrung zwischen 9 und 18 Uhr, teilte die Senatsverwaltung mit.

"Es handelt sich um eine kurzfristige Notmaßnahme, da durch den Frost offensichtlich mehr Asphalt aufgeplatzt ist als zuvor angenommen", sagte Gille. Die entstandenen Schlaglöcher sollen provisorisch mit Kaltasphalt verfüllt werden. "Diese Wartungsarbeiten sind nicht planbar und konnten daher auch nicht früher angekündigt werden. Sie sind für die Verkehrssicherheit aber dringend erforderlich. Wir können nun mal auch nicht in eine Kristallkugel schauen und die Zukunft voraussagen", sagte der Sprecher.

Für den Berliner ADAC-Sprecher Jörg Becker ist die Vollsperrung in ihrer Länge nicht nachvollziehbar. "Natürlich steht die Verkehrssicherheit der Autofahrer an oberster Stelle. Aber andererseits war mit der Entstehung gefährlicher Schlaglöcher zu rechnen." Der Senat habe es versäumt, ein wirksames Kontrollsystem einzurichten, um frühzeitig auf Schlaglöcher aufmerksam zu werden. "Es wurde so lange gewartet, bis sich kleinere Aufplatzungen zu gefährlichen Löchern ausgewachsen haben", sagte Becker. Zum Ärger der Autofahrer seien die Behinderungen nun so massiv, dass sie nur noch durch eine Vollsperrung zu Hauptverkehrszeiten behoben werden könnten.

"Mehr Kontrolle ist nötig"

Der ADAC-Sprecher forderte die Einrichtung einer "Schlagloch-Feuerwehr"und eines wirksamen Kontrollsystems in Berlin. Nur so könnten Sperrungen vermieden werden, die nicht nur für Autofahrer lästig seien, sondern der ganzen Stadt schaden würden. Die nur provisorischen Notmaßnahmen seien ohnehin langfristig teurer als eine erforderliche Grundsanierung, so Becker. Im Berufsverkehr am heutigen Donnerstag und morgigen Freitag erwartet der ADAC-Sprecher massive Beeinträchtigungen. "Die Lebensader des Nordwestens wird durchtrennt", sagte er. Die meisten Autofahrer würden die gesperrte Teilstrecke umfahren und in die Innenstadt ausweichen. Und dort sei die Verkehrsituation ohnehin extrem angespannt, sagte Becker.

Denn auch in der City haben sich die Straßen nach dem wochenlangen Frost in Schlaglochpisten verwandelt. Mit dem ersten Tauwetter werden die Schäden jetzt offensichtlich. Die Tiefbauämter der Bezirke haben bislang keinen Überblick über die Frostschäden auf ihren Straßen. Doch bereits jetzt zeichnet sich ab, dass der starke Frost der vergangenen Wochen den Asphalt an vielen Stellen gesprengt hat. Die Stadträte aller Bezirke sind alarmiert und erwarten in den kommenden Tagen massive Verkehrsbehinderungen. Allerdings sei bei der derzeitigen Witterung mehr als eine provisorische Reparatur mit Kaltasphalt nicht möglich, geben die Stadträte zu bedenken. Zu einer langfristigen Sanierung der aufgeplatzten Asphaltdecken könne es erst bei beständigen Plustemperaturen im Frühjahr kommen.

Von "100 Kilometer Schrottstraßen" spricht beispielsweise der Pankower Stadtrat Jens-Holger Kirchner (Grüne). Er hofft darauf, dass der Berliner Senat wie im vergangenen Jahr ein Schlagloch-Sonderprogramm auflegt, um die dringlichsten Frostschäden zu beseitigen.

"Die Flickschusterei auf Berlins Straßen muss nun endlich ein Ende haben. Die Berliner Wirtschaft braucht ein funktionstüchtiges Straßennetz, das nicht bei jedem Frost löchrig wie ein Schweizer Käse wird", sagte Christian Wiesenhütter, stellvertretender Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer Berlin (IHK). Er forderte eine Verdopplung des Etats. Zusätzlich müssten mindestens 50 Millionen Euro jährlich für die Grundsanierung investiert werden. Die im aktuellen Entwurf des Stadtentwicklungsplans Verkehr vorgeschlagenen zusätzlichen 20 Millionen Euro pro Jahr zur Straßensanierung würden dafür nicht ausreichen, sagte Wiesenhütter.

Ähnlich sieht dies Wolf Burkhard Wenkel, Hauptgeschäftsführer der Fachgemeinschaft Bau: "Gerade auf den Straßen, die bereits vor dem diesjährigen Winter marode waren, tun sich nun durch den Frost riesige Löcher auf, die den Verkehrsfluss in Berlin stark einschränken." Werden diese Schäden nicht frühzeitig behoben, drohe für Berlin der endgültige Verkehrskollaps. Auch Wenkel forderte vom rot-roten Senat die Bereitstellung eines Schlagloch-Sofortprogramms. Er kritisierte, dass die Unternehmen seines Verbands bislang keinerlei Bauaufträge von der Landesregierung erhalten hätten. Grundsätzlich müsse wesentlich mehr Geld investiert werden.

FDP verlangt 450 Millionen Euro

Die FDP-Fraktion im Abgeordnetenhaus taxiert den gesamten Investitionsbedarf für die Straßensanierung auf 450 Millionen Euro. Die vom Senat angekündigten Investitionsmittel in Höhe von rund 40 Millionen Euro seien kein "wesentlicher Beitrag" zur notwendigen Sanierung der Berliner Straßen.

Im vergangenen Jahr hatte der Senat zur Beseitigung der Schlaglöcher zusätzlich 25 Millionen Euro verteilt. Allerdings will die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung über ein neues Sonderprogramm nicht vor März entscheiden. "Erst wenn der Winter zu Ende ist, können wir die Notwendigkeit beurteilen", sagte Sprecher Gille.

Straßenschäden Weitere Berichte zum Winter und seinen Folgen lesen Sie im Internet unter: www.morgenpost.de/berlin