Nahverkehr

S-Bahn hat für den Winter noch Züge in der Reserve

Ein Winterdesaster will Verkehrssenatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD) im Berliner S-Bahn-Verkehr nicht noch einmal erleben. Die Politikerin hat gestern die Deutsche Bahn AG an ihre Zusicherungen erinnert, die diese nach den Chaostagen Anfang des Jahres gegeben hatte. Es werde alles getan, um die S-Bahn Berlin in die Lage zu versetzen, einen ordnungsgemäßen Betrieb zu fahren, so hatte es der Konzern versprochen.

Die Verkehrssenatorin reagierte damit auf die jüngsten Warnungen vor einem weiteren Chaos im Nahverkehr. Der Mahner ist erneut Hans-Werner Franz, Chef des Verkehrsverbundes Berlin-Brandenburg (VBB). Franz gilt als Kritiker des Bahn-Konzerns, doch seine Vorhersagen gründeten sich bislang auf ein hohes Maß an Sachkenntnis. Vertraut man auch dieses Mal seiner Einschätzung, dann steht erneut ein Chaos bevor. Es helfe nur Beten, so Franz. "Beten für einen milden Winter", empfahl er den Fahrgästen der S-Bahn in dieser Woche als Strategie für die bevorstehenden kalten Monate.

Nach Angaben des VBB-Chefs hat die S-Bahn in den vergangenen Wochen zwar zahlreiche Maßnahmen eingeleitet, um massive Zugausfälle wie in den beiden Vorwintern zu verhindern. Doch würde ein großer Teil der nötigen Arbeiten vor Winterbeginn nicht abgeschlossen sein.

Mehr Kapazitäten zum Enteisen

Die S-Bahn selbst will ein neuerliches Winterchaos möglichst verhindern. "Um auch unter schwierigen Witterungsbedingungen einen verlässlichen Fahrzeugeinsatz zu gewährleisten, hat das Unternehmen ein umfassendes Winterkonzept erarbeitet", teilte die Bahn-Tochter gestern mit. Einschränkungen bei extremen Temperaturen seien zwar nicht auszuschließen, sagte ein Sprecher, aber dies könne bei allen anderen Verkehrsmitteln auch auftreten. Zu Details des Konzepts wollen sich S-Bahn-Chef Peter Buchner und Technikchef Jürgen Konz morgen äußern.

Nach Informationen der Berliner Morgenpost gelten einige Probleme des vergangenen Winters S-Bahn-intern als gelöst. So soll es zusätzliche Kapazitäten zum Enteisen der Züge geben, unter anderem in der Werkstatt in Erkner. Auch ein Rezept gegen zugefrorene Türen soll das Unternehmen dem Vernehmen nach gefunden haben. Keine Lösungen gibt es - zumindest bislang - für andere Winterschäden. So waren bei Eis und Schnee zuletzt reihenweise Motoren, Heizungen und Lüfter ausgefallen. An einem Konzept zur Abdichtung von Motoren wird noch gearbeitet. Eine rechtzeitige Umrüstung der gesamten Flotte bis zum Winter dieses Jahres sei nicht zu schaffen, heißt es unternehmensintern.

Der Berliner Fahrgastverband Igeb hofft trotzdem auf einen Winter ohne neues S-Bahn-Desaster. Hauptgrund für den "vorsichtigen Optimismus", so Igeb-Chef Christfried Tschepe, sei, dass die S-Bahn Züge in Reserve habe, um bei Ausfällen reagieren zu können. Derzeit sind täglich 425 Zwei-Wagen-Einheiten im Linienbetrieb. Die Werkstätten können aber bis zu 450 einsatzfähige Viertelzüge bereitstellen, wie ein S-Bahner bestätigte. Mit den zusätzlichen Fahrzeugen könnte die S-Bahn eigentlich kleinere Verbesserungen im Fahrplanangebot realisieren. Doch S-Bahn-Chef Buchner will damit lieber das bestehende Angebot stabilisieren - offenbar auch mit Blick auf mögliche Probleme durch Frost und Schnee.