Hilfe für Obdachlose

Treberhilfe hat am Zoo Konkurrenz bekommen

Gleich zwei Beratungs-Mobile haben am Montagabend am Bahnhof Zoo auf Obdachlose gewartet. Neben der Treberhilfe stand erstmals auch ein Wagen von Gangway. Sechs ehemalige Sozialarbeiter der Treberhilfe, die bis vor Kurzem noch ein paar Meter weiter mit ihren ehemaligen Kollegen im Projekt zusammengearbeitet haben, wechselten zum Verein Gangway.

Die zwei Gruppen, die nur wenige Meter voneinander trennten, sprachen kein Wort miteinander.

Für Sozialarbeiter Ingo Tuchel (47), der seit 17 Jahren für die Treberhilfe im Einsatz an der Jebensstraße ist, eine überaus ärgerliche Situation: "Es ist traurig, wie versucht wird, unseren Bereich plattzumachen." Das finden seine zwei Kollegen Udo Krenzel (60) und Asgard Niemeier (36) auch. Die Treberhilfe habe doch angekündigt, dass sie das Angebot - notfalls sogar auf eigene Kosten - fortsetze. Die Doppelbesetzung durch Gangway sei Geldverschwendung. "Uns war es wichtig, die Kontinuität unserer Arbeit zu gewährleisten", sagten hingegen die neuen Gangway-Mitarbeiter. Ständig seien sie von Klienten und Behörden wegen der negativen Berichte über die Treberhilfe angesprochen worden, hätten Stellung nehmen müssen. Es sei der Wunsch des Teams gewesen, zu Gangway zu wechseln.

Die Senatsverwaltung für Soziales bestätigte, dass die 700 000 Euro, die die Treberhilfe bislang für ihre Straßensozialarbeit an Brennpunkten wie Bahnhof Zoo, Ostbahnhof, Alexanderplatz und an der Kurfürstenstraße sowie für Beratungsstellen in Mitte und Friedrichshain erhielt, in diesem Jahr an Gangway und an die Gesellschaft zur Betreuung Wohnungsloser und sozial Schwacher gehen. Das Sozialgericht, das den Entzug des Projekts beanstandet hatte, soll in den nächsten Tagen von der Senatssozialverwaltung eine ausführliche Begründung erhalten. "Wenn die Treberhilfe solche Projekte selbst finanzieren kann, hat sie ohnehin keinen Anspruch auf Zuwendungen. Schließlich handelt es sich um öffentliches Geld", sagte Anja Wollny, Sprecherin von Sozialsenatorin Carola Bluhm (Linke).