Bildung

4000 Pädagogen sind nicht im Unterricht tätig

In Berlin stehen gegenwärtig rund 4000 Lehrerstellen dem Unterricht nicht zur Verfügung. 2603,8 Lehrer sind - statistisch gesehen - für Verwaltungsaufgaben freigestellt, weitere 1400 haben sich dauerkrank (länger als drei Monate) gemeldet. Das geht aus der Beantwortung einer Kleinen Anfrage des Abgeordneten Oliver Schruoffeneger (Grüne) hervor.

"Etwa 250 Millionen Euro Personalkosten, davon 64 Millionen Euro für dauerkranke Lehrkräfte, kommen nicht direkt bei den Schülern an", kritisierte Schruoffeneger.

Die Grünen fordern, einen Teil der dauerkranken Lehrkräfte für Verwaltungsaufgaben einzusetzen. Ein Drittel dieser Pädagogen wäre dazu bereit und in der Lage, heißt es. "Das bedeutet, dass etliche in die Verwaltung abgeordnete Lehrer wieder unterrichten könnten", sagte Özcan Mutlu, bildungspolitischer Sprecher der Grünen. 330 zusätzliche Stellen stünden den Schulen damit zur Verfügung. Die sollten für die Sprachförderung in Kitas und Grundschulen eingesetzt werden.

Im Bereich Fort- und Weiterbildung könnten etwa 120 Stellen von dauerkranken Lehrkräften besetzt werden, so Mutlu. Im Landesinstitut für Schule und Medien wären es rund 30 Stellen, bei schulartenübergreifenden Aufgaben - dazu gehören Verkehrserziehung, Schulleitercoaching, Schulaufsicht - etwa 60 Stellen, die von langzeiterkrankten Lehrern übernommen werden könnten. Darüber hinaus schlagen die Grünen vor, weitere 60 Stellen im Bereich Beratungsaufgaben (IT-Berater, Fachberater Abitur, Fachberater Internationale Beziehungen) mit bislang dauerkranken Pädagogen zu besetzen. Weitere 60 Stellen würden frei, wenn die schulpraktischen Seminare, die von freigestellten Pädagogen geleitet werden, 22 statt bislang elf Teilnehmer hätten, rechnete Mutlu.

Die Lehrergewerkschaft GEW begrüßt das Anliegen der Grünen. Laut Sprecher Peter Sinram fordert die GEW seit Langem, dauerkranke Lehrer, die lediglich keinen Unterricht mehr geben können, anderweitig einzusetzen. "Es gibt viele Möglichkeiten, die Erfahrungen der Kollegen zu nutzen", sagte er.

Beate Stoffers, Sprecherin von Bildungssenator Jürgen Zöllner (SPD), bezeichnete die Forderung der Grünen als fragwürdig. "Der größte Teil der dauerhaft kranken Lehrkräfte ist nicht arbeitsfähig", sagte sie. Jemand der krebskrank sei oder eine andere schwere Krankheit habe, könne nicht arbeiten, auch nicht in der Verwaltung. "Nur rund 50 Kollegen sind nicht vor einer Klasse einsetzbar", sagte Stoffers. Für diese Kollegen gebe es ein Modellprojekt, das vorsieht, sie außerhalb des Unterrichts einzusetzen.