BBI-Flugrouten

Der Ton wird rauer

Die Auseinandersetzung um den künftigen Hauptstadtflughafen BBI wird schärfer. 1000 Menschen machten gestern Abend in Steglitz ihrem Ärger über die von der Deutschen Flugsicherung geplante Flugrouten lautstark Luft. Zugleich kritisierte der Deutschland-Chef des Billigfliegers Easyjet, Thomas Haagensen, die hohen Gebühren am neuen Airport. Im Gespräch mit der Berliner Morgenpost forderte er, den Flughafen Tegel für Billig-Airlines weiter offen zu halten.

Anwohner aus dem Süden Berlins sowie aus Brandenburger Nachbargemeinden waren gestern am frühen Abend der Einladung von Steglitz-Zehlendorfer Bürgermeister Norbert Kopp (CDU) und der BI "Keine Flugrouten über Berlin" aus Wannsee gefolgt und auf den Hermann-Ehlers-Platz in Steglitz gekommen. Erst vor zwei Wochen hatten Bürgerinitiativen aus Kleinmachnow, Teltow und Stahnsdorf sowie Einwohner aus dem Süden Berlins in Kleinmachnow demonstriert. Und ihr Ton wird rauer. Von Betrug und arglistiger Täuschung ist jetzt die Rede. Und neben den Forderungen nach neuen Flugrouten wird die Aufarbeitung der politischen Hintergründe gefordert. Auch werden die neuen Routen mit einer späteren Umgehung des Nachtflugverbots in Verbindung gebracht.

"Ich habe vor dem Verwaltungsgericht Cottbus Klage eingereicht und fordere einen Baustopp", sagte Christian Radtke aus Teltow. Lichtenrade, Großbeeren, Zeuthen, Brandenburg, Lankwitz - der Widerstand kommt aus immer mehr Brandenburger Gemeinden und Berliner Ortsteilen. Gefordert wird auch die Neubesetzung der Fluglärmkommission mit Vertretern aller betroffenen Gebiete. "Wir lassen uns nicht über den Tisch ziehen", sagte ein Sprecher. Für den 24. Oktober, 15 Uhr, ist auf dem Marktplatz in Teltow die nächste Demonstration geplant.

Der Easyjet-Deutschland-Chef sagte, dass die geplanten Flughafengebühren des BBI zu teuer für Billiganbieter seien. Außerdem sei der Nordpier des neuen Großflughafens, der Tegel und Schönefeld 2012 ersetzen soll, viel zu klein für alle Billigflieger. "Vielleicht ist es Zeit, doch noch andere Alternativen anzuschauen und gegebenenfalls eine Splittung mit je einem Flughafen für Low-Cost-Carrier und klassische Fluglinien wie jetzt beizubehalten", sagte Haagensen. "Warum nicht Tegel offenhalten?" Das Ergebnis der bisherigen Gebührenverhandlungen am BBI sei jedenfalls enttäuschend.

Beratungen beginnen heute

Ab heute beginnt das offizielle Konsultationsverfahren mit Fluggesellschaften und Verbänden über die anstehende Festlegung der Flughafenentgelte, die von den Airlines pro Passagier gezahlt werden müssen. Experten sprechen bereits von einer "schier unlösbaren Aufgabe" und sehen die Billigflieger abwandern oder die BBI-Refinanzierung gefährdet.

Der BBI-Businessplan sieht auf der Basis der für den BBI getätigten Investitionen Durchschnittserlöse von 26 Euro pro Passagier vor. Das wären sechs Euro mehr an Entgelten als derzeit in Tegel durchschnittlich erhoben werden und mindestens 17 Euro mehr als heute in Schönefeld. Europas größter Billigflieger Ryanair hat wegen der Gebührenerhöhung bereits gedroht, Berlin nicht mehr anzufliegen.

Darüber denkt Haagensen nach eigenen Angaben noch nicht nach. "Jetzt ist Zeit zum Handeln und noch keine Zeit für Drohungen", sagte er. Die ab 2011 geltende Flugsteuer und die Aussicht auf überhöhte Gebühren seien aber ein doppelter Preisschock für die Airlines. "Für Berlin kann das nicht gut sein, weil der Tourismus sehr wichtig ist für die Stadt", warnte Haagensen. Gemeinsam mit der Berlin Tourismus Marketing Gesellschaft (BTM) hat sein Unternehmen einmal errechnet, dass die drei Millionen Passagiere, die mit Easyjet 2009 nach Berlin kamen, der Stadt eine Milliarde Euro Umsatz beschert haben. "Der Preisschock droht das Wachstum abzuwürgen. Es wird schwierig werden, noch so viele Passagiere in die Stadt zu bringen. Der BBI muss sich bewusst sein, dass zu hohe Gebühren nicht gut für die Region sind", sagte Haagensen.

Leipzig steht bereit

Der Easyjet-Chef kritisierte, dass die Passagiergebühren für den Low-Cost-Pier genau so hoch seien wie am Pier für Air Berlin. "Das macht keinen Sinn. Mehr Passagiere und mehr Wachstum an den BBI zu bringen, wird nicht belohnt. Im Gegenteil." Auf die unterschiedlichen Ansprüche der Airlines will der Flughafen mit einem "Cafeteria-Prinzip" reagieren: Gezahlt wird, was genutzt wird. Experten bemängeln, dass so viele Unterschiede gar nicht gemacht werden können. Haagensen sieht das Problem woanders: "Das Cafeteria-Prinzip funktioniert anderswo auch, aber hier ist das Prinzip, dass wir mit hohen Gebühren trotz Low-Cost-Pier Lufthansa und Air Berlin subventionieren. Das geht nicht." Auch operative Belange in der Planung müssten diskutiert werden. So diktiere der Flughafen die Handgepäckgröße für alle Airlines. "Und es kann auch nicht sein, dass der Verkaufsschalter nicht im gleichen Bereich untergebracht wird wie der Check-In."

Bei den Flughäfen in Dresden und Leipzig/Halle reibt man sich angesichts der Berliner Gebührendebatte bereits die Hände und hofft, Billigflieger abwerben zu können. Für Easyjet ist diese Möglichkeit nach Haagensens Ausführungen aber unattraktiv. "Unsere Passagiere sind besonders an Berlin interessiert, und unsere Politik sieht vor, von zentralen Flughäfen zu fliegen", sagte er. "Es ist sinnvoll, in Berlin zu sein." Easyjet fliegt seit 2004 von und nach Berlin. Gestartet ist das Unternehmen hier mit 13 Strecken, mittlerweile sind 31 Destinationen im Angebot. "Wir haben die Hoffnung, in Berlin weiter zu wachsen", sagte Haagensen. "Doch diese Pläne geraten angesichts der Gebührendiskussion unter Druck."