Zoo-Geschichten

Troll - der wasserscheue Eisbär liebt Melonen

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Der Kerl heißt Troll. Proll passte auch. Denn der 600-Kilo-Klotz brüllt seine Frau beim Essen an, sein Fell strotzt vor Dreck - und selbstverliebt ist er, Berlins Eisbär Ost.

Troll wurde 1986 im Zoo Wuppertal geboren - kein Wildfang, eher ein Weichei. Wenn Reviertierpfleger Michael Horn Melonen in den Wassergraben wirft, rennt Troll am Fuße eines imposanten Natursteinfelsens hin und her, so weit weg vom künstlichen Wasserfall wie möglich, und schüttelt angeekelt seine Füße, wenn etwas Nasses drankommt. Wasch mir den Pelz, aber mach mich nicht nass, könnte er denken. Am Ende springt er doch ins 96-Meter-Becken - die Süße der Melone lockt. Ganz anders Gefährtin Aika. Sie geht oft ins Wasser und streckt beim Rückwärtsschwimmen ihre Hinterfüße elegant in die Luft. Einer Inuit-Legende zufolge sollen manche Menschen sich in Eisbären verwandeln - Aika könnte Synchronschwimmerin gewesen sein.

Die Füße stehen unter strenger Beobachtung des Personals. "Jeden Abend, wenn die Eisbären in die Innenboxen kommen, kontrollieren wir ihren Gang, denn die beiden waren oft Fußkrank", sagt Horn. Die Sohlen sind behaart - und alle Haare sind innen hohl, wie hauchdünne Strohhalme. So ist die Haut besser isoliert - trotz Klimakatastrophe ist das nötig, in der Arktis herrscht im Winter extreme Kälte mit minus 30 Grad.

Die Haut ist schwarz, was man an der Nase sehen kann. Seine Schnauze zieht Troll oft kraus, wenn er frisst - zu sehen bei Schaufütterungen am Wochenende. Ab 12.30 Uhr gibt es Heringe. Eine Trollshow. Sobald der brüllende Proll sich nähert, trollt Aika sich. "Sie gibt nach, will ihre Ruhe haben. Sie ist die Klügere", sagt Horn. Wenn er über Aika spricht, schleicht sich Schmelz in seine Stimme, der Kosename "Schneckenpups" fällt. Troll dagegen wird angebrüllt... Männer unter sich.

Hinter den Kulissen haben die Bären getrennte Betten, äh Boxen, "Das tut vielen alten Ehepaaren gut", sagt Horn. Zumal es nicht mehr wuppt. Mit 29 Jahren ist Aika zu alt für Kinder. 1987 hatte sie ihren ersten Wurf. Damals kam Björn Heinrich zur Welt. Aika ließ ihn links liegen. Das Jungtier wurde eine erfolgreiche Handaufzucht - der Knut des Ostens. Den echten Knut würde Troll platt machen. Nicht jede Konkurrenz belebt das Geschäft.

Tanja Laninger berichtet wöchentlich über Zootiere. Weitere Kolumnen unter www.morgenpost.de/kolumne/laninger