Kommentar

Eines Besseren belehrt

Ich bin Optimist. Liebe S-Bahn-Kunden, Sie sind es nicht mehr? Diese Worte stammen ja auch von jemand, der nicht täglich lange auf die S-Bahn warten muss.

Gesagt hat sie der Vorsitzende der Deutschen Bahn, Rüdiger Grube. Am 24. Oktober 2010 war er das noch: guten Glaubens, dass im Laufe des Jahres 2011 alles besser wird bei der S-Bahn. Jetzt ist der Bahn-Chef eines Besseren belehrt.

Statt mehr fahren weniger Züge. Seit Sonntag bedient die S-Bahn Teile der Außenbezirke nicht mehr. Hunderttausende Berliner müssen sich andere Wege zur Arbeit, zur Schule oder zum nächsten Arzt suchen. Nun gibt es ein Ultimatum des Senats. Bis morgen sollen Antworten her, wie die Bahn das Tochterunternehmen wieder flottmachen will. Auch ein Bahn-Gipfel steht möglicherweise wieder an. Der fand schon einmal statt: Vor knapp einem Jahr, am 6. Februar. Damals sagte der Bahn-Chef: "Ich möchte mich bei den Berlinern entschuldigen." Nur die Berliner sind es leid.

Alle Druckmittel, wie die Kürzung der Senatszuschüsse, laufen offenbar ins Leere. Die Konsequenz aus dem Desaster kann nur lauten: Weg mit dem S-Bahn-Monopol. Alles unter dem Dach der BVG zu konzentrieren wäre auch kein sinnvoller Weg. Denn das landeseigene Unternehmen hat genug eigene Schulden und eigene Probleme - siehe den völlig aus dem Takt geratenen Busverkehr. Die Lösung kann nur lauten: Ausschreibung des Betriebs auf verschiedenen Strecken. Vielleicht können es ja andere besser als die Deutsche Bahn. Einen Versuch wäre es allemal wert. Leider gibt es einen möglichen Wettbewerb aber erst ab 2017.