Bebauungsplan

Treberhilfe will das Zentrum für Familien noch immer bauen

Jetzt ist das eingetreten, was der Bezirk Tempelhof-Schöneberg immer verhindern wollte: Das Gelände mit der asbestverseuchten Schwielowsee-Grundschule und Kita sieht aus wie eine Geisterstadt, die leer gezogenen 70er-Jahre-Gebäude bieten ein Bild der Verwahrlosung: eingeworfene oder mit Brettern verbarrikadierte Fenster, meterhohes Unkraut und Müll, abgeriegelt mit einem Bauzaun.

Eigentlich wollte der neue Eigentümer, die Treberhilfe Berlin, dort seit langem mit dem Neubau seines geplanten Jugend- und Familienzentrums beginnen - bis Frühjahr 2011 sollte es fertig sein.

Menschen in Not sollten dort Hilfe finden, aber auch die Nachbarschaft sollte von den Angeboten profitieren. Die Freizeitangebote sollten sogar kostengünstig oder umsonst sein. Acht Millionen Euro wollte Harald Ehlert in den Jahren 2010 und 2011 investieren - so jedenfalls sein ursprünglicher Plan. Allein für den Abriss und die Entsorgung der asbestverseuchten Gebäude waren Kosten von 2,4 Millionen Euro kalkuliert. Ehlert wollte dort sein "Meisterstück als Sozialinvestor" abliefern.

Neben einer Schule plante die Treberhilfe Berlin auf dem 17 000 Quadratmeter großen Gelände in weiteren Bauabschnitten ein Wohnheim für Obdachlose, das im Bezirk aber voraussichtlich keine Mehrheit finden wird, ein Jugendfreizeitzentrum und sogar eine Schule. Auch die Zentrale der gemeinnützigen GmbH sollte von der Hauptstraße aufs Gelände ziehen. Doch daraus ist bislang nichts geworden.

Da auch das Bezirksamt von den Schwierigkeiten der Treberhilfe erfuhr und sichergehen möchte, dass dort künftig keine andere Nutzung als für soziale und kulturelle Belange erfolgt, wird dies in einem Bebauungsplan abgesichert. Dies sei zuvor wegen der konkreten Bauabsichten der Treberhilfe für das Grundstück an der Monumentenstraße 13a/13b nicht nötig gewesen, teilte Baustadtrat Bernd Krömer (CDU) in der jüngsten Bezirksverordnetenversammlung mit. "Doch nach bekannt gewordenen Schwierigkeiten des Antragstellers für das Vorhaben im Frühjahr 2010 waren auch die Planungsziele für den schützenswerten Blockinnenbereich nicht mehr als gesichert anzusehen", so Stadtrat Krömer.

Nach Auskunft von Sozialstadträtin Sibyll Klotz (Grüne) enthält der Kaufvertrag, den der Liegenschaftsfonds mit der Treberhilfe schloss, keinen Passus, der dem Käufer die Möglichkeit, auf dem Gelände ein Obdachlosenzentrum einrichten zu dürfen, konkret zusichert. Der Vertrag verpflichte den Käufer lediglich, das Grundstück nach Fertigstellung des Bauvorhabens für die nächsten 20 Jahre für soziale Zwecke oder als Jugendeinrichtung zu nutzen - soweit das Baurecht dem nicht entgegensteht. Sollte die Treberhilfe das Grundstück verkaufen, bliebe diese Verpflichtung bindend. Der Kaufvertrag verpflichte die Treberhilfe nicht, die Gebäude überhaupt zu sanieren oder abreißen zu müssen und neu zu bauen, so Klotz.

Aufgeben will die Treberhilfe nicht. Die Verantwortlichen sagen, sie hielten nach wie vor am Projekt fest - erst einmal am Bauabschnitt I mit dem Jugend- und Familienzentrum, dem Jugendhilfezentrum und der Zentrale. "Wir planen 2011 konkrete Schritte", sagte Sprecherin Juliane Friese.