Beschlussanträge

Grüne fordern TÜV für die S-Bahn

Die Züge der Berliner S-Bahn sollten künftig nicht mehr von der Deutschen Bahn, sondern von einer unabhängigen Instanz, sozusagen einem S-Bahn-TÜV, auf ihre technische Sicherheit hin überprüft werden.

Diese Forderung der Grünen ist nur einer von 14 Beschlussanträgen, die heute auf der Tagesordnung des Verkehrsausschusses des Abgeordnetenhauses stehen. Einige der Anträge sind älter als ein Jahr. Erstmals seit Langem wird sich der Verkehrsausschuss mit der S-Bahn-Krise und den Folgen beschäftigen.

Im Mittelpunkt der Diskussion dürften jedoch zwei Fragen stehen: Wann wird es im Berliner S-Bahn-Verkehr endlich eine Rückkehr zum normalen Fahrplanangebot geben? Und wie soll es mit der S-Bahn in der Bundeshauptstadt nach Auslaufen des aktuellen Verkehrsvertrages des Senats mit der Deutschen Bahn Ende 2017 langfristig weitergehen?

Für zusätzlichen Ärger bei den Abgeordneten dürfte dabei sorgen, dass die S-Bahn das Versprechen wohl nicht halten kann, zum Fahrplanwechsel im Dezember wieder das volle Fahrplanangebot zu bieten. Eine entsprechende Zusage hatte Bahnchef Rüdiger Grube Ende Januar dem Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) gegeben.

S-Bahn-Chef Peter Buchner musste, wie berichtet, nun jedoch einräumen, dass er dafür bis in das Frühjahr 2011 hinein überhaupt nicht genügend einsatzbereite Fahrzeuge hat. Aktuell stehen der S-Bahn nur knapp 420 ihrer insgesamt 630 sogenannten Viertelzüge für den täglichen Einsatz zur Verfügung. Zu groß sind der Wartungsstau und der Reparaturbedarf bei den Zügen, zu gering sind die derzeit vorhandenen Kapazitäten in den Werkstätten des Unternehmens.

Hinzu kommt, dass ab sofort bei einem Großteil der Züge nicht nur einmal pro Woche, sondern täglich die Bremsen beziehungsweise die Besandungsanlagen überprüft werden müssen. Jede dieser Überprüfungen dauert mindestens 25 Minuten. Auch wenn die Züge dafür nicht extra in die Werkstatt fahren müssen, so fehlen sie der S-Bahn in dieser Zeit für den normalen Zugbetrieb.

Um ihre Kunden bei Laune zu halten, will das Tochterunternehmen der Deutschen Bahn noch mehr in Service, Fahrgastinformation und Sauberkeit investieren, wie S-Bahn-Chef Buchner jetzt ankündigte. So werden an vielen Bahnhöfen neue, elektronische Anzeigetafeln und Lautsprecheranlagen installiert, außerdem werden die Züge häufiger als bisher gereinigt. Vor allem an den Wochenenden soll künftig eine, so Buchner, "mobile Sauberkeits-Eingreiftruppe" für Ordnung sorgen. Start des Projekts ist noch in diesem Jahr. Die S-Bahn will, so Buchner, "das sauberste öffentliche Verkehrsmittel Berlins" werden. Und das nicht nur im Inneren der Züge. 185 Doppelwagen haben bereits eine neue Lackierung mit Graffitischutz bekommen - das entspricht fast einem Drittel der Fahrzeugflotte. Bis Ende September hatte das Unternehmen zudem bereits 240 neue Fahrscheinautomaten aufgestellt. Bis März sollen es 500 werden - 50 mehr als bislang. Das Service-Telefon der S-Bahn ist schon seit Mitte September den ganzen Tag über erreichbar.

Zusammen mit den Entschädigungspaketen 2009 und 2010 - insgesamt mehr als 100 Millionen Euro - hat es das Unternehmen geschafft, trotz anhaltender Krise kaum Fahrgäste zu verlieren. Im August lag die Zahl der Reisenden laut Buchner sogar über jener des Vergleichsmonats 2008. Die Zahl der Stammkunden, die Abo- oder Jahreskarten bei der S-Bahn besitzen, stieg auf mehr als 165 000. "Unter dem Strich haben unsere Anstrengungen dazu geführt, dass wir keine Fahrgäste dauerhaft vom öffentlichen Nahverkehr vergrault haben", sagte Buchner.