Zooreporter

Verschmuste Echsen

Es gibt ausgewachsene Nashörner, die kann man auf den Arm nehmen. Sie wiegen bedeutend weniger und sind viel kleiner als die Dickhäuter, die durch Afrikas Nationalparks und Zoos rennen. Ihr vollständiger Name lautet: Nashornleguane.

Die Echsen tragen den Zunamen wegen dreier kleiner Hörner, so hoch wie ein Fingernagel, die ihnen auf dem Kiefer stehen. Das könnte gefährlich wirken und Feinde abschrecken, genau wie die Backen- und Stirnwülste und die endlose Stachelreihe auf dem Rücken. Die entpuppt sich beim Zupacken allerdings als weicher Hautkamm. So bleibt der Gesamteindruck ein freundlicher, wohl auch, weil der stellvertretende Reviertierpfleger Ronny Keßner einfach eines der großen Glasfenster öffnet, sich ins Terrarium setzt, einen Nashornleguan auf den Arm nimmt und unterm Kinn krault. Das ausgewählte Exemplar - ein Weibchen - schaut ihm verträumt in die Augen und lässt langsam die Lider sinken.

"Das war anfangs ganz anders", sagt Keßner und setzt das Tier behutsam zurück. Vor vier Jahren kamen ein Pärchen und ein Weibchen aus verschiedenen Zoos ins Aquarium. Sie mochten sich weder untereinander noch ihr neues Zuhause samt Personal. Keßner wechselte die Zusammenstellung. Er ließ das schwächste Glied, das maximal 1,20 Meter lange Männchen, alleine im Terrarium - "damit er die Fluchtwege kennenlernt" -, setzte dann das schwächere Weibchen dazu und zum Schluss die stärkste Echse. Das Experiment dauerte anderthalb Jahre und gelang so gut, dass inzwischen drei weitere Nashornleguane in der Gruppe leben. "Sie sind soziale Tiere - solange sie sich leiden können", sagt Keßner.

Das mit dem Mögen hat funktioniert. Am 19. Juli 2010 hat ein Weibchen Eier in einem selbst gegrabenen Kessel im Sand versteckt und sich wie ein Wachposten nicht mehr vom Fleck gerührt. "Jedes einzelne Ei ist größer als ein Tennisball", sagt Keßner. Er brachte das Gelege in einen Brutkasten, wo sich am 13. Oktober sieben Jungechsen mit einem Eizahn aus den Schalen schnitten. Fünf haben überlebt, und Keßner will sie alle behalten.

Heimatregion der Nashornleguane sind Puerto Rico und Hispaniola sowie weitere Karibikinseln. Die Echsen sind per Artenschutzabkommen streng geschützt und stehen doch auf der Roten Liste der vom Aussterben bedrohten Tiere, weil der Bestand wegen Jagd und Rodung schrumpft.

Weitere Kolumnen von Tanja Laninger unter: morgenpost.de/tierfamilie

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