Bildung

Berliner "Hebraic Graduate School" soll das Judentum fördern

Als der Bundestag vor einem Jahr beschloss, den Kampf gegen den Antisemitismus zu verstärken und jüdisches Leben in Deutschland weiterhin zu fördern, fand sich in dem Beschluss auch die Forderung nach mehr jüdischen akademischen Institutionen.

Diese, so hieß es, sollten mit Bundesmitteln gefördert werden. Exemplarisch für eine solche neue, zu fördernde Einrichtung wurde eine "Hebraic Graduate School of Europe in Berlin" genannt. Gestern nun stellten der SPD-Bundestagsabgeordnete Gert Weisskirchen und die Professorin für jüdische Religions- und Geistesgeschichte, Eveline Goodman-Thau, als Initiatoren ihre ersten Ideen für dieses Graduiertenkolleg in Berlin vor.

Eine Machbarkeitsstudie zu Studieninhalten und Standort wird in den nächsten sechs Monaten erarbeitet. 40 000 Euro stellt nach Angabe der Initiatoren hierfür das Bundesbildungsministerium zur Verfügung. Grundidee der "Hebraic Graduate School" soll laut Goodman-Thau "eine interdisziplinäre moderne europäische Wissenschaft aus der Perspektive des Judentums", sein. Angeknüpft werden soll an die "Kulturgröße" des europäischen Judentums vor dem Holocaust. Das Judentum dürfe in Europa nicht mehr allein nur unter den Stichworten Opfer und Täter thematisiert werden, sagte Goodman-Thau. An die Tradition Einsteins und Kafkas wolle man anknüpfen und in Berlin "einen Ort des Denkens, Nachdenkens und Vorausdenkens für eine neue Moderne" schaffen, fügte Weisskirchen hinzu.

Als Option für einen künftigen Standort des Kollegs gilt der Gebäudekomplex an der Auguststraße in Mitte im Eigentum der jüdischen Gemeinde. Die Vorsitzende der jüdischen Gemeinde, Lala Süsskind, kann sich dort den Sitz einer "Hebraic Graduate School" sehr gut vorstellen. Ausschlaggebend aber sei die Finanzierung.

"Wir haben viele schöne Vorschläge, und ich wäre froh, wenn wir unsere Gebäude mit jüdischen Inhalten füllen könnten. Was fehlt, sind aber die Vorschläge zur Finanzierung", sagte Süsskind gestern.

Der Direktor des Moses-Mendelssohn-Zentrums für europäisch-jüdische Studien in Potsdam, Julius H. Schoeps, warnte gestern davor, mit dem neuen Kolleg das "Rad neu erfinden zu wollen". Statt sich "Träumereien" hinzugeben, sollte man eine "Fakultät für Jüdische Studien" konzipieren, die von der Potsdamer und den drei Berliner Universitäten gegründet wird.

Bestehende Einrichtungen wie das Touro-Kolleg, das Zentrum für Antisemitismusforschung, das Moses-Mendelssohn-Zentrum und das Abraham-Geiger-Kolleg könnten sich daran beteiligen.