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Der Preiskampf bei der Berliner Caritas geht in die nächste Runde

Caritas und Diakonie geraten im Preiskampf unter den Pflegeanbietern mächtig unter Druck. Der Berliner Caritasverband ist in Teilen aus dem kirchlichen Tarifsystem (AVR) ausgestiegen und zahlt seinen Mitarbeitern mitunter weniger als bundesweit bei der Caritas üblich. "Sonst können wir uns am Markt nicht behaupten", rechtfertigt Caritas-Direktor Franz-Heinrich Fischler sein Vorgehen. Und so hat die Debatte um Mindestlöhne die Kirchen inzwischen voll erreicht.

Arbeitnehmervertreter warnen vor einem Qualitätsverlust. Kirche dürfe in den sozialen Diensten nur mitmachen, wenn ihre Vergütungsstandards eingehalten würden. Solche Positionen nennt Berlins Caritas-Chef "zynisch".

Jetzt hat die Caritas bundesweit sogar weitere Lohnsteigerungen vereinbart. Wie Berlin damit umgeht, ist noch völlig offen. In dieser Woche wird verhandelt. Die so genannte Regionalkommission Ost muss den Bundesabschluss nun auf die örtlichen Verhältnisse anwenden. Gewisse Abweichungen von der Bundeslinie sind dabei möglich. Ob sich Berlin aber überhaupt an den Lohnzuschlägen und der vereinbarten Arbeitszeitverkürzung beteiligen kann, ist offen. Vor den Verhandlungen wollte sich Caritas-Direktor Franz-Heinrich Fischler nicht äußern.

Nach zwei Jahren Verhandlungsmarathon hatten sich Dienstnehmer und Dienstgebervertreter innerhalb der Caritas auf Lohnerhöhungen von 1,6 Prozent ab Januar 2008 und um weitere 4,3 Prozent ein Jahr später geeinigt. Dazu wird es eine Einmalzahlung von 225 Euro im kommenden Januar und 70 Euro mehr für Auszubildende geben. Außerdem soll die Arbeitszeit zum 1. September 2009 von 38,5 auf 39 Stunden erhöht werden.

Die Berliner Caritas zahlt ihren Mitarbeitern in den Pflegeinrichtungen aber schon jetzt teilweise Löhne, die unterhalb der kirchlichen Tarifvereinbarung liegen. "Aber Dumpinglöhne zahlen wir nicht", erklärt Caritas-Direktor Franz-Heinrich Fischler. Zusätzlich zum kirchlichen Vergütungssystem sei man gezwungen gewesen, speziell für den hauswirtschaftlichen Bereich und in Teilen der Pflege alternative Vergütungssysteme zu entwickeln, deren Entgelte sich unter dem AVR-Niveau befinden. Die Berliner Caritas liegt mit ihrer Bezahlung nach eigenen Angaben noch immer über dem derzeit diskutierten Mindestlohn von 7,50 Euro. Hielte der kirchliche Arbeitgeber sich allerdings überall an die alten eigenen Caritas-Tarife, müsste er 9,61 Euro pro Stunde plus Zuschläge zahlen.

Insgesamt hat die Caritas in Berlin 1500 Beschäftigte. 650 davon in der Pflege, etwa 250 werden nach der alten Regelung bezahlt. die Mehrheit haben so genannte Einzelverträge, 50 sind schon in eine neue GmbH überführt, die der eigenen Tarifordnung unterliegt.

Die Frage nach der Bezahlung kirchlicher Mitarbeiter war durch einen Fernsehbeitrag angeheizt worden. Der Diakonie in Berlin wird vorgeworfen, Menschen so schlecht zu bezahlen, dass sie davon nicht leben können. Dies sei mit dem christlichen Anspruch nicht vereinbar.

Früher waren die kirchlichen Einrichtungen im Bereich Pflege und auch krankenpflegerische Versorgung weitgehend allein aktiv. Inzwischen gibt es zahlreiche private Anbieter, die den Preis mitunter drücken. "Wenn die kirchlichen Einrichtungen nicht in der Lage sind, menschenwürdige Preise zu zahlen und sich am Markt zu behaupten, dann müssen sie unter lautem Getöse aussteigen", sagt Thomas Schwendele, Pressesprecher der Mitarbeiterseite der Tarifkommission der Caritas. "Zynisch finde ich eine Position, die verlangt, Hilfen einzustellen, nur weil die Vergütung unter dem hohen AVR-Niveau liegt", meint dagegen der Berliner Caritas-Chef Franz-Heinrich Fischler. Der Berliner Caritasdirektor nennt den Ausstieg aus den Pflegedienstleistungen für die Caritas eine "schreckliche Vorstellung". Es gebe ein kirchliches Hilfegebot, dem man sich nicht entziehen könne und dürfe. Im Mittelpunkt stünde der Hilfsbedürftige, erst an zweiter Stelle der Mitarbeiter. Das würden manche immer wieder vergessen.