Bildung

Demonstration gegen schwere Mathematikprüfung

Berliner Zehntklässler wollen heute um 14 Uhr gegen die schwere Mathematik-Wiederholungsklausur im Rahmen des Mittleren Schulabschlusses protestieren. "Wir werden vom Roten Rathaus zur Senatsbildungsverwaltung in der Beuthstraße ziehen", sagte Christoph Walter, Bezirksschülersprecher aus Reinickendorf. "Die zweite Mathearbeit war viel schwerer als die erste", so Walter. Hinzu käme, dass offenbar auch bei der Wiederholungsklausur geschummelt worden ist.

Die Schüler fordern, dass lückenlos aufgeklärt wird, wie es dazu kommen konnte, dass die Prüfungsaufgaben vorab gekannt geworden sind. "Außerdem wollen wir wissen, wie der Senator damit umgeht, dass bei der viel schwierigeren Wiederholungsprüfung Tausende Schüler eine Fünf geschrieben haben", sagte Christoph Walter.

28 000 Berliner Zehntklässler hatten die Matheklausur wiederholen müssen, weil bei der ersten Prüfung die Aufgaben an rund 90 Schulen vorab bekannt geworden waren. "Das war auch bei der Wiederholungsklausur der Fall", berichtete ein Zehntklässler einer Neuköllner Gesamtschule gestern dieser Zeitung. Er habe die Aufgaben einen Tag vor der Prüfung gegen 17.30 Uhr per E-Mail erhalten. "Ich habe mir die Aufgaben zunächst nur kurz angesehen", so der Schüler. Unmittelbar nach der Prüfung sei sein Mathelehrer den Test mit den Schülern durchgegangen. Daraufhin habe er sich die E-Mail noch einmal angesehen und festgestellt, dass ihm tatsächlich die Prüfungsaufgaben zugeschickt worden waren. Einige seiner Freunde hätten am Tag vor der Prüfung nicht nur die Aufgaben, sondern sogar auch die Lösungen gehabt. "Ich habe das nach der Prüfung zweien meiner Lehrer mitgeteilt, aber die haben mir nicht geglaubt", berichtete der Schüler.

Wie viele Zehntklässler ärgerte auch er sich darüber, dass die Wiederholungsprüfung viel schwerer als die erste Prüfung war. "In meinem Mathekurs hat nur einer die Prüfung bestanden", sagte er. Etliche Schüler hätten den Mittleren Schulabschluss nicht bekommen, bei den meisten von ihnen habe es an der Matheprüfung gelegen. Er wünsche sich, dass es der Senatsverwaltung in Zukunft besser gelingt, die Prüfungsaufgaben vorab geheim zu halten, damit alle Schüler eine faire Chance haben, sagte der Neuköllner Gesamtschüler.

Das forderte auch Sascha Steuer, bildungspolitischer Sprecher der CDU. Er hat der Staatsanwaltschaft am Sonnabend Briefe und E-Mails von Schülern übergeben, aus denen hervorgeht, dass diese die Aufgaben bereits vor der Prüfung gehabt haben.