Szene

Schwule demonstrieren gegen Hass und Gewalt

Der 30. Christopher-Street-Day (CSD) in Berlin beginnt an diesem Sonnabend mit einer Gedenkfeier am Homosexuellen-Mahnmal im Tiergarten. Zu der Kranzniederlegung für die homosexuellen Opfer des Nationalsozialismus um 10 Uhr werde neben Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse (SPD) auch die Vorsitzende des Landesverbandes Deutscher Sinti und Roma, Petra Rosenberg, ein Grußwort sprechen, teilte der Lesben- und Schwulenverband (LSVD) mit.

Als einer der letzten überlebenden Zeitzeugen werde zudem der 95-jährige Rudolf Brazda erwartet, der wegen seiner Homosexualität im Konzentrationslager Buchenwald inhaftiert war, hieß es. Darüber hinaus nehmen den Angaben zufolge auch die Preisträger des diesjährigen Zivilcourage-Preises des CSD, die Schauspielerin Maren Kroymann, der ehemalige Bundesanwalt Manfred Bruns, die Anwältin Maria Sabine Augstein und der Geschäftsführer des Sonntagsclubs, Michael Unger, teil.

Im Anschluss an die Gedenkfeier startet der CSD-Straßenumzug um 12.30 Uhr auf der Schloßbrücke gegenüber dem Berliner Dom und damit erstmals im Osten der Stadt. Von dort aus soll die Parade über Potsdamer Platz und Bülowstraße zur Siegessäule ziehen. Insgesamt erwarten die Veranstalter dazu rund eine halbe Million Menschen.

Der CSD unter dem Motto "Hass du was dagegen?" thematisiere in diesem Jahr die zunehmende Gewalt gegenüber Homosexuellen. Bei einer aktuellen Befragung von Berliner schwulen und bisexuellen Jugendlichen und Erwachsenen berichteten 43 Prozent von Gewalterfahrungen, im Vorjahr waren es 39 Prozent. An der nicht repräsentativen Online-Studie des schwulen Anti-Gewalt-Projektes "Maneo" hatten den Angaben zufolge 2150 Berliner teilgenommen. Bundesweit beteiligten sich 17 500 Männer, 40,6 Prozent von ihnen meldeten Vorfälle - knapp fünf Prozent mehr als im Vorjahr. Die meisten berichteten von Bedrohungen, 8,6 Prozent wurden tätlich angegriffen und erlitten Körperverletzungen.

Anlässlich des Christopher-Street-Days wurde auch eine Regenbogenfahne vor dem Polizeipräsidium am Platz der Luftbrücke gehisst. Damit zeige die Berliner Polizei ihre Bereitschaft, unterschiedliche Lebensweisen der Menschen zu akzeptieren, ihnen ohne Vorurteile zu begegnen und das ihr Mögliche zu tun, um sie vor "vorurteilsmotivierter Kriminalität" zu schützen, sagte Polizeipräsident Dieter Glietsch. Erstmals weht in diesem Jahr zudem die Regenbogenfahne auf allen Berliner Rathäusern.

Größte Paraden in Berlin, Köln, Hamburg

CSD geht auf Vorfälle im Juni 1969 in New York zurück. Nach einer Razzia der Polizei in der Szenebar "Stonewall Inn" kam es damals zum Aufstand von Schwulen und Lesben. Hauptschauplatz von Straßenschlachten war die Christopher Street im Künstler-Viertel Greenwich Village. CSD wurde damit zum Symbol und Auftakt der "Gay-Pride"-Bewegung. Inzwischen gehört die Lobby der Schwulen und Lesben zur größten Minderheiten- und Bürgerrechtsbewegung in den USA. Seit vielen Jahren wird auch in Deutschland an die Ereignisse in New York erinnert. Die größten Paraden finden in Berlin, Köln und Hamburg statt.